Besuch bei Mr. Karani

Gestern haben wir – wie immer, wenn ich da bin – meinen lieben Freund, Seelenverwandten, Mentor, Lehrer, Mitgründer der Vonwaldschule, Mr. Richard Karani in seiner Familie in Tezo besucht.

Mr. Karani ist inzwischen schon recht alt, er ist leider Ende 2017 erblindet, aber er nimmt dennoch an allem Teil, ist interessiert und weiterhin der geistige Mittelpunkt.

Karani war, als ich meine ersten Schritte in Kenia setzte, noch „Projektmanager“ beim inzwischen ja nicht mehr existierenden Verein Asante und mir von denen als Begleitung zugewiesen. Daraus ist eine sehr intensive Freundschaft entstanden, nach einem Jahr haben wir uns beide von Asante getrennt und unser eigenes Ding gemacht, die Vonwald-Schule. Es war Karanis Weitblick, dass wir die Schule sofort registrieren haben lassen, dass wir als Dach darüber eine NGO gegründet haben, Karani hat die Mitglieder ausgesucht und nein, nicht nur seine Familie, sehr wohl hat er aber darauf geachtet, dass immer auch unterschiedliche „tribes“ – Stämme – vertreten sind. Irgendwann erkläre ich das mal genauer, warum das so wichtig ist. Selbst einige der alten Dienstverträge, die er aufgestellt hat, sind bis heute rechtlich ganz wunderbar. Auch dass wir alle Schulstufen in einer zusammengeführt haben und das als Gesamtkonzept durchdacht haben, hilft uns heute mit den neuen Schulgesetzen sehr. Und wie ich immer wieder sage, wir haben uns gegenseitig vertrauen müssen und haben das ohne wenn und aber getan. Weil ich ihn gegen Angriffe von Paten einmal massiv verteidigt habe, kam es auch schon mal zu Turbulenzen, Austritten, Gabi die Böse.
Genauso aber hat er mich immer und überall beschützt. Kein Vertrag, den er nicht so geschrieben hat, dass meine Interessen und Rechte berücksichtigt wurden, die Schule war ja bis 2017 mein Privateigentum. Selbst seinen Söhnen hat er nicht voll vertraut, Ausnahme Michael.
Von diesen Söhnen gibt es 6 plus die älteste Tochter Mathilda, verheiratet mit Sammy, der in Gapeka Schriftführer ist.
Es gibt Daniel und Elvis, nicht im Projekt, es gibt Charles, der für die gesamte Lagerhaltung und Kücheneinkauf zuständig ist, es gibt Simon, unseren Tischler, der die Berufsschule „Saidia“ leitet, es gibt Sifa, den total künstlerisch und sportlich talentierten Menschen, der dann bei uns auch mal alles schmückt und so nette Sportdressen designed, und es gibt Michael, den ich nicht vorstellen muss.
Und bei meinen Besuchen (die ich immer einbaue, wenn ich da bin), sind eben fast alle da, ein großes Hallo, Wiedersehensfreude, immer mehr Enkelkinder, ein tolles Essen (das ich natürlich im Vorfeld bezahlt habe, ich kann von keiner Familie in Kenia erwarten, dass sie das Geld ausgibt, so viele Menschen zu verköstigen). Und es gibt gute Gespräche.
Da seit der großen „Managementerneuerung“ im Vorjahr, zu der ich immer sage, ich hab mein Haus aufgeräumt, wieder Frieden herrscht, kommen auch immer weitere Mitglieder des Leaderboard dazu, einfach auch, um diesen großen Mann und ein wenig mich zu ehren und – wie alte Menschen das halt so tun – immer wieder von der Vergangenheit zu erfahren, wo Karani und ich stundenlang zu Fuß zu den Familien unterwegs waren, kein Internet, kein Auto, kein Bankkonto, nur Western Union. Nur grenzenloses Vertrauen in einander und ins Leben und in Gott.
Und irgendwie hat sich daran nichts geändert, jetzt öffnen wir gemeinsam eine neue Tür.
Und ich habe gestern deutlich gemerkt – dass wir die neuen Schule in Tezo bauen, dass jetzt sein Sohn Michael dabei sozusagen die Aufsicht übernimmt, dass es also wieder „Karani“ und ich sind – das macht etwas in der Gemeinde. Zum Positiven. Karani ist eine Lichtgestalt, dass die Menschen wissen, er und seine Familie sind es wieder, das macht alle glücklich und erzeugt Vertrauen.
Und für mich selbst heißt es immer wieder – ja, ich habe eine richtige Großfamilie in Kenia.
Gabriela Vonwald

 

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