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Ist mein Patenbeitrag zweckgebunden?

Unser Finanzbericht steht wieder online, offen und transparent wie jedes Jahr.
Und manche, die damit noch nie zu tun hatten, stolpern jetzt vielleicht über die Worte: Gewidmete Spenden und ungewidmete Spenden. Und fragen sich vielleicht, was ist denn da nun mein Patenbeitrag, wofür genau wird das verwendet?

Zunächst einmal, gewidmete Spenden bedeuten, dass der Spender damit etwas Bestimmtes finanziert haben möchte, und daran müssen wir uns halten. Wenn also jemand Geld für ein Paar Schuhe überweist, dann bekommt das Kind ein Paar Schuhe. Wobei wir beraten und auch mal verweigern, falls es um ein Auto als Maturageschenk gehen sollte. Ihr wisst, was ich meine.
Wenn ich eine Sammlung mache für eine öffentliche Wasserleitung, dann wird genau die damit finanziert.

Und auch der Patenbeitrag ist solch eine gewidmete Spende, und der Zweck ist es hier, dem Patenkind Schule zu ermöglichen und ein gutes Leben, soweit es in unserer Macht steht. Dazu gehört natürlich in unseren beiden eigenen Schulen auch, dass wir Gehälter zahlen, also in Kenia. Lehrer/innen, Köche und Köchinnen, Gärtner/innen, Security, Sozialarbeiterinnen usw. Dann gehört dazu das gesamte Schulessen. Krankenversicherung. Lehrmittel gehören dazu, außer es sind extra angeschaffte, für die dann wieder zweckgebunden gesammelt wird. Wie für unsere Mikroskope beispielsweise.
Und natürlich gehören auch Reparaturen an den Gebäuden, Fahrzeugen, Einrichtungen dazu. Es soll ja nicht so sein, dass es durchs Dach regnet. Benzin für unsere Fahrzeuge und den Schulbus. Die Versicherung der Fahrzeuge. Also alles, was man unter laufenden Kosten versteht.

Was nicht dazu gehört – neue Gebäude zu bauen.

Wir nehmen also nicht von Patengeldern etwas weg, häufen es an und bauen dann davon irgendwann noch eine Schule. Oder auch nur einen Schlafsaal. Mal abgesehen davon, dass wir da sehr lange sparen müssten.
Patengelder sichern also den laufenden Schulbetrieb für alle. Und klarerweise, wenn man es wie eine Firma sieht, müssen wir eine bestimmte Anzahl Paten haben, damit es rennt. In der Wirtschaft würde man das als Break Even Point bezeichnen. Wenn ich daher um Paten bettele, dann nicht nur immer für dieses eine Kind, sondern dafür, dass alle anderen ebenfalls unbesorgt lernen können und was zum Essen da ist. Wenn viele Kinder keine Paten haben, müssen wir irgendwo sparen.
Ich sehe mich hier noch in den ersten Monaten „meiner“ Schule rechnen und herum schieben – nicht wie viele Kinder brauchen wir, sondern wie viele Paten brauchen wir, damit sich eine Schule überhaupt ausgeht. Und das schlimmste Jahr war 2016, als wir mit der Highschool, damals noch Secondary genannt, begonnen haben. Wir brauchten plötzlich für gerade mal 30 Kinder 10 Lehrer.
An einer eigenen Schule sind die Gehälter immer noch das größte Problem, vor allem dann, wenn man die Mitarbeiter/innen gut bezahlen und nicht ausbeuten will. Ich sage mir hier immer – auch das ist ja schon Hilfe. All diese Menschen, bei uns sind es derzeit fast 120 Angestellte, erhalten damit ihre Familien und schicken eigene Kinder in die Schule, sind kranken- und pensionsversichert.

Und wie bauen wir dann praktisch jedes Jahr irgendwas Neues? Wie haben wir die Schulen gebaut? Den Basketballplatz, Stützmauern oder das TCC-Haus? Und wie finanzieren wir eventuell Extras und Anschaffungen?

Dazu ein Blick zurück in die Vergangenheit:
Die erste der beiden Vonwaldschulen war ja ursprünglich einfach mein Privatprojekt und Privateigentum. Es gab Spenden für die Kinder, aber alle Gebäude bis Highschool hab ich aus meiner Firma finanziert. Jedes Jahr ein neues. Ich habe die Schule erst 2017 an unsere kenianische Dachorganisation Gapeka verschenkt.
Danach waren es große und kleine Stiftungen aus dem Ausland – Schweiz, Amerika, Deutschland – die für die weitere Infrastruktur gesorgt haben, denn nur das wollen Stiftungen.

Eine Stiftung finanziert uns leider nicht, sagen wir für ein Jahr die Gehälter. Oder das Schulessen. Stiftungen wollen etwas Materielles schaffen, am liebsten etwas, wo man dann ein Schild anbringen kann – gespendet von. Und dies sind natürlich alles gewidmete, zweckgebundene Spenden.

Und dadurch haben wir zwei Töpfe an gewidmeten Spenden – einmal für die laufenden Kosten, deklariert als Patenbeitrag, und einmal für neue Gebäude, Fahrzeuge, Infrastruktur, Anschaffungen. Wenn also ein Pate nicht einverstanden ist damit, dass wir etwas bauen oder Leitungen legen, braucht er keine Angst haben, dass dafür sein Patenbeitrag genommen wird.
Und was sind dann freie ungewidmete Spenden?

Das sind Spenden, bei denen es dem Spender egal ist, was wir damit tun, solange es dem gesamten Projekt zugutekommt. Sammlungen, Geburtstags- und Hochzeitsgeschenke oder auch nur Einzelspenden wo wir dazu mitgeteilt bekommen – ich vertraue euch, nehmt es dort, wo es gebraucht wird. Und das rettet uns ganz oft, denn damit können wir schnell etwas finanzieren.
Was aber für mich einfach großartig ist – wir haben Verwaltungskosten von gerade mal 0,4%. Und das sind die, die wir nicht ändern können, wie Bankspesen oder Wirtschaftsprüfer. Und darauf sind wir stolz.
Ich hoffe, ich konnte alle Fragen etwas klären. Danke für jede einzelne Spende.

Gabriela Vonwald. Dr. h.c.

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