Nach vielen Überlegungen werden wir versuchen, morgen eine erste Bestandsaufnahme zu machen, wie gross die Schäden bei unseren Familien sind. Zur Not müssen wir die Schule für die unteren Klassen eine Woche zusperren und in den Räumen Härtefall unterbringen. Wir werden morgen versuchen, Pullover und Decken zu kaufen. Wie gesagt, es ist recht kalt. Und Kleinkinder, die nichts Trockenes mehr am Körper haben, die brauchen jetzt was Warmes. Zumindest mal, bis die Sonne wieder kommt, geht es jetzt nur um Erste Hilfe. Wir sprechen hier von Menschen, die ohnehin nichts haben und als Kleidung oft nur das eine T-Shirt. War anders gedacht mein Aufenthalt, aber jetzt braucht es mal schnelles Helfen.

Die ersten gespendeten Löwen sind in Kenia angekommen! Vielen Dank an alle Spender!

 

Maismehl – unga – das Grundnahrungsmittel aller Menschen in Kenia. Für die etwas Reicheren die ideale Beilage wie bei uns Kartoffeln oder Reis, für die Armen immer Hauptgericht mit irgendeinem Gemüse, für die ganz Armen das einzige Gericht. Mehl wird aufgekocht mit Wasser und solange eingedickt, bis eben das entsteht, was man hier gut gewürzt als Polenta kennt. In Kenia heißt es ugali. Nur gut gewürzt ist es meistens nicht, selbst Salz können sich arme Menschen hier nicht leisten. Also nur Maismehl und Wasser. Über den gesundheitlichen Wert dieser einseitigen Ernährung kann man natürlich streiten, aber es füllt den Magen, nimmt den nagenden Hunger, ist – meistens jedenfalls – irgendwie erschwinglich. Und mit Zucker und Fett gut aufgekocht ist es als süßer Brei auch bei uns in der Schule als Porridge a la Kenia das Frühstück.
Man kann sich also vorstellen, was passiert, wenn dieses so wichtige und oft einzige Lebensmittel nicht mehr erhältlich ist, und sei es nur einen Tag. Kaum jemand ist in der Lage, sich ein paar Kilo auf Vorrat zu kaufen in einer Gesellschaft, in der einfache Arbeiter, falls sie denn überhaupt einen Job haben, als Tagelöhner bezahlt werden. Und selbst wenn es nicht so wäre – einfach mal vorstellen, was bei uns los wäre, wenn es ab morgen kein Brot mehr gibt. Also gar keines, auch wenn man es für das Doppelte des ursprünglichen Preises erwerben wollen würde. Das Mehl ist da, der Bäcker auch, aber aus unerfindlichen Gründen gibt’s eben kein Brot. Der Unterschied zu Kenia aber – wir haben Alternativen. Wir würden uns ärgern, Untersuchungskommissionen einrichten, aber wir würden nicht Hunger leiden.
Irgendwie würde man eine Verknappung ja noch einsehen, wenn dies irgendwas mit dem Gesetz der Natur zu tun hätte. Lange Dürre, kein Wasser, kein Saatgut. Nur, so ist es hier nicht. Und der Grund für diese unglaubliche Situation ist so mies, dass man gar nicht so viel essen kann, wie man kotzen möchte. Und wo sich große Hilfsorganisationen auch nicht gerade mit Ruhm bekleckern.
Es gibt Geschäftsleute, die meisten sitzen in Nairobi (und nein, ich rede da noch nicht über die Unmenschen, die an der Börse mit Lebensmitteln weltweit spekulieren und die in meinen Augen in der Hölle schmoren sollten), und diese klugen Köpfe kaufen zu Zeiten, wo es genug Mais gibt und er billig ist, viel davon ein, sehr viel. Und zwar den in ganzen Körnern, denn der lässt sich gut lagern und ist noch ein Stück billiger als das gemahlene Mehl. Es gibt in Nairobi riesige Lagerhallen, die nur einem Inder allein gehören. Und dann warten sie einfach ab.
Der Markt ist also zunehmend leer gefischt, die Preise steigen. Erst langsam, dann immer schneller. Und wenn dann noch Wahlen ins Haus stehen, mischen auch ein paar geldgierige korrupte Politiker mit, die dann im Wahlkampf versprechen können, dass, wenn man sie nur wählt, sie der Inflation sofort ein Ende machen werden und es dann wieder genug Mais gibt. Ja, den wird es geben, auch ohne dass man diese Herren wählt, einfach aus dem Grund, weil die ganze Sache irgendwann ausgereizt ist und der Markt wieder liefert.
Vorher machen die cleveren Geschäftsleute in Nairobi aber noch das ganz große Geschäft. Und zwar pikanterweise mit den vielen NGOs und Organisationen, die sich vor allem in Nairobi als Zentrale Ostafrikas die Klinke in die Hand geben. Diese Hilfsorganisationen zahlen nämlich jeden Preis, böse Zungen hier sagen offen, Hauptsache, auf dem Sack mit Mehl würde groß der Name stehen, damit man den auch im Fernsehen erkennen kann.
Und das bewirkt dann zweierlei – zuerst wird der Markt leer gekauft, die Preise steigen ins Unermessliche, Arme können sich das nicht mehr leisten, also müssen Hilfsorganisationen einspringen und sie retten. Die haben das Geld, weil es von Spenden aus Europa kommt. Ohne diesen ganzen Wahnsinn hätten sich die Menschen das locker selbst kaufen können, hätten ihre Würde behalten, es würde sich aber in den Bilanzen der diversen Hilfsclubs nicht so gut verkaufen lassen.
Und jetzt zu meiner ganz persönlichen Lösung und ich sagte es ja schon, wenn ich so richtig zornig bin, kommen mir immer gute Ideen:
Sobald ich die ärgsten Baustellen hier erledigt habe, bei viel Hilfe denke ich, so in der zweiten Jahreshälfte, werden wir ein Lager bauen. Gut gelüftet, verfliest, versperrt. Und werden Mais einlagern, wenn er billig ist. Und wenn der Wahnsinn wieder anfängt, werden wir diesen Mais ausgeben an unsere Familien zum Eigenbedarf und zu dem Preis, um den wir ihn Monate vorher selbst eingekauft haben. Außerdem lasse ich gerade diverse Maschinen kalkulieren, mit denen wir selbst mahlen können, denn die Differenz zwischen gemahlen und ganzen Körnern ist gewaltig.
Nur ein Tropfen. Stimmt. Aber irgendwo muss man anfangen, eingefahrene blödsinnige Strukturen zu durchbrechen. Ich hoffe auf Unterstützung.

Kurzer Bericht, noch bevor ich unter die Dusche steige. Bin recht müde und merke doch, dass ich dieses Jahr 60 werde. Auf dem Rückweg dieser Schüttelstraßen und durch Staub und Dreck fallen mir manchmal fast die Augen zu.
Wir hatten uns für heute die ländliche Region vorgenommen, unsere Armenschule und die dortigen Familien, die wir unterstützen. Ich dachte mir, dass die Regenmassen da sicher am meisten Schaden angerichtet haben. Wir hatten den Besuch für heute ohnehin geplant, also warum nicht beides verbinden. Zufahrtsstraße schlammig und mit großen Seen, aber – Kompliment an alle kenianischen Fahrer – problemlos angekommen.
Der Arbeitstag hat damit begonnen, dass wir mal in Kilifi alles zusammen gekauft haben, was uns wichtig erschien für 20 Familien. Dazu gehörte ganz oben auf der Prioritätenliste warme Kleidung, teilweise sogar gefütterte, wattierte Jacken. Kinder, die nur ein T-Shirt am Leib tragen, das dann bei Regen sofort nass ist, keine warmen Decken und keine kuscheligen Betten, unterernährt und viel zu dünn, da kann so eine Daunenjacke ein wenig Wärme und Geborgenheit bringen. Heute haben wir die 20 Teile noch einzeln gekauft, für Morgen aber zwei Großpakete. Wie richtig wir lagen, zeigen die strahlenden Gesichter auf den Fotos, die später noch kommen.
Dann statt Wolldecken, die viel Feuchtigkeit saugen und sich nicht einfach so (mit der Hand) waschen lassen, etwas stärkere Betttücher zum sich einwickeln und zudecken. Da Iso-Matten nicht zu bekommen waren, haben wir die hier üblichen großen Mehlsäcke aus Polyester gekauft, aufgeschnitten ergeben sie eine feuchtigkeitsundurchlässige Unterlage. Und Nahrungsmittel, ich sagte es gestern schon, der Hunger ist groß, und in dieser Gegend noch mehr als sonst irgendwo. Das Problem aber, es gab heute in ganz Kilifi County (also nicht nur in der Stadt) kein Maismehl mehr. Gar keines. Ich schreibe dazu später noch einen eigenen Beitrag, weil es mich so zornig macht und immer, wenn ich zornig bin, bin ich am kreativsten. So auch hier. Also haben wir zwei große Säcke Reis gekauft.
Und wir haben wirklich viele glückliche Gesichter gezaubert. Die Familien werden sich heute mal satt essen, auch ein Kilo Zucker für jede Familie war dabei (ja, Zucker ist nicht gesund. Für dicke Europäer, die davon täglich Mengen konsumieren. Für Menschen, die nichts haben, ist ein heißer gezuckerter Tee am Morgen das Paradies nach einer kalten Nacht). Und die Kinder werden es warm haben und sich zudecken können.
Die ganze Aktion heute hat übrigens 200 Euro gekostet.

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Wir mussten am Nachmittag die Schule evakuieren und vor allem die Kleinsten über das Nachbargrundstück der Universität bis zur Straße bringen. Ich hab noch keine Ahnung, wie viele der Hütten der Ärmsten es nicht überlebt haben, wie viele Menschen seit heute auf der Straße sitzen. Es waren 10 Stunden nonstop Wolkenbruch. Und es ist vergleichsweise kalt, vor allem für Menschen, die nichts Trockenes mehr zum Anziehen besitzen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie für so viele Menschen und Kinder die heutige Nacht aussieht.

Weltuntergang in Kenia. Selbst meine Freunde hier bestätigen mir, dass sie sich nicht erinnern könnten, wann es das letzte Mal am Tag so heftig geregnet hätte.Seit ein paar Stunden ist die Schule komplett von der Zufahrt abgeschnitten. Wir selbst (Volontäre und ich) mussten schon durch kleine Bäche, riesengroße Pfützen und Schlamm laufen, um zu einer befahrbaren Straße zu kommen, wo George mit Auto gewartet hat. Autos kommen nicht mehr zur Schule durch, Lebensmittellieferungen – keine Chance. Baumaterial schon gar nicht. Und auch dies ist wieder einmal hausgemacht, denn die untere Zufahrt, die zum neuen Hotel führt, wurde wohl ganz offenbar von einem Blinden konstruiert. Es war abzusehen, dass es Teile der Straße irgendwann gleich wieder weg schwappt und dass ein riesengroßer See entstehen wird. Die Regierung hat jetzt ein Jahr lang zugeschaut und zu diversen Göttern gebetet.
Die Kinder, vor allem die Kleinsten, mussten wir über das Grundstück der benachbarten Universität evakuieren, die wären uns davon gerutscht oder ertrunken.
Keine Ahnung auch, ob ich morgen irgendwie überhaupt auf Tour sein kann, alle Straßen rund um Kilifi sehen ähnlich aus. Für Mittwoch wäre Müttertreffen angesetzt, aber im Augenblick steht alles in den Sternen.
Und bitte – wir brauchen dringend finanzielle Hilfe, um bei diesen Wassermassen das Nursery-Grundstück abzusichern.

Gabriela Vonwald

Endlich auch offiziell – die Übergabe unserer ganz eigenen Wasserpumpe am Schulgrundstück.

Hier für alle unser Harambee Newsletter für April 2017. Viel Spaß beim Lesen!

Und wieder kann ich von einem Erfolg berichten, den viele Spender möglich gemacht haben. In unserer ärmsten Region, die ich relgemäßig bei meinem Aufenthalt besuche, hab ich eine Familie getroffen, deren Leben wie bei fast allen vom Wasser abhängt. Die nächste Wasserstelle ist 1,5km entfernt. Jeden Spätnachmittag musste die ganze Familie zusammen helfen und mit einem Handkarren genug Wasser nach Hause transportieren. Der Vater ist ein unglaublich bemühter Mann, immer wieder versucht er, seine kleine Landwirtschaft in Schwung zu bringen, immer wieder Missernten, wenn es einfach nicht regnet. Und Hunger ist ein ständiger Begleiter. Jetzt gibt es Wasser beim Haus, übrigens damit auch für die Nachbarn. Und Mr. Kalama hat uns versprochen, dass sich sein Leben damit drastisch ändern wird und dass er allen seinen Kindern Bildung ermöglichen wird.
Wasser – der Anfang von allem. Danke an alle, die mit ihren Spenden ein Lächeln auf das Gesicht eines Menschen zaubern und Hoffnung geben.

 

Eine Nachricht von Gabi Vonwald: „Brauche wieder mal Unterstützung für ein Projekt rund um drei unserer Buben. Natürlich auch an die jeweiligen Paten, aber gern auch Hilfe von allen anderen. Alle drei besuchen unsere Schule, die beiden ersten schon Secondary. Und alle drei sind sehr, sehr gut. Bernard hat in seinem Brief über die Wohnverhältnisse geschrieben (obwohl nicht verwandt, wohnen sie in einem gemieteten Haus näher zur Schule, immer noch nicht wirklich nah, aber möglich), zahlen zusammen 12,- Euro Miete, schlafen derzeit am nackten Boden, kein Platz zum Lernen und kein Licht. Zusätzlich wohnt noch ein Cousin bei ihnen der nicht in unsere Schule geht (noch nicht).
Wir haben uns jetzt überlegt, zwei Stockbetten anzuschaffen mit guten Matratzen, dazu einen größeren Tisch und Stühle und eine Solaranlage. Kostenpunkt ca. 900,- Euro. Also für jedes unserer Kinder 300,- (Cousin nascht mit). Und ein Fahrrad irgendwann wäre auch sicher gut, einkaufen, Wasser transportieren usw.

Wer kann helfen?