Das Besondere an Harambee

Ich möchte an dieser Stelle gern erklären, was bei uns anderes ist und das beginnt mit dem Begriff der Nachhaltigkeit.

Immer wieder werde ich mit den gleichen Fragen konfrontiert:
– Bringt das eigentlich was?
– Ist das nicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?
– Wie kann ich denn sicher sein, dass mein Geld auch wirklich ankommt und etwas bewirkt?

Es gibt viele Schulen in Kenia, viele Organisationen, die Essen verteilen oder Schuluniformen, die mal ein Moskitonetz spenden oder eine Ziege. In kleinem Rahmen, besser als nichts, aber meistens fehlt ein Gesamtkonzept über Jahre. Und das unterscheidet uns.

Schule 11Ich möchte keine arbeitslosen Jugendlichen schaffen, die zwar lesen und schreiben können, die aber danach trotzdem arbeitslos sein werden, weil sie eben einfach nur irgendwie in die Schule gehen. Wenn Kenia sich selbst helfen soll, dann müssen die Menschen lernen, über ihren Tellerrand zu schauen und eine Leistung zu erbringen. Wir verschenken nichts, wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Wir bringen europäische Standards mit, errichtet von kenianischen Mitarbeitern, die dafür auch gut bezahlt werden.

Mein Standardsatz ist immer und bei jeder Versammlung: „Es ist euer Land, eure Kinder. IHR müsst anpacken, dass sich was verändert.“

In unserer Schule geht es daher auch um Leistung, nicht nur um Aufbewahrung. Wir haben die besten Lehrer engagiert. Unsere Schule genießt Öffentlichkeitsrecht und wird immer wieder vom Unterrichtsministerium überprüft. Unser Ziel ist es, dass unsere Schulabgänger unter den beiden besten Secondary Schulen des ganzen Landes auswählen können, obwohl sie arm sind. Dass sie später ein Stipendium an der Uni bekommen, dass sie dann als ausgebildete Erwachsene ihrem Land helfen können. Wir wollen sie hungrig machen auf ihr Land, nicht hungrig darauf, nach Europa zu kommen und hier arbeitsloser Bettler zu sein.

Wir unterrichten HIV-Prophylaxe, Geburtenkontrolle, Hygiene, Wieso bekommt man Malaria?

DSC_0090Wir haben eine Bibliothek, in der auch europäische Jugendbuchklassiker stehen. Unsere Kinder hören auch mal Mozart und spielen Theater. Sie werden schon bald auch lernen, mit einem Computer umzugehen oder Deutsch als Fremdsprache angeboten bekommen. Denn Kenia ist ein Tourismusland, schreiben und lesen allein genügt schon lange nicht mehr.

Daneben kümmern wir uns direkt um die Familien. Bauen Häuser, reparieren Dächer, sorgen dafür, dass unsere Kinder in Betten schlafen, denn ohne Bett ist auch ein Moskitonetz unnötig, und damit Malaria ein Problem. Wir verteilen an halbwüchsige Mädchen Damenbinden und bauen Gemeinschaftstoiletten, auch dies ein wichtiger Schritt, um Infektionen und Krankheiten zu verhüten.

Was auch anders ist und schon an anderer Stelle erwähnt: Für mich ist etwas nur dann „gemeinnützig“ und verdient alle Qualitätssiegel, wenn man sich dafür nicht bezahlt oder Personal in Europa finanziert. Wir wollen nicht, dass eine Verwaltung Geld wegnimmt, dass die Ärmsten dringend benötigen. Als ich, Gabriela Vonwald, dieses Hilfsprojekt gegründet habe, war ich nicht auf der Suche nach einem befriedigenden Job, den habe ich seit Jahrzehnten, sondern ich wollte helfen. 

Kinder mit Schultaschen

Dazu gehört für mich, dass ich zuerst einmal mein eigenes Geld ausgebe, dann erst das anderer Leute/Spender. Und dass ich mich kümmere. Nicht nur zweimal im Jahr, nicht nur wenn ich Zeit und Lust habe und es gerade Spaß macht, sondern jeden Tag wieder seit der Gründung. Ich kenne jedes einzelne Kind und jede Familie, inzwischen gibt es auch schon ganz viele Unterstützer, die das auch schon schaffen. Ich bin täglich in Kontakt mit den Verantwortlichen vor Ort, ich weiß heute, wo ich in fünf, in zehn, in zwanzig Jahren mit dem Projekt stehen möchte.

Und – unsere Sponsoren und Paten haben Mitspracherecht. Viele gute Ideen sind schon durch solch intensive Gespräche umgesetzt worden. Wir sind eine Familie…