Alles fließt
Oder auch – nichts ist so beständig wie der Wandel.
Und ja, bei uns ändert sich im kommenden Jahr etwas wesentlich. Und ja, ich habe lange Zeit gesagt, nein, machen wir nicht. Aber – ich lasse mich auch überzeugen. Ich beobachte, diskutiere in Kenia mit vielen unterschiedlichen Menschen, wäge ab und erkenne, wenn ich vielleicht Dinge zu eng sehe, auf dem Holzweg bin. Oder auch, wenn sich Strukturen geändert haben, es einen demographischen Wandel gibt.
Und zu diesen Änderungen gibt es auch eine eigene Podcast Folge und einen Newsletter (hier aber stark gekürzt).
Es wird im neuen Jahr eine Babyclass geben. Also 2-4jährige.
Ja, ich war dagegen, weil ich es als Mama sehe und mir immer denke, sollten Kinder nicht, wenn sie so klein sind, daheimbleiben. Mit ihrer Mama, Papa, Oma? Und ja, in Kenia gibt es doch Großfamilien, oder? Hört man doch immer.
Aber – ich muss einfach eingestehen, Familien wie die von meinem lieben Karani sind zunehmend eine Seltenheit. Viel häufiger findet man heute die Kleinfamilie wie bei uns oder alleinerziehende Mütter. Keine Oma, Tante, Schwägerin mehr. Manchmal findet sich eine ältere Tochter, die aber dann schulisch darunter leidet, weil sie auf jüngere Geschwister aufpassen muss. Denn Mütter müssen arbeiten, sonst verhungern sie und die Kinder. Familien zerbröseln wie überall.
Und ein weiterer Grund, warum ich mich gewehrt hatte – sollten einige Erziehungsmaßnahmen nicht in der Familie bleiben? Ich weiß, der sozialistische Traum bzw. für mich auch immer der Traum von autoritären Systemen – Kinder früh weg vom Einfluss des Elternhauses. Ist doch so, oder? Aber dann kamen immer wieder Lehrer und baten um eine Klasse vor der eigentlichen Klasse. Denn PP1 ist schulisch. Da gibt es einen Lehrplan. Und immer wieder hörte ich – wir verbringen allein das erste halbe Jahr nur damit, Kindern Hände waschen beizubringen, eine Toilette zu benutzen und nicht neben den Klassenraum zu pinkeln, sitzen bleiben, halbwegs vernünftig zu essen.
Und es stimmt. Wenn das Elternhaus etwas nicht leisten kann, was aber im Leben gefordert wird, dann haben wir als Schule die Pflicht, die Bürde, das Vergnügen. Und wenn man Kinder in Ruhe wachsen lassen will, benötigt man dazu ein Jahr, indem sie das dürfen, indem noch keine weiteren schulischen Anforderungen auf sie einprasseln.
Und vor allem bei uns heißt dies ja auch – die Wahl zwischen andere Kinder zum Spielen, schöne Spielsachen, etwas zum Essen oder – niemand kümmert sich, die Nachbarin schaut mal vorbei, man wird einfach im Schatten geparkt, kein Essen, keine Spielsachen, keine Förderung. In Kenia wird selbst in gebildeten Familien nicht vorgelesen oder Lego gespielt.
Also Babyclass oder auch Daycare, wie es so heißt. Wir werden maximal 16 Kinder nehmen, dazu 2 Betreuerinnen, speziell ausgebildet, also ein Betreuungsschlüssel besser als hier bei uns. Und richten dazu jetzt einen Raum sehr liebevoll her, farbig, kuschelig, Sarah und ich kaufen schon wie verrückt Dinge ein, alle freuen sich. Denn wenn schon, dann wird es die schönste und am besten betreute Kleinstkindergruppe in ganz Kilifi County, wenn nicht an der Küste. Und ich denke, um Paten braucht man sich bei 2-3jährigen auch wenig Sorgen machen.
Derzeit wird es die Babyclass nur in der Vonwald 1 geben, aber wer weiß, vielleicht 2028 dann Tezo auch.



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