Einige haben schon gefragt und ja, bald geht es los. Wir beginnen behutsam mit der Auswahl der Kinder für die PP1 und Babyklassen 2027.

Und viele interessiert, wie wir das denn machen, also, wie wählen wir aus, wie „finden“ wir die Familien, gibt es da einen bestimmten Tag und – wie viele nehmen wir?

Also zunächst einmal – nein, es gibt keinen bestimmten Tag. Wir alle halten es für ziemlich entwürdigend, 100 Familien oder mehr an einem Tag oder auch nur innerhalb weniger Tage wie Bittsteller aufmarschieren zu lassen, ihnen einen ganzen Tag ihrer Zeit zu stehlen und zu zeigen, wie mächtig wir sind. Also, ein Casting gibt es nicht.

Die Familien bringen die Geburtsurkunde ins Büro. Zu den ganz normalen Öffnungszeiten. Nicht als Bittsteller, sondern als Kunden, die um einen Platz in der Schule ansuchen. Dafür gibt es eine Frist bis zum…Das wird so ausgeschrieben und man sagt sich das weiter oder man kann es im Büro erfragen. Dazu die Adresse und gleich – wie weit ist das von der Schule oder von unseren Schulbussammelstellen entfernt, kann das Kind zu Fuß gehen.

Diese Geburtsurkunden werden dann gesichtet. Passt das Kind vom Alter her. Also für PP1 nicht älter als 4,5 und nicht jünger als knapp 4. Für Babyklassen zwischen 2,5 und 3 Jahren, lieber 3 als jünger.

Ja, und dann schwärmen alle unsere Sozialarbeiterinnen aus. Also, nicht die Familien kommen zu uns, sondern wir kommen zu den Familien.

Und da wird geschaut, wie viele Kinder gibt es in der Familie, unterstützen wir schon wen, gibt es beide Eltern, gibt es Kinder mit Behinderungen oder andere Härtefälle, wie groß ist die Armut, werden die Eltern wenigstens Schuluniformen schaffen, Hefte und die erforderlichen kleinen Beiträge zu den Ausflügen usw. Wir schauen auch auf die Kinderzahl, wie sind die älteren Geschwister versorgt, gibt es Große, die gerade in der Highschool sind oder im College und daher alles Geld der Familie blockieren? Hier helfen wir eher, als wenn es nur zwei Kinder gibt im Volksschulalter und beide Eltern kleine Jobs haben. Wie ist generell die Einstellung der Eltern zu Schule und zum Lernen, werden sie zu den Elternmeetings kommen und aktiv ihr Kind unterstützen. Und natürlich werden Fotos gemacht.

Für muslimische Kinder kommt dazu unsere Regel, Kopftuch erst ab 14 und beim Sport gar keines, das Kind nimmt an allen Sportarten teil.

Und wir legen klarerweise gleich zu Beginn fest, wie viele nehmen wir denn auf. Und hier sind wir eher anfangs restriktiv und sagen – mal in jeder der beiden Schulen nur 20. Unsere Erfahrung sagt, mehr werden es immer noch durch Härtefälle im Laufe des ersten Trimesters. Manchmal brauchen Kinder dringend Hilfe, nicht nur in PP1. Wenn wir aber jetzt schon alles vollstopfen – wir sind eine Schule, die bis zur Matura/Abitur läuft. Was, wenn wir in den höheren Klassen Notfälle einbuchen müssen? Dann sind wir irgendwann bei 40 oder 50 Kindern pro Klasse. Wir lassen uns also Reserven. Und es sollen ja auch alle Kinder Paten finden.

Und Babyklasse, da wollen wir wirklich nur sehr viel weniger Kinder, meine Vorstellung derzeit liegt bei 16 mit zwei Betreuer/innen, ich bin aber auch bei 14 nicht unglücklich. Wir müssen mit den Kleinen nicht Geld verdienen. Ich halte es für absoluten Wahnsinn, 30 3jährige zusammen zu pferchen, egal wie schön die Schule ist oder wie groß das Klassenzimmer. Nicht einmal mit 3 Betreuungskräften gefällt mir das, denn den ganzen Tag permanent mit so vielen anderen Kindern zusammen sein, ich glaube ganz bestimmt, dass das maximalen Stress erzeugt. Außerdem geht es ja bei Babyclass nicht unbedingt und zwingend im darauffolgenden Jahr in die PP1 weiter. Manchmal, wenn es vom Alter passt, bleibt ein Kind ein weiteres Jahr dort, vielleicht, weil es noch Defizite hat. Bei 30 Kindern wäre das auch für uns zu viel interner Stress.

Wenn dann eine Vorauswahl gemacht wurde, ja, dann bekomme ich es auf meinen Tisch. Lieber wäre mir, ich wäre vor Ort, aber inzwischen hab ich glaube ich, ein gutes Gespür. Und dann sitze ich und meditiere über jedem Kind, halte nochmals Rücksprache, schicke vielleicht noch einmal wen zur Familie.

Manchmal sieht die Entscheidung dann auch so aus – zu uns nicht, aber in die Hope und wir zahlen die Schulgebühr. Oder nach Old Ferry oder irgendeine andere öffentliche Schule und in ein paar Jahren schauen wir dann.

Warum diese letzte Entscheidung bei mir liegt (oder uns, denn auch Sarah wird da mitentscheiden) und nicht in Kenia? Natürlich können die das. Aber – die müssen dort leben, sind vielleicht mit wem befreundet oder verwandt. Sind benachbart.  Die Versuchung ist groß und auch der Vorwurf, warum hast du nicht mich genommen, wir kennen uns doch schon seit der Schulzeit. So können alle sagen, letzte Entscheidung wird in Europa getroffen.

Und der letzte Schritt? Beten und hoffen, dass alle meine Kleinen ganz schnell Paten finden.

Gabriela Vonwald

 

 

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