Derzeit am Ende des kenianischen Schuljahres stehen ja viele Abschlussprüfungen an. Andererseits hört man oft, es würde keine Prüfungen mehr geben und auch keine Noten. Was stimmt denn nun?
Wie so oft ist beides irgendwie richtig. Derzeit sitzen die Klassen an ihrer Matura/Abitur, und das gibt es klarerweise auch weiterhin, ist es doch für die Aufnahme an einer Uni oder einem College erforderlich. Wenn man da aber nicht gerade alles Fünfer hat (in Kenia wäre das ein E), kann man praktisch nicht durchfallen. Man hat damit Schule abgeschlossen, falls es aber weniger als eine Drei ist, nimmt einen nur noch eine private sehr teure Uni als Selbstzahler. Dies auch der Grund, warum wir immer wieder Menschen begegnen in den Familien, die irgendwann mal maturiert haben, heute aber Hilfsarbeiterjobs machen, weil es von den Noten her für eine Uni und ein Stipendium nicht gereicht hat, und weil ein College oder auch nur eine Berufsausbildung Geld kostet, das man nicht hat.
Nächstes Jahr maturiert dann ja die letzte Klasse im alten Schulsystem, alle anderen sind schon im neuen Curriculum angekommen.
Und hier gibt es tatsächlich keine Prüfungen mehr, bei denen man durchfallen kann und es gibt auch keine Noten. Was es auch so nicht gibt, Klasse wiederholen, weil man beispielsweise schlecht ist in Mathe. Man schleppt dann die schlechte Note mit, bis es mal einem Lehrer auffällt. Bei uns gleich, in öffentlichen Schulen manchmal nie.
In den unteren Klassen und die reichen bis Klasse 9, also bis zum Ende der Hauptschule, gibt es verbale Beurteilungen. Dazu gehört auch soziales Verhalten, Ausdruck, Hobbies, Talente, Arbeiten in der Gruppe, Teamfähigkeit, Frustrationstoleranz usw.
Natürlich wid auch geschaut, kann das Kind den Stoff in den akademischen Fächern, kann es lesen, schreiben, rechnen. Aber mit der gleichen Wertung werden die Hobbies beurteilt, Sport, künstlerische Ambitionen, Singen, Musikinstrument spielen, Basteln. Sogar Lego gibt es im Unterricht für kleine zukünftige Ingenieure. Und viel Landwirtschaft.
Später dann in der Highschool, das sind also die letzen drei Klassen, gibt es dann Klassifizierung von „Below expectations über meeting expectations bis zu exceeding expactations“ – also übersetzt, Erwartungen erfüllt, drunter geblieben oder übertroffen. Und immer mit einer Bemerkung des Lehrers dazu – mehr anstrengen oder auch, sensationell, du bist ein Highflyer.
Die Prüfungen in Klasse 6 und 9 werden auch Orientierungsprüfungen genannt, vor allem in Grade 9 geht es dann darum, die beste Schulart zu finden, eher naturwissenschaftlich, technisch, sportlich, sprachlich.
Und in Grade 6 und das gefällt mir auch sehr gut, gibt es immer eine Teamaufgabe, die wochenlang vorher vorbereitet wird. Auch deshalb ist es so wichtig, dass ein Kind nicht im letzten Trimester fehlt, weil es kein Geld hat. Denn dann fehlt es auch bei dieser Gruppenarbeit.
Während all dieser Prüfungen darf übrigens niemand die Schule betreten, ganz streng während der Matura. Mein Haus befindet sich ja mitten auf dem Grundstück und man musste mich sozusagen, wenn ich ausgerechnet im November vor Ort war, „einmauern“ und ich durfte dann nur vom unteren Eingang her kommen. Zumindest vor 16 Uhr, abends ist alles fein. Und auch das gefällt mir:
Alle Maturanten sind ja im Internat, schlafen und essen also in der Schule. Es gibt in diesen drei Wochen der Prüfungen sehr gutes Essen, sie können abends noch sporteln oder Instrument spielen, eine runde Basketball spielen oder Schwimmen. Und sind zusammen, können Stress und Frust gleich raus lassen. Und sie können sich am nächsten Tag nicht verspäten.
Was es übrigens auch nicht gibt – Aufnahmeprüfungen in öffentlichen Schulen im Rahmen der Grundausbildung. Für Highschool gilt die Beurteilung der Prüfung in Klasse 9, für alle anderen gibt es manchmal so genannte Interviews, die von manchen Schulen so ein wenig Prüfungscharakter haben. Der Hintergrund ist der, dass alle öffentlichen Schulen restlos überfüllt sind und man versucht damit Eltern abzuschrecken, geht doch bitte woanders hin. Nur – eine öffentliche Schule darf niemanden ablehnen. Entwarnung also.
Alle Daumen sind gedrückt.
Gabriela Vonwald














zum Beispiel Theater aus.




Gesprächs über Architektur mit Mr. Collins sind wir uns einig, die Kinder sollten schon früh bauen lernen. Ich hatte mal Matador geschickt und Duplo und alles mögliche. Nur, hier kaufen und schicken, da machen wir nur Post und Zoll reich, das haben wir abgestellt. Und während ich noch laut lamentiere, schaltet sich Mr. Mangi, unser Schulleiter der Primary, ein und meint, da gibt es Shops extra für Schulen, Überraschung, in Nairobi, da kann man das alles kaufen, am Ende wohl wesentlich günstiger als wenn man es von Europa schicken würde. Und ja, da setzen wir uns im Februar zusammen.



