Neben den Kindern in unseren beiden in Eigenregie geführten Schulen und allen drei Partnerschulen (inzwischen 4, aber dazu später mehr), wo es natürlich einen Mittagstisch gibt, haben wir viele Kinder auch in externen Schulen. Viele Schulen, überall verstreut, insgesamt sicher an die 80 Kinder. Manche dieser Schulen, auf jeden Fall natürlich alle Internate, bieten solch einen Mittagstisch an, wenn man es extra bezahlt, was wir natürlich immer tun.

Aber was ist mit den Kinder, die in Tagesschulen gehen ohne Mittagstisch? Die um 12 Uhr heimgeschickt werden (manchmal ein Fußmarsch von einer halben Stunde), nur um zuhause festzustellen, da ist niemand. Die Eltern arbeiten oder sind am Feld, und selbst wenn sie zuhause sind, es gibt kein Geld für zweimal essen. Man geht also hungrig wieder zurück, manche Kinder bleiben daher gleich in der Nähe der Schule. Da die meisten Kinder auch kein Frühstück bekommen, nur einen heißen gesüßten Tee (das Swahili Wort für Frühstück ist „chai na asubuhi“ – Tee des frühen morgens) bedeutet dies für die meisten Kinder in Kenia, sie sitzen müde und hungrig in ihren Klassen bis 16 Uhr und hoffen, dass es dann wenigstens ein Abendessen gibt. Viele schlafen nicht nur deshalb, weil sie so müde sind, sondern um dem Hunger davon zu schlafen.

Und ich gestehe – ich hatte das anfangs gar nicht am Schirm. War ignorant, dachte, ich bringe die Kids in eine Schule, das muss genügen. Aber, ich mache ja Familienbesuche, wenn ich in Kenia bin. Immer. Und natürlich auch bei externen Kindern. Ich lasse mir Zeugnisse zeigen und Schularbeiten und erinnere mich genau an diese Situation, aus der dann die Idee der Mittagsmahlzeit entstanden ist. Von einem Mädchen wurde mir gesagt, dass sie immer wieder mal zwei Tage fehlen würde in der Schule. Also meine Frage – warum? Sie druckste herum, ich nahm sie in den Arm und ging mit ihr hinter die Hütte, damit niemand es hören konnte. Und da kam es heraus, dass sie manchmal vor Hunger so schwach sei, dass sie nicht aufstehen könne und dass sie zweimal schon in der Schule in Ohnmacht gefallen sei und sich schämen würde.

Ich war so erschüttert, sofort eine Teambesprechung und die Idee – an jeder Schule gibt es Streetfood. Frauen, die dort chapati anbieten mit Bohnen, ugali mit Gemüse, Teigtaschen, es ist alles erhältlich, wenn man es denn zahlt. Aber den Kinder Geld in die Hand drücken ging natürlich nicht. Erstens würde es ihnen gestohlen, zweitens vielleicht von anderen Familienmitgliedern verwendet, und jeden Tag zuteilen wäre auch zu mühsam.

Also haben wir das Gespräch mit den Händlern und Küchen gesucht und mit ihnen den Deal ausgehandelt:

Die Kinder bekommen einen kleinen Ausweis, den sie vorzeigen, sie erhalten dafür ein Mittagessen, und einmal im Monat rechnen wir direkt mit den Köchinnen und Lokalen ab. Und das funktioniert jetzt schon seit Jahren so. Derzeit haben wir 51 Kinder, die in den Genuss kommen, verteilt auf insgesamt 10 dieser Streetfood-Betreiber/innen. Die ebenfalls glücklich sind mit dieser regelmäßigen und verlässlichen Einnahmequelle. Und was kostet das so? Um ein Kind einen ganzen Monat an allen Schultagen mit so einem Mittagessen zu versorgen, brauchen wir ungefähr 9 Euro.

Unser Mr. Godwyn hat auf meinen Wunsch hin gerade ein Video dazu gemacht, das ich euch demnächst zeige und in meiner nächsten Podcastfolge rede ich auch über unsere externen Kinder.

Kein Kind sollte hungrig sein.

Gabriela Vonwald

 

In einer Patenschaft ist ja bei uns nicht nur alles rund um den Schulbesuch plus mindestens eine warme Mahlzeit in externen Schulen, mindestens zwei in unseren beiden Schulen abgedeckt, sondern auch – wie ich es immer beschreibe – eine Basisabsicherung im Krankheitsfall. Und ganz oft werde ich, teilweise auch von anderen Organisationen und Vereinen, gefragt, wie geht das? Gibt es denn eine Krankenversicherung für die Kinder?
Nun, leider ist es nicht mehr so leicht. Ja, die gab es früher mal auf einfache Weise und wir hatten schon seit Jahren alle unsere Kinder dort registriert. Eine staatlich geförderte Versicherung für alle Menschen in Kenia. Die gibt es auch heute noch. Wer von seinem Arbeitgeber ordnungsgemäß beschäftigt wird, ist dort auch automatisch versichert und mit ihm/ihr die Kinder. Der Arbeitgeber nimmt es vom Bruttogehalt und legt seinen Anteil dazu, ganz wie bei uns auch.
Nur – solch ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis, wie wir es für alle unsere mehr als 120 Mitarbeiter/innen haben, existiert in Kenia nur in wirklich großen Firmen, in internationalen, nicht einmal überall im Staatsdienst. Hier wurstelt man sich lieber mit Praktika durch, für die man dann weder Steuern noch Versicherung zahlen muss. Und dabei sind viele sehr erfinderisch. Oft bekommt man auf Nachfrage die Antwort, klar, ist ordentlich bei uns beschäftigt. Weil man damit meint, nicht nur Tagelöhner, sondern er/sie bekommt sein/ihr Gehalt regelmäßig jeden Monat. Aber Steuern? Versicherungsleistung (die ja auch bei Mutterschutz oder Pension greift)? Fehlanzeige.
Natürlich kann sich jeder auf Wunsch selbst versichern, nur, das ist teuer. Macht also niemand. Man betet, dass eben nichts passiert. Und versäumt so gerade für die Kinder sehr oft Untersuchungen, behandelt den Armbruch nicht oder das Fieber, erkennt die Sichelzellenanämie nicht oder Malaria.
Auch für uns wäre das teuer gewesen, nur im alten System gab es für Organisationen die Möglichkeit der Gruppenversicherung. Dazu musste man Minimum 100 Kinder anmelden, und das hatten wir so all die Jahre.
Dann vor zwei Jahren, große Neugestaltung, Versicherungen fusionierten, es gab neue Regeln, und ja, wir könnten unsere Kinder noch immer versichern, allerdings wesentlich teurer und – mit gaaaanz viel Bürokratie. Unter anderem das schier unüberwindbare Hindernis, dass ein Elternteil eine ID Karte und eine Geburtsurkunde brauchte und sich ebenfalls versichern lassen musste. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Aber ich habe ja inzwischen ein Netzwerk, Freunde, die ich regelmäßig treffe. Unter anderem den Inhaber der privaten Khairat Klinik, Dr. Mahfoud. Natürlich ist die Klinik auch gewinnorientiert, Dr. Mahfoud, den ich inzwischen zu einem wirklich guten Freund zählen darf, ist aber auch ein Philanthrop. Und als er mich so verzweifelt sah, machte er den Vorschlag, alle Kinder bei ihm registrieren, eine kleine monatliche Gebühr pro Kind und sie dürfen alle kommen. Gratis.
Und das funktioniert hervorragend, inzwischen haben wir für unsere Kinder eine eigene Abteilung im ersten Stock mit eigenem Arzt, Schwester und Verantwortlichem.
Inkludiert in dieser Zahlung sind alle Dinge, wegen denen man auch bei uns zum Kinderarzt gehen würde, ausgenommen natürlich aufwendige Untersuchungen wie CT und Operationen. Aber selbst hier kann man mit Dr. Mahfoud reden, in Raten zahlen, handeln. Er schickt niemanden weg.
Daher, nein, unsere Kinder sind nicht versichert, sie haben aber alle die Möglichkeit, im Krankheitsfall einen Arzt zu konsultieren, ein Röntgen in Anspruch zu nehmen, einen Gips zu erhalten und Medikamente.
Und regelmäßig schickt uns das Khairat Spital Gemeindeschwestern oder Ärzte für Impfaktionen, Augen- und Ohrenuntersuchungen, Vitamin A Substitution oder Entwurmung. Oder auch für Vorträge über Hygiene und Geburtenkontrolle für unsere älteren Kinder oder Mütter.
Daher auch hier – geht nicht, gibts nicht.