Einige haben schon gefragt und ja, bald geht es los. Wir beginnen behutsam mit der Auswahl der Kinder für die PP1 und Babyklassen 2027.

Und viele interessiert, wie wir das denn machen, also, wie wählen wir aus, wie „finden“ wir die Familien, gibt es da einen bestimmten Tag und – wie viele nehmen wir?

Also zunächst einmal – nein, es gibt keinen bestimmten Tag. Wir alle halten es für ziemlich entwürdigend, 100 Familien oder mehr an einem Tag oder auch nur innerhalb weniger Tage wie Bittsteller aufmarschieren zu lassen, ihnen einen ganzen Tag ihrer Zeit zu stehlen und zu zeigen, wie mächtig wir sind. Also, ein Casting gibt es nicht.

Die Familien bringen die Geburtsurkunde ins Büro. Zu den ganz normalen Öffnungszeiten. Nicht als Bittsteller, sondern als Kunden, die um einen Platz in der Schule ansuchen. Dafür gibt es eine Frist bis zum…Das wird so ausgeschrieben und man sagt sich das weiter oder man kann es im Büro erfragen. Dazu die Adresse und gleich – wie weit ist das von der Schule oder von unseren Schulbussammelstellen entfernt, kann das Kind zu Fuß gehen.

Diese Geburtsurkunden werden dann gesichtet. Passt das Kind vom Alter her. Also für PP1 nicht älter als 4,5 und nicht jünger als knapp 4. Für Babyklassen zwischen 2,5 und 3 Jahren, lieber 3 als jünger.

Ja, und dann schwärmen alle unsere Sozialarbeiterinnen aus. Also, nicht die Familien kommen zu uns, sondern wir kommen zu den Familien.

Und da wird geschaut, wie viele Kinder gibt es in der Familie, unterstützen wir schon wen, gibt es beide Eltern, gibt es Kinder mit Behinderungen oder andere Härtefälle, wie groß ist die Armut, werden die Eltern wenigstens Schuluniformen schaffen, Hefte und die erforderlichen kleinen Beiträge zu den Ausflügen usw. Wir schauen auch auf die Kinderzahl, wie sind die älteren Geschwister versorgt, gibt es Große, die gerade in der Highschool sind oder im College und daher alles Geld der Familie blockieren? Hier helfen wir eher, als wenn es nur zwei Kinder gibt im Volksschulalter und beide Eltern kleine Jobs haben. Wie ist generell die Einstellung der Eltern zu Schule und zum Lernen, werden sie zu den Elternmeetings kommen und aktiv ihr Kind unterstützen. Und natürlich werden Fotos gemacht.

Für muslimische Kinder kommt dazu unsere Regel, Kopftuch erst ab 14 und beim Sport gar keines, das Kind nimmt an allen Sportarten teil.

Und wir legen klarerweise gleich zu Beginn fest, wie viele nehmen wir denn auf. Und hier sind wir eher anfangs restriktiv und sagen – mal in jeder der beiden Schulen nur 20. Unsere Erfahrung sagt, mehr werden es immer noch durch Härtefälle im Laufe des ersten Trimesters. Manchmal brauchen Kinder dringend Hilfe, nicht nur in PP1. Wenn wir aber jetzt schon alles vollstopfen – wir sind eine Schule, die bis zur Matura/Abitur läuft. Was, wenn wir in den höheren Klassen Notfälle einbuchen müssen? Dann sind wir irgendwann bei 40 oder 50 Kindern pro Klasse. Wir lassen uns also Reserven. Und es sollen ja auch alle Kinder Paten finden.

Und Babyklasse, da wollen wir wirklich nur sehr viel weniger Kinder, meine Vorstellung derzeit liegt bei 16 mit zwei Betreuer/innen, ich bin aber auch bei 14 nicht unglücklich. Wir müssen mit den Kleinen nicht Geld verdienen. Ich halte es für absoluten Wahnsinn, 30 3jährige zusammen zu pferchen, egal wie schön die Schule ist oder wie groß das Klassenzimmer. Nicht einmal mit 3 Betreuungskräften gefällt mir das, denn den ganzen Tag permanent mit so vielen anderen Kindern zusammen sein, ich glaube ganz bestimmt, dass das maximalen Stress erzeugt. Außerdem geht es ja bei Babyclass nicht unbedingt und zwingend im darauffolgenden Jahr in die PP1 weiter. Manchmal, wenn es vom Alter passt, bleibt ein Kind ein weiteres Jahr dort, vielleicht, weil es noch Defizite hat. Bei 30 Kindern wäre das auch für uns zu viel interner Stress.

Wenn dann eine Vorauswahl gemacht wurde, ja, dann bekomme ich es auf meinen Tisch. Lieber wäre mir, ich wäre vor Ort, aber inzwischen hab ich glaube ich, ein gutes Gespür. Und dann sitze ich und meditiere über jedem Kind, halte nochmals Rücksprache, schicke vielleicht noch einmal wen zur Familie.

Manchmal sieht die Entscheidung dann auch so aus – zu uns nicht, aber in die Hope und wir zahlen die Schulgebühr. Oder nach Old Ferry oder irgendeine andere öffentliche Schule und in ein paar Jahren schauen wir dann.

Warum diese letzte Entscheidung bei mir liegt (oder uns, denn auch Sarah wird da mitentscheiden) und nicht in Kenia? Natürlich können die das. Aber – die müssen dort leben, sind vielleicht mit wem befreundet oder verwandt. Sind benachbart.  Die Versuchung ist groß und auch der Vorwurf, warum hast du nicht mich genommen, wir kennen uns doch schon seit der Schulzeit. So können alle sagen, letzte Entscheidung wird in Europa getroffen.

Und der letzte Schritt? Beten und hoffen, dass alle meine Kleinen ganz schnell Paten finden.

Gabriela Vonwald

 

 

Es ist ja nicht so, als hätten wir kaum Sport anzubieten. Wir haben den besten Basketballplatz in Kilifi, wir haben einen Pool, der sich auch für Wettkämpfe eignet, wir haben 50 Paar Skater-Ausrüstung, wir haben Fußball, Taekwondo, Leichtathletik.

Und seit vorgestern 3 absolut perfekte Tischtennistische, sehr professionell. Zwei wurden uns von Paten gespendet, die gerade vor Ort waren, einer von Madam Audrey und das kam so:

Madam Audrey ist 26 Jahre jung, eine zertifizierte Tischtennistrainerin, hat selbst viele Preise gewonnen und eine Organisation ins Leben gerufen, die Tischtennis vor allem Parkinsonpatienten nahe bringen möchte. Einerseits, weil viele Wissenschaftler sagen, dass gerade ein Sport wie Tischtennis, den man notfalls auch im Rollstuhl ausüben kann, sehr gut bei Parkinson wirkt, andererseits will sie mit Charity-Turnieren auf diese Krankheit aufmerksam machen.

Und sie hat uns besucht, fand unsere Schule einfach so sensationell, dass sie zwei Dinge bei uns tun will.

  1. Unsere Kinder gratis trainieren. Die Kids lernen also von einer der Besten.
  2. Am 10 und 11. Oktober bei uns einen Bewerb durchführen, die sogenannten Oronda Opens, wo es darum geht, Spieler, Parkinsonpatienten, Sponsoren und Verantwortliche zusammen zu bringen.

Und als erstes Danke haben wir von ihr diesen einen Tisch bekommen und über sie die beiden anderen zu einem absoluten Sonderpreis (1/3 vom Normalpreis).

Das große Ziel soll sein, einen Hotspot für Tischtennis an der Küste zu haben, denn bisher läuft alles nur über Nairobi.

Und wir sind so stolz, dass wir es sind. Und wieder können wir für viele eine Tür öffnen.

Wir haben ja jetzt nur noch drei Klassen Highschool im alten Schulgesetz, alle anderen sind bereits im neuen Schulplan verankert und werden da natürlich auch „überprüft“. Aber anders als im alten Lehrplan kann man nicht mehr durchfallen, es geht nicht mehr darum, jungen Menschen Wege zu verbauen, sondern Türen zu öffnen. Ich habs schon oft gesagt und geschrieben – alles steht unter dem Titel „Talenteschmiede“.

Viele denken da vielleicht nur daran, haben wir tolle Sportler oder Sänger oder Tänzer bei uns. Natürlich soll auch das gefördert werden. Das Größere darüber heißt aber – wo liegen deine Begabungen. Und das durchaus auch akademisch gemeint. Du interessierst dich für Naturwissenschaften? Großartig. Dann werden wir dich in Biologie oder Chemie fördern. Deins sind eher Sprachen? Kein Thema, dann suchen wir eine Schule, die sich darauf spezialisiert hat.

Daher geht es auch bei den Prüfungen ab Mitte Oktober (gemeint sind nicht die normalen Schularbeiten, die es natürlich auch weiterhin gibt) eben nicht um gute Noten, es geht um – worin bist du gut. Und das ist durchaus auch oder sehr viel eine Herausforderung für unsere Lehrer, die nämlich genau das erkennen müssen. Und zwar in der Grundschule und Unterstufe, denn hier werden die Weichen gestellt für Highschool. Was übrigens auch die Stellung der Grundschullehrer deutlich aufwertet.

Solche Prüfungen gibt es nun in Klasse 3 (dies ist auch die Klasse, wo jedes Kind eine Registrierungsnummer ins kenianische nationale System bekommt und diese Nummer bleibt bis zum Schulschluss, spätestens dann braucht es auch endlich eine Geburtsurkunde), in Klasse 6 und in Klasse 9.

In Klasse 3 und 6 wird getestet, ob die Kinder lesen und schreiben beherrschen, das Zahlensystem, aber auch – wie gut können sie kommunizieren, wie ist ihr Sozialverhalten, können sie kritisch denken (ja, schon in den unteren Klassen gibt es Diskussionsthemen). Und auch hier gibt es Jahresprojekte, beispielsweise in Hauswirtschaft oder Basteln, Umgang mit Abfall oder Plastik, Landwirtschaft. Landwirtschaft wird überhaupt ganz groß geschrieben.

In Klasse 9 nun, die letzte Klasse der so genannten Junior High, erfolgt dann die echte Weichenstellung. Danach besuchen die Kinder entweder weiterführende Hochschulen, und zwar genau solche, die das anbieten, wo die Interessen liegen, oder aber man erlernt einen Handwerksberuf, solche Schulen heißen hier TVET (es gibt kein duales System eines Lehrberufes).

Schulen mussten sich entscheiden, wohin wollen wir uns orientieren, was wollen wir anbieten, wobei STEM verpflichtend ist.

Bei uns wird dies eben STEM sein und Sport/Performing Arts. STEM heißt Science, Technics, Engeneering und Mathe.

Science und Mathe ist klar, Technics heißt IT und Engeneering bedeutet, Grundlagen Handwerk, also durchaus Tischlern, Werken, Handarbeiten, Nähen, Kochen usw.

Unsere Schule wird keine Humanities and Social anbieten, dazu gehören Sprachen, Geographie, Geschichte. Nicht weil wir es nicht schätzen, sondern weil einfach keine Schule mehr alles schafft, denn die Anforderungen sind riesig geworden.

Für unsere Kinder bedeutet dies nach Klasse 9, also am Ende des Jahres, zwei Entscheidungen zu treffen, wobei wir hier natürlich helfen und bereits seit vielen Wochen dazu Orientierungen anbieten.

  1. Möchte ich später mal studieren, möchte ich also den akademischen Weg gehen und weitermachen mit Highschool, oder will ich gleich einen Beruf erlernen?
  2. Wenn akademisch, bleibe ich in der Vonwald-Schule oder wechsele ich in eine mit Sprachen als Schwerpunkt? In diesem Fall suchen wir unter den umliegenden sehr guten Schulen aus und sponsern dort natürlich weiter.

Und natürlich kann es dann auch sein, dass uns viele verlassen und wir die Klassen mit jungen Menschen füllen, die genau das suchen, was wir bieten. So ist die Regel, also dann zu sagen, wir schicken unsere Kids woanders hin und schließen dann die Tür, das wäre ziemlich unsozial.

Was während der gesamten Junior High, also die Klassen 7, 8 und 9, ebenfalls einen hohen Stellenwert hat, sind so genannte Projekte. Mit Mai beginnend bekommen die Kinder Projektarbeiten, die nur als Team gelöst werden können und sollen und wo auch das gesamte Team beurteilt wird. Solch ein Projekt dauert drei Monate, also das gesamte zweite Trimester, es gibt klare Kriterien für die Lehrer, wie das einzuschätzen ist, und alles muss bis 31. August in ein zentrales Register eingetragen sein. Diese Projekte machen später 20% der Gesamtbeurteilung aus. Es sind immer sehr praktische Dinge, die alle mit Umweltschutz, Handwerk, Landwirtschaft zu tun haben.

Auch bei der Matura gibt es, wenn man das als Schule so wählt und wir haben das ja schon vor Jahren gemacht (daher müssen wir verpflichtend mindestens zwei Tierarten halten), immer ein Landwirtschaftsprojekt. Mal muss man Hirse anbauen und dann alles, wirklich alles rund um Hirse erforschen und wissen. Mal Ziegen- oder Hühnerhaltung, Maisanbau oder Kasava. Das können wir nicht aussuchen, sondern es wird uns vom Unterrichtsministerium am Beginn des letzten Schuljahres vorgegeben. Dieses Jahr ging es um die Kreuzung von zwei unterschiedlichen Mangoarten.

Als Schulerhalter bereitet mir all das manchmal Kopfschmerzen, weil wir wirklich viel investieren müssen, allein an Materialien. Aber ich finde das alles so unglaublich spannend, die Kinder haben so viel Freude dabei, lernen viel fürs Leben, sind so kreativ und erarbeiten schon früh gemeinsam Dinge. Es ist wirklich ein sehr toller Lehrplan und ich bin mega gespannt, wie sich unsere Kinder am Ende dieses Jahres entscheiden werden, wer geht wohin, wer bleibt, wer kommt neu dazu.

In meinem letzten Blog habe ich beschrieben, dass und wie wir immer wieder als große Organisation auch anderen Schulen oder Gemeinden helfen. Weil es erwartet wird, vor allem aber auch, weil es uns ein Bedürfnis ist.

Und natürlich müssen wir dann auch immer wieder mal Hilfe nach einer Weile beenden, denn immer nur mehr und mehr, das schaffen wir nicht, wollen wir auch nicht.

So werden wir, wie beschrieben, die beiden Partnerschulen Hope und Old Ferry behutsam auslaufen lassen, vor allem auch, weil sie gewachsen sind und die Starthilfe eben das war – ein Start. Irgendwann muss es allein gehen. Und andere warten.

Diese Woche haben wir auch nach 5 Jahren Hilfe Rabai auslaufen lassen. Mit einer wunderbaren Aktion – Bücher für drei öffentliche Schulen. Wir haben hier im Laufe der Zeit ein Schulgebäude, zumindest einen großen Teil davon, gebaut für eine Nursery (jetzt übernommen von einer anderen Organisation), wir haben Erste Hilfe geleistet mit Essenspaketen, wir haben ein paar hundert Kindern den Schulstart ermöglicht, wir haben Betten und Matratzen gespendet, Kleidung und Spielsachen, wir haben Mikrokredite vergeben , viele Eltern in Landwirtschaft ausgebildet und Menschen in die Selbständigkeit geholfen.

Und nun gehen wir den Schritt zurück. Ihr schafft das jetzt selbst beziehungsweise sind andere da, an die ihr euch wenden könnt. Und das werden sie sicher tun.

Und immer wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Was ihr hier seht, ist eine winzige Schule zwischen Kilifi Town und ‚Tezo. Ich habe diese Schule im Februar besucht und wir haben schon kleine Hilfe geleistet, ich hab damals spontan versprochen, 150 Euro im Monat mal auf ein Jahr, ich beobachte das. Mit den ersten 150 Euro ist dieser entzückende Spielplatz entstanden, Fotos unten, weil der Schulleiter sagt – die Kinder brauchen vor allem mal ein wenig Freude.

Das Besondere an dieser Schule, es ist das Werk eines unserer Mitarbeiter, David, der auch so großartige Dinge bei uns in der Landwirtschaft zaubert. Er hat da mit seinen Freunden (die Gruppe nennt sich nun „Friends of Gabriela“ – eine große Ehre) schon seit Jahren geholfen. Die Schule steht auf dem Land seiner Familie, sein Vater war Lehrer und diese Tradition soll weitergeführt werden. Derzeit gibt es 67 Kinder, 2 Klassen Vorschule und Klasse 1 und 2. Diese Eigeninitiative ist es, die mich begeistert. Wenn Kenianer etwas für die Gemeinde machen und nicht nur warten, dass Hilfe von irgendwo kommt. Wenn mit ganz viel Kreativität und Herzblut gearbeitet wird. David hat mich nicht angesprochen, hat um nichts gebeten, ich hab das durch Zufall über eine Familie, der wir helfen, heraus gefunden.

Und da das Geld aus Rabai jetzt frei geworden ist, können wir hier helfen. Und wenn ich immer sage – Projekte im Projekt – dann ist genau so etwas gemeint. Ich poste etwas, Menschen fühlen sich angesprochen und schreiben uns – ich würde gern genau hierfür etwas geben, hier helfen, entwickeln, geht das denn? Ja, geht. Und so haben wir Geld bekommen für genau diese Schule. In diesem Fall von unserer lieben Sarah. Und damit werden wir jetzt zaubern. Bücher, Schuluniformen, Hefte, mal ein paar Monate die Gehälter der Lehrer. Und wer mag kann sich einbringen, am besten gleich mit dem Betreff „Davids School“.

Ich denke, dies ist auch ein großes Alleinstellungsmerkmal von Harambee. Man kann bestimmen, mein Geld bitte dafür verwenden. Denn selbstverständlich nehmen wir diese Hilfen für Projekte im Projekt niemals von den normalen Patengeldern weg. Und selbstverständlich beobachten und berichten wir, selbstverständlich läuft es unter dem Dach unserer kenianischen Organisation Gapeka ab, das Geld kommt an und wird kontrolliert. Man muss also nicht unbedingt eine eigene Organisation vor Ort aufbauen, Menschen, die man nicht kennt, Gesetze, die man nicht kennt, um eigenständig dabei zu sein. Nur mal als Idee;-))

Also – Davids Schule. David ist überwältigt und legt Extraschichten ein und er wird der große Held seiner Gemeinde sein, was ich besonders schön finde. Nicht wir sind die Helden, auch das ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Hier noch Impressionen vom neuen Spielplatz.

Die Schule heißt natürlich „in echt“ nicht Davids Schule, sondern „Minara School“

 

 

Kenia ist ein Land der Wettbewerbe und das schon von ganz klein auf. Und immer im ersten Trimester beginnen alle Schulen, sich auf so viele dieser Wettbewerbe vorzubereiten wie nur irgendwie möglich. Alle wollen dabei sein und sich messen.

Zunächst muss man dazu wissen, dass schon immer, mehr aber noch mit dem kompletten Neubau des Schulsystems, Sport und Kunst (Performing Arts) einen sehr sehr hohen Stellenwert in Kenia haben. Es gilt, Talente zu entdecken und diese auch zu fördern. Eine gute Schule identifiziert sich hier auch über die Pokale, die sie in der einen oder anderen Sportart, in kulturellem Tanz oder Theater, in Vers rezitieren oder Trommeln erreicht. Und Sport ist in allen Köpfen, egal ob Mädchen oder Buben, auch Erwachsene machen irgendeinen Sport. Unsere Mitarbeiter nutzen unseren Basketballplatz am Abend nach der Arbeit, jetzt unseren Pool, machen untereinander Wettbewerbe, selbst wenn alle am nächsten Tag Muskelkater haben.

Und das beginnt schon bei den Allerkleinsten, 4 und 5 Jahre alt.

Man macht zur Vorbereitung das ganze Jahr über einfach Freundschaftsspiele, dann geht es los.

Voraussetzung ist immer, dass sich die Schule am Beginn des Schuljahres registriert. Hierzu muss der Verantwortliche für Sport und Spiel (ganz allgemein heißt die Gesamtheit von allem schlicht und einfach „games“) beim Ministerium antanzen und für alle Kinder zahlen. Nein, nicht nur für die, die teilnehmen. Auch für solche, die lieber lesend in der Bibliothek sitzen. Natürlich kommt man nicht nachzählen, ob wir nun 680 oder 640 registrieren, so ungefähr hat man die Population ja im Blick, es gibt ja ständig Inspektionen. Außerdem sind wir gute Zahler, kommen pünktlich, feilschen nicht herum, betrügen nicht, fragen nicht um Ratenzahlung. Schon das reißt uns ein Loch ins Budget, denn das kostet uns allein mal schnell 4000 Euro. (Wir haben natürlich alle Kinder aus beiden Schulen registriert)

Dann geht es los.

Man beginnt mal ganz harmlos im Bezirk (Ward – das wäre bei uns Kibaoni), wobei vom Vorjahr platzierte Schulen das auslassen dürfen und gleich auf Subcounty-Ebene beginnen. Heißt bei uns – Kilifi Nord, die ersten und zweiten kommen weiter auf County-Ebene, also gesamt Kilifi County. Von dort gehen die Besten auf Regional, heißt bei uns, die gesamte Küste. (Mich frisst übrigens der Neid, dass ich da nicht vor Ort bin, es findet diesmal in Lamu statt). Und dann – National.

Was mir hier unglaublich gefällt ist nicht nur, mit welchem Eifer Kinder und Trainer dabei sind, sondern auch, wie ernst das die ganze Schule nimmt. WIR gewinnen oder verlieren, nicht einzelne Kinder. Die Kinder bringen den Pokal für alle mit. Und wenn sie zurück kommen werden sie gefeiert, es wird getanzt und gesungen, großes Fest. Und schon die Kleinsten (hier ist die Wertung ein wenig anders, es werden aus insgesamt 5 Bewerben einzeln die besten ausgewählt und es endet bei County) werden als kleine Helden gefeiert.

Und jemand, der vielleicht in Mathe nicht so glänzt, gleicht das für sich durch Basketball aus oder weil er/sie im Chor ist oder bei den Pfandfindern. Und nein, wir machen nicht bei allem mit, konzentrieren uns jedes Jahr auf die Bewerbe, wo wir ausreichend und gute Schüler haben und wo wir auch gute Trainer engagieren können. Dieses Jahr lassen wir zum Beispiel Theater aus.

Ich weiß, dass ja in Europa der Trend dahin geht (oder nein, nicht Europa, Deutschland vor allem) diesen Wettbewerbsgedanken abzuschaffen, es würde ein Kind zu sehr verletzen, wenn es nicht gewinnt. Oder so ähnlich.

Und ja, was hier anders ist, es gibt kein – ein Team wählen, wir denken hier bei uns an Völkerball und klein und dick bleibt übrig, und auch keine verpflichtende Sportart die alle machen müssen. Außer Schwimmen als Lifeskill, aber nach drei Jahren das Seepferdchen schaffen, fein, reicht. Die Teams, von denen ich rede, suchen sich ihren Sport aus und nur den oder maximal ein zweites Hobby wird betrieben. In Basketball gibt es also nur solche, die Basketball lieben, freiwillig dabei sind und alle entsprechend gut.

Ich hab diese europäische Angst hier diskutiert mit Lehrern, Eltern, Kindern. Vielen Kindern, auch solchen, die in keinem Bewerb sind, die einfach nur lesen wollen oder häkeln. Alle, wirklich alle, haben mit vollkommenem Unverständnis reagiert. Warum soll es keine Gewinner und Verlierer geben, es geht doch nur um diese Sportart oder diese Aktivität. Es sind doch keine Verlierer als Menschen.

Ich hab erklärt, dass man bei uns denkt, es würde etwas mit Kindern machen, wenn sie sehen und erleben würden, dass andere einen Pokal bekommen und sie nicht.

Und dann hat mir ein Kind etwas gesagt, da musste ich fast weinen ob solcher Weisheit.

„Erzieht ihr eure Kinder denn nicht dazu, dass sie stolz sind auf sich, egal was sie tun?“

Einfach zum Nachdenken.

Heute früh am Morgen kam unser Klavier in der Schule an. Aus Nairobi, die ganze Nacht unterwegs. Gebraucht natürlich, aber ein gutes Markengerät, gewartet und auch gleich mit dem Klavierstimmer angereist.

Und jetzt steht es auf der Bühne unserer neuen Halle und wartet auf die ersten kleinen oder größeren Hände, die ihm Töne entlocken.

Und warum jetzt auch noch ein Klavier?

Zunächst einmal, es ist mein Einstandsgeschenk für die neue Halle und weil alle unsere Kids im ersten Trimester so großartige Leistungen erbracht haben. Und der weitere Grund für mich ist, Musik lernt man nur mehr schlecht als recht auf einem keyboard. Ich möchte ihnen gern eine andere Art von Musik vermitteln, Noten lesen, altmodische Stücke vielleicht auch – Musik berührt das Herz überall gleich. Normalerweise gilt in Kenia Musik nur dann als Musik, wenn laut und über Lautsprecher zu erzeugen.

Mein Francis studiert jeweils in den Ferien in Nairobi in der Kunsthochschule Piano und Komposition. Er wird das managen, alle freuen sich, alle sehen es als was ganz Kostbares an.

O-Ton Francis: „She is giving us the same opportunity like she gave to her own children, like European children have. This is nothing but just pure love.“

Und parallel dazu hab ich mir in Österreich auch eines gekauft – man wächst ja mit den Kindern mit. Ich lerne also auch.

Und sie sind alle völlig fasziniert, dass so ein Klavier hundert Jahre alt „werden kann“. In einem Land, indem man schon Dinge als alt ansieht, die 10 Jahre alt sind, finden das alle erstaunlich. Und haben mir morgens schon vorgerechnet, wieviele kenianische Kinder eine neue Perspektive auf Musik bekommen.

Jetzt also auch Klavier.

Gabriela Vonwald

Vor kurzem hab ich mal wieder einige unserer Kids gefragt, was sie denn später werden wollen, welche Zukunftsbilder, welche Berufe, welches Studium. Und wohlgemerkt, nicht 6jährige, die alle Pilot oder „driver“ werden wollen. Von einem Buben, ungefähr 14 Jahre alt, kam die Antwort – „soldier“, also Soldat.

Warum, welche Verbindung hat dieser junge Mensch denn zu Soldaten? Polizei lasse ich mir noch einreden, die stehen überall herum, aber Soldat? Ich hab also aus Neugierde weiter gefragt, warum gerade Soldat, weißt du denn, was die so machen? Am Ende stellte sich heraus, „die stehen an einem Tor und öffnen die Schranke, damit Autos rein oder rausfahren dürfen“. Also nicht Soldat, sondern Security am Tor.

Mein Antiquitätenhändler in Mombasa hat mir sein Leid geklagt, er findet einfach kein Personal, dass alte Möbel restaurieren könne. Jede Menge Tischler, aber das nicht. Ich rede mit unserem Tischler Simon, der mir einen alten Sekretär restauriert hat, ja, ist nicht Teil des Curriculums. Aber das wäre doch eine Marktlücke, unterrichte das doch, macht doch da was. Er nickt, nicht so ganz überzeugt. Wer will denn alte Möbel, wenn es chinesisches Plastik gibt? Aber ich werde dran bleiben.

Ich habe mich noch bis vor Kurzem darüber gewundert, warum auch unsere Maturanten nur so einen eingeschränkten Berufswunsch haben – Lehrer, Krankenschwester, eventuell noch IT oder was mit Wirtschaft, das wars oft schon. Okay, für Medizin und Recht braucht man so überdurchschnittliche Noten, das verstehe ich ja noch. Medien kommt ganz oft oder Journalismus. Aber zum Beispiel nie mal Architektur.

Letztes Mal hab ich gefragt, was macht eigentlich ein Architekt oder eine Architektin. Die Antwort, sie bauen ein Haus, aber nicht so ein Lehmhaus, sondern eins mit Steinen. Aber eben, rechteckig, höchstens mal andere Säulen davor oder größer oder andere Farbe oder ein Stockwerk drauf. Was sie halt kennen und sehen.

Diesmal habe ich ein Buch meiner Lieblingsarchitektin Zara Hadid im Gepäck und eine Doku über diese tolle Frau, die leider 2016 gestorben ist. Und werde dabei von unserem Mr. Collins unterstützt, der glücklicherweise erkennt, ist auch Kunst und was für eine. Und ja, dafür braucht man auch Mathe, aber wenn man eben weiß, wofür man es braucht, vielleicht macht es dann ja auch mehr Spaß.

Mr. Collins hat jetzt lange in Nairobi gearbeitet, genauso wie unser Obmann Prof. Katana. Der sogar in Deutschland studiert hat. Und denen muss ich nicht viel erklären, die greifen sofort jede Idee auf. Aber bei den Kindern und jungen Menschen merke ich – es fehlen die Vorbilder. Klar kann man nur wählen, wenn man das schon mal gehört hat, wenn man wen kennt, der diesen Beruf auch ausübt. Selbst die Menschen, die wir einladen, der Klasse doch mal was zu erzählen, haben nicht so spannende Berufe. Irgendwie immer gleich.

Und jetzt kommt heute eine Whatsapp Nachricht von einem meiner persönlichen Studenten. Der studiert Kriminalistik in Nairobi und schreibt mir, dieses Semester steht Jugendkriminalität auf dem Stundenplan, auch Prävention und ganz viel mehr. Und ich bin elektrisiert und bespreche mit ihm, in den nächsten Ferien, die sich ja nicht mit den Schulferien decken, bitte komm in die Schule und erzähle von deinem Studium. Ich sammele Berufe. Und die Personalchefin einer großen Firma wird in Kürze mal ein Seminar halten, worauf kommt es bei einer Bewerbung an, wie „verkaufe“ ich mich besser. Denn immer wieder werden Jobs nur an Bewerber von „up-country“ vergeben, aus den großen Städten. Warum? Weil sie sich eben besser anbieten können, einen größeren Blickwinkel haben, einen weiteren Horizont, schon während der Schule mehr Angebote und Möglichkeiten.

Und während ich noch darüber nachdenke, wie wir die Scheuklappen unserer Kinder beseitigen können und ihnen zeigen, welche Möglichkeiten ihnen offen stehen, tappe ich selbst in solch eine Falle und werde mit meinen eigenen Vorurteilen konfrontiert. Dreimal sogar.

Nummer 1 – Spielplatz. Wir haben ja viel gebaut, jetzt muss alles auch wieder schön gemacht werden. Unsere alten Metallspielgeräte sind verrostet, Holz muss ständig neu gestrichen und repariert werden, es muss doch auch so Fertigelemente geben, Vollplastik und haltbar. Ich googel herum, schicke Fotos, überlege schon, wie ich sowas von Österreich nach Kenia bekomme und erhalte von Mr. Mangi einen Katalog einer Firma in Nairobi. Genau das, gar nicht teuer, wird nächste Woche bestellt.

Nummer 2 – mein Francis war in den Weihnachtsferien in Nairobi in der Kunsthochschule, er hat dort ein Seminar belegt, Klavier und Komposition. Ich bin ganz begeistert, ein echtes Klavier, nicht nur keyboard. Das wäre irgendwann so toll. Ich schwärme per Whatsapp vor mich hin und bekomme wenig später aus einem riesengroßen Klavierhaus aus Nairobi Angebote. Richtig gute Stücke, teilweise aus alter Wiener Manufaktur. Inklusive Lieferung gerade mal 2.000 Euro. Das wird es, wenn die Halle steht.

Nummer 3 – während meines Gesprächs über Architektur mit Mr. Collins sind wir uns einig, die Kinder sollten schon früh bauen lernen.  Ich hatte mal Matador geschickt und Duplo und alles mögliche. Nur, hier kaufen und schicken, da machen wir nur Post und Zoll reich, das haben wir abgestellt. Und während ich noch laut lamentiere, schaltet sich Mr. Mangi, unser Schulleiter der Primary, ein und meint, da gibt es Shops extra für Schulen, Überraschung, in Nairobi, da kann man das alles kaufen, am Ende wohl wesentlich günstiger als wenn man es von Europa schicken würde. Und ja, da setzen wir uns im Februar zusammen.

Warum ich das erzähle? Weil wir gern sehen, wie andere in Stereotypen denken und sich als Beruf nur Lehrerin vorstellen können, wenn wir selbst in die Falle tappen, sind wir aber gern blind. Warum genau glaube ich auch nach 17 Jahren noch immer, dass es irgendwas in Kenia nicht gibt? Es gibt alles, man muss es sich leisten können.

Und mich wundert natürlich nicht, warum die uns aus Nairobi soweit voraus sind, wenn es dort alles gibt. Aber das werden wir ändern, versprochen.

 

Das Mädchen auf dem Foto heißt Rukia und sie hätte ohne uns nicht die geringste Chance gehabt auf ein selbstbestimmtes Leben. Denn Rukia war, als ich sie traf, 9 Jahre alt und hatte nie eine Schule besucht. Eine Klasse Vorschule, dann war das Geld aus. Der weitere Lebensweg solch eines Mädchens wäre – frühe Heirat, damit wenigstens ein bisschen Geld rein kommt (der Brautpreis) und eine Esserin weniger, viele Kinder, ein Leben in einer Lehmhütte irgendwo.

Ich traf Rukia – oder sollte ich besser sagen sie traf mich – in der Kirche. Viele wissen ja, ich habe mit meinem privaten Geld (also keine Spenden) eine Kirche für die Gemeinde gebaut, weil es mir ein Bedürfnis war und weil ich der Meinung bin, eine Gemeinschaft braucht auch ein soziales Zentrum, was eine Kirche eigentlich sein sollte und bei uns auch eben inzwischen ist. Diese Kirche besuche ich gelegentlich, wenn ich vor Ort bin. Und Rukia saß mit ihrer blinden großen Schwester in der ersten Reihe. Und sie fixierte mich nonstop, fast ohne Blinzeln. Kennt ihr das, wenn man nach einer Weile merkt, da schaut mich jemand intensiv an? Man muss zurück schauen. Unsere Blicke trafen sich, wie immer passierte irgendwas Magisches, jedenfalls rief ich sie zu mir.
Sie wollte lernen, zur Schule gehen, war hungrig nach mehr als nur zuhause herum sitzen.
Also Besprechung mit unserem Team. Bekommen wir das hin? Wir können sie nicht im Kindergarten beginnen lassen, vom Alter her würde sie sogar in die 3. Klasse gehören, aber falls wir es hinbekommen, sie in einem Jahr von Null auf zweite Klasse zu bringen, dann würden wir und sie es schaffen.
Also setzten wir sie in die erste Klasse und sie bekam täglich Nachhilfe von Madam Edith. Und Rukia lernte schnell, sie wusste, ihre Chance.

In den Weihnachtsferien, schon früh im Dezember, tyrannisierte sie ihre Mama, bitte ruf Madam Edith an, ich will mit ihr sprechen. Und Edith erzählte mir gestern im Chat, ja, erste Frage der Kleinen: „Teacher, wann darf ich wieder in die Schule?“ – Antwort Edith, „nach den Weihnachtsferien, also nächstes Jahr“ – „Wann ist das, dauert das noch lange, ich halte es nicht mehr aus, ich will wieder lernen.“
Wundert es irgendwen, dass sie jetzt in Klasse 2 sitzt? Dieses Mädel wird sich nciht mehr vom Weg abbringen lassen. Es zeigt aber auch die Einstellung unserer Lehrer und Lehrerinnen – denn Edith hat das unbezahlt in ihrer Freizeit gemacht.
Ich freue mich jedenfalls sehr, wenn ich die Kleine schon bald sehe.

Gabriela Vonwald

Für Millionen Kinder aller Schulstufen beginnt morgen in Kenia das neue Schuljahr, viele davon starten mit der ersten Klasse Vorschule, genannt PP1 – wie aufregend für die 4jährigen Zwerge. Andere beginnen mit Grade 1, bei uns wäre das die Volksschule, wieder andere wechseln nach Klasse 8 aus dem alten System in die 4jährige Highschool, für alle Eltern eine besondere Herausforderung.

Und egal welche Schule, welche Klasse, welche Region – für die Eltern kommen erhebliche Kosten auf sie zu. Zwar ist offiziell die Grundschule, also im alten System bis Klasse 8, kostenlos, aber schon dieses alte System kannte offen gezeigte und unter der Hand vorhandene Schlupflöcher. Offen notwendig sind einmal Schuluniform (verpflichtend), ordentliche Schuhe und Bücher. Bücher werden in Kenia nicht von der Schule gestellt, sondern müssen von den Eltern gekauft werden – außer bei uns. Bei einem Volksschulkind, das jetzt in Grade 1 beginnt, sind allein das alles schon Kosten von rund 50 Euro. Bei einem Verdienst von ungefähr 30 bis 50 Euro für einfache Tagelöhner heißt das – ein Monatseinkommen.

Dabei bleibt es aber leider nicht, denn jetzt kommt das, was ich immer den Tag der offenen Hand nenne. Zwar keine Schulgebühren, aber Schulen und Lehrer sind erfinderisch in Zusatzkosten. Fast alle verlangen eine so genannte „tuition fee“ – frei übersetzt im Grunde eine Nachhilfegebühr, auch wenn es gar keine Nachhilfe gibt oder braucht. Ich sage immer, das sind Gebühren dafür, dass der Lehrer auch tatsächlich unterrichtet. Und wer die nicht zahlt, dessen Kind wird ein Jahr lang ignoriert und dann heim geschickt. Oder dazwischen heim geschickt. Ich habe aber auch schon Kinder gesehen, die – angesprochen darauf, warum sie nicht in der Schule sind, geantwortet haben, „weil wir keinen Beitrag für die Security am Gate gebracht haben, kein Extrageld für die Strom- oder Wasserrechnung“.

Daher weiß heute jeder und jede – Schulen verlangen Gebühren. Nicht viel, da ich gerade anlässlich meines Geburtstages 20 Kindern in der Gegend Rabai den Start geschenkt habe, weiß ich, was öffentliche Schulen so im Hinterland (Rabai ist ungefähr eine Stunde von Kilifi entfernt) verlangen. Wobei in 3 Trimestern gezahlt wird, das erste ist immer das teuerste, dann wird es weniger, das dritte ist praktisch dann kaum noch etwas. Es geht offenbar nach dem Prinzip – was wir haben, das haben wir mal eingesammelt. Außer die kleinsten, da ist jedes Trimester gleich. Also – öffentliche Schulen in Rabai kosten für die Kleinen, also die PP-Klassen pro Trimester umgerechnet Euro 10,- (also gerade mal 2,50 pro Monat, denn man dividiert durch 4), ab Grade 1 dann im ersten Trimester rund 18,- (also pro Monat 4,50).

Und gerade etwas weiter weg von Kilifi, einem Schmelztiegel mit überfüllten Klassen, sind diese öffentlichen Schulen gut. Vor allem, man hat in öffentlichen Schulen immer wirklich ausgebildete Lehrer und nicht nur Mütter mit einem gefakten Zeugnis.

Der Nachteil vieler dieser Schulen, sie bieten keinen Mittagstisch und oft nur für die Kleinen  eine Porridge-Mahlzeit. Dafür werden dann nochmals rund 3 Euro pro Monat eingehoben. Aber – verglichen mit einer eventuell nicht registrierten Privatschule, die ebenfalls einiges an Gebühren einhebt, wie wir gerade wieder feststellen mussten, sind die öffentlichen Schulen deutlich besser als ihr Ruf.

Was sie nicht bieten – oder ich muss besser sagen, bisher nicht geboten haben  – viele der Extras, die Freiheit des Lernens, soll heißen, auch mal zu experimentieren, Dinge auszuprobieren, besseres und mehr Lernmaterial, kleinere Klassen. Warum Vergangenheit? Weil das neue Curriculum den Schulen eine Menge vorschreibt, darüber hatte ich ja schon mal geschrieben, von Ausflügen über Sportveranstaltungen und ganz neue Fächer. Aber – das müssen dann wieder die Eltern zahlen, sonst darf das Kind nicht dabei sein. Derzeit schätzt man, dass rund 1,2 Millionen Kinder in Kenia im Grundschulalter daher überhaupt nie zur Schule gehen.

Neben unserer Vonwald-Schule, sozusagen dem Zentrum, und der neu adoptierten Schule in Tezo sponsern wir ja viele Kinder auch in anderen Schulen. Private, öffentliche, unsere Partnerschulen und auch Secondary-Schulen mit Internat, eine bunte Mischung. Was bei uns anders ist bei diesen Kindern – wir sorgen immer dafür, dass alle zumindest einmal am Tag Essen bekommen und alle sind versichert. Und alle haben Bücher, die in diesem Fall nicht ihnen gehören, sondern die sie am Ende des Schuljahres zu uns bringen, alle gut erhaltenen werden an ein jüngeres Kind weiter gegeben. Und wenn Paten so lieb sind, gibt es auch Schuluniformen und Schuhe von uns.

In unseren beiden Schulen sind alle vorbereitet, Lehrer waren in den Ferien teilweise auf Fortbildung, es gab diese Woche schon Meetings und Planungen, der Stundenpaln steht und alles wurde repariert und schön gemacht. Es kann also losgehen.

Wünschen wir jetzt mal all unseren Kindern, die nach den langen Ferien schon ganz hibbelig sind, einen guten Start ins neue Schuljahr und allen Lehrern viel Liebe und starke Nerven.

Gabriela Vonwald

 

 

 

 

 

Wenn man mir vor drei Monaten gesagt hätte, dass ich nochmals eine Schule registrieren lasse, hätte ich gesagt – nie im Leben. Nicht, dass ich nicht total glücklich bin mit unserer Vonwald-Schule – „a place to be“, wie die Kids sie nennen. Aber damals ging diese ganze Registrierung bei mir so am Rande vorbei, meine Sorgen waren, wie bekomme ich das Geld zusammen, um überhaupt eine zu bauen. Andere, allen voran mein lieber Freund Richard Karani, haben sich gekümmert und – es war wesentlich einfacher.  Altes Schulsystem, irgendwie wird man den Kids schon was beibringen. Gibt es eine Toilette – okay.

Ich sage es ja oft, müsste ich heute nochmals starten und hätte das gesamte Wissen und Erfahrung der letzten 17 Jahre – es würde keine Schule mehr. Wie gut, dass wir schon eine haben;-))

Heute haben wir das neue Schulsystem mit all den Anforderungen an Platz, Kapazität, vor allem aber auch – heute wird verlangt, dass wir klar sagen – wer ist Schulerhalter und wie finanziert sich das laufende Budget.

Das Gute diesmal, es gibt uns schon. Soll heißen, als registrierte NGO mit bereits einer registrierten Schule und dem gesamten Verwaltungssystem dahinter, da haben wir die größte aller Hürden schon genommen. Aber immer noch kauft man ein wenig die Katze im Sack. Zwar wurde das Grundstück mal abgenommen und für gut befunden, die echte Registrierung kann aber erst beginnen, wenn wir da etwas stehen haben. Also wenigstens ein Gebäude mit Klassenräumen in richtiger Größe und Ausstattung, eine Toilette und Wasser. Wasser ist da, Toilette ist im Bau und bereits komplett finanziert, erstes Gebäude – hier warten wir auf eine Foundation, die uns große Hoffnung gemacht hat, die aber erst Anfang Jänner tatsächlich Ja sagen kann und auch sagen kann – ein oder gleich zwei Gebäude.

Jetzt bin ich ja Meisterin im Visualisieren, bald ist Weihnachten und Geburtstag hab ich auch – ich sage, das klappt.

Und ich hoffe, ihr alle drückt mit für uns die Daumen, mein Ziel ist weiterhin – die Schule steht bis Ende April!

 

Gabriela Vonwald