Was ich am Leben so spannend finde ist, dass sich ganz oft Dinge genau so fügen, wie sie gehören. Man hat etwas geplant, es kommt plötzlich was dazwischen, man kämpft dagegen oder dafür, und irgendwann lässt man los und vertraut und dann plötzlich – es klappt.

Einige haben es bestimmt bemerkt, dass ich mich die letzten Wochen in einem Projekt engagiert habe mit dem Titel „The Tumaini School“. Und glauben vielleicht, es sei etwas total Neues, was macht sie da, warum macht sie es.

Zunächst, es ist nicht neu. Es ist etwas in Rabai, das wir so schon im Jahr 2019 begonnen hatten, das Konzept für alles lag bereits 2022 in meiner Schublade, aber bevor es zur Umsetzung kommen konnte, spielte uns allen das Leben einen Streich.

Das Projekt der kleinen Vorschule mit Namen Tumaini = Hoffnung haben Mr. Tsama und ich im Jahr 2019 begonnen. Auf seinem Grundstück, also seinem Eigentum. Und ja, Mr. Tsama war 10 Jahre lang unser CEO in Kenia, hat unsere kenianische Organisation Gapeka entscheidend mit gestaltet und – war und ich kann sagen ist sowas wie mein Sohn. Wir waren sehr eng, auch mit seiner Frau Eve, aber 2022 kam es dann zu einem Bruch. Falsche Freunde für ihn, Einflüsterer, wohl auch sowas wie Burnout, jedenfalls verließ er Gapeka und dachte, das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sei grüner. Ein deutscher Verein übernahm unser Projekt in Pacht (damals gab es für die kleine Schule nur das erste Klassenzimmer), ich hielt mich raus. Tsama ging nach 6 Monaten, als er sah, das wird dort nichts, nach England, weil seine Frau dort als OP-Schwester angestellt war, er lebt seither dort, hat einen Job, beide verdienen gut, der gemeinsame Sohn besucht in England die Schule, aber – es blieb diese Sehn sucht nach Kenia und für die Gemeinde zu arbeiten.

Jedenfalls war er irgendwann um Weihnachten herum mutig genug, mich anzuchatten, sich ehrlich zu entschuldigen – der verlorene Sohn. Der deutsche Verein ist inzwischen weiter gezogen zu neuen Ufern.

Ja, und jetzt sind wir wieder eine Arbeitseinheit und werden das in Rabai umsetzen, was wir damals eigentlich wollten. Und wir betrachten die drei Jahre dazwischen als Lernprozess, nicht auf falsche Freunde herein zu fallen. Tsama hat auch still und leise weiteres Land dazu gekauft, inzwischen sind es rund 6000 qm.

So, das war der lange geschichtliche Vorspann. Tumaini ist zurück, derzeit noch von meinem privaten Geld finanziert und von ein paar guten Freunden und Paten, die Tsama seit ewigen Zeiten kennen, es wird aber einfach eins der vielen Projekte sein, die über Gapeka laufen. Denn auch alle Kollegen und Team in Gapeka finden es großartig, dass wir wieder vereint sind. Und, was mich sehr freut, auch Tsama und vor allem seine Frau Eve investieren hier ihr in England verdientes Geld und haben bereits Freunde und Arbeitskollegen infiltriert mit der Idee.

Als wir 2019 begonnen hatten, lief es so, wie heute in unseren drei Partnerschulen – über Patenschaften. Aber das hat sich nicht bewährt, zu weit, zu wenig tagesaktuelle Informationen damals. Und das will ich auch heute nicht, wir haben in unserem Kernbereich genug Kinder, die noch suchen. Und außerdem halte ich ja nicht wirklich allzu viel von reinen Nurseries, also Vorschulen. Wobei es in diesem Fall notwendig war, denn die Gegend rund um die Schule ist während jeder Regenzeit überschwemmt, für kleine Kinder wäre es gefährlich, bis zu einer der öffentlichen Schulen zu gehen. Wenn sie etwas älter sind, klappt das, 4jährige können es nicht. Alle umliegenden Häuser sind in dieser Zeit praktisch „auf der anderen Seite“ des Wassers. Die Idee, die ich damals in der Schublade hatte und die wir heute umsetzen, ist eine erweiterte. Vorschule mit zwei Klassen ja, aber das ist sozusagen nur ein kleiner Teil der Hilfe. Alles, was wir tun, bauen, installieren, soll direkt den umliegenden Familien zugute kommen, also Gemeindehilfe mit der Vorschule als Anziehung.

Wie sieht das konkret aus?

  • Wir bauen einen Spielplatz, der am Wochenende und in den Ferien auch den anderen Kindern zur Verfügung steht. Mütter werden ehrenamtlich Aufsicht halten, das Grundstück ist sehr groß, man kann Fußball spielen und rennen.
  • Wir leiten gerade Wasser ein. Nein, kein Brunnen, sondern gekauftes Leitungswasser mit einem Zähler plus zwei Wassertanks für Notfälle. Wasser für die Schule, aber auch Wasser, das die Eltern holen können, wenn es so trocken ist, dass die umliegenden Brunnen versiegen.
  • Wir werden eine Toilette bauen, eine Seite zur Schule gewandt für die Kinder und Lehrer/innen, die Außenseite eine öffentliche Toilette unter der Obhut einer Mutter aus der Nachbarschaft.
  • Wir planen einmal im Monat Essenspakete für Alte und Behinderte in der Gemeinde
  • Als Pilotprojekt versuchen wir jetzt in den Aprilferien die Schule zum Spielen offen zu halten, aber – und das ist mir wichtig, nicht nur die eingeschriebenen Kinder bekommen was zum Essen – es gibt Geschwisterkinder, die daheim sitzen und hungrig sind, weil ihre Schulen geschlossen haben. Wir kaufen die Lebensmittel ein, ein paar Mütter kochen und alle Kinder dürfen essen.
  • Und – ganz aktuell – unter der Leitung eines erfahrenen Veterinär Officers starten wir ein Projekt Tierzucht mit Ziegen und Kaninchen für Eltern, wir schulen in Tierzucht, wir finanzieren den Start, den Ankauf der Tiere, den Tierarzt usw. Im ersten Jahr rechnet sich das noch nicht, im zweiten Jahr aber sehr wohl. Wichtig ist, dass Eltern lernen, wie es geht, damit man mit diesem Business keine Verluste baut. Ackerbau ist in Rabai schwierig und nicht so populär, aber Viehzucht ist  tatsächlich ein hilfreiches Business, es gibt direkt in Mariakani Schlachthöfe. Und wichtig ist mir hier, dass alle lernen, den Tieren muss es zu Lebzeiten gut gehen. Kinder sollen ebenfalls lernen, gut mit Tieren umzugehen. Und ja – sie werden irgendwann gegessen. Wir reden hier von einem Dritte-Welt-Land.

Und was mich ebenfalls freut – zerstrittene Teile der Gemeinde haben sich die Hand gereicht. Man arbeitet gemeinsam, es gibt für alle eine win-win Situation.

So, daher jetzt, wer dabei sein mag, sehr gern. Man kann es auch gern als Projekt im Projekt ansehen, man kann direkt nach Kenia spenden, es gibt eine eingetragene CBO, Tsama spart gerade für eine selbständige Tätigkeit in Kenia, er wird also zurück kommen und dann alles direkt von Kenia aus leiten, ich selbst werde das Projekt zweimal im Jahr besuchen.

Man kann aber natürlich auch gern an Harambee spenden, Betreff „Tumaini“.

Und was jetzt schon hilft – die Facebookseite liken, teilen, kommentieren.

https://www.facebook.com/profile.php?id=61586739239136

 

 

 

Harambee oder Gapeka, wie wir in Kenia heißen, ist ja schon lange viel mehr als nur Schule. Es gibt zwei eigene Schulen, wo wir Schulerhalter sind, also auch alle Gehälter zahlen müssen, es gibt zwei Hybrid/Partnerschulen, wo wir einen bestimmten Betrag monatlich überweisen, damit die Schule mit diesem Geld kalkulieren und wachsen kann, ebenfalls über Patenschaften.

Daneben haben wir immer schon Augenmerk gelegt auf das Thema Landwirtschaft, wirtschaftliches Empowerment unserer Eltern und Gemeindemitglieder, Erste Hilfe in Form von Essenspaketen, Kleidung, Decken, es gibt einzelne kleine Projekte (oder auch größere) für die sich einzelne Paten verantwortlich fühlen, beispielsweise die Essensverteilung an „meiner“ Kirche einmal im Monat an Bedürftige, die komplett von meinem Mann finanziert wird. Oder jetzt das große Projekt Landwirtschaft in Langobaya, das sich unsere liebe Sarah ein wenig zu ihrem Fußabdruck erkoren hat.

Wir haben als Gapeka schon öffentliche Toiletten gebaut, Wasserleitungen verlegt, Wassertanks aufgestellt oder Hütten gebaut.

Das alles versteht man sicher, und wo immer es irgendwo fehlt, wo es sich dann doch nicht ausgeht, da springe ich ganz oft mit eigenem Geld ein.

Und dann gibt es noch – sicher manchmal verwirrend – so Dinge, die ich praktisch als Privatperson unterstütze. Zumindest tue ich das immer solange, bis ich weiß, ja, das wird was, da versenke ich kein Geld, das sollten wir fortsetzen. Dann bringe ich es manchmal vor den Vorhang, rede mehr darüber und lasse alle anderen teilhaben, in der Hoffnung, dass sich vielleicht andere finden, die dies gemeinsam mit mir zu „ihrem“ Fußabdruck machen.

Warum so herum und nicht gleich groß und öffentlich?

Ich möchte erst einmal ausloten, ob die Hilfe die richtige ist. Und – ich möchte vermeiden, dass Menschen, denn das ist leider manchmal der Charakter, von einer Blume zur nächsten fliegen, weil das jetzt gerade noch schöner klingt. Ich möchte vor allem auch vermeiden, dass Geld in unserer Basisarbeit dann fehlt. Also man unterstützt ein Projekt, den Schulausflug vom eigenen Patenkind kann man aber nicht zahlen. Oder die teurer werdende Schulgebühr.

Daher bleibt vieles offiziell einfach mal „mein Privatvergnügen“.

Angefangen hat es mit meinen Geburtstagskindern. Statt einer Party hier, statt Geschenken, schicke ich seit Jahren immer 20 Kinder, die nicht unserem Projekt angehören, Kinder aus sehr armen Randgebieten, für ein Jahr in die Schule. Heißt – Schuluniform, Schuhe, Schultasche, Hefte und ein Jahr die Schulgebühr. Keine Patenschaften, keine Finanzierung bis zum Ende der Schulzeit, kein Datenblatt und nur ein Jahr als Hoffnung für die Eltern, ihr wurdet nicht übersehen, nehmt es als Beginn von etwas, danach seid ihr gefragt.Und an Silvester, meinem Geburtstag, gibt es Torte und alle feiern mich.

Dann kam Rabai. Hier habe ich 2019 angefangen mit einer kleinen Vorschule, weil unserer damaliger CEO mir in den Ohren lag, so eine arme Gegend, so liebe Menschen, diese Vorschule ist so unbedingt notwendig, weil es sonst nichts gibt usw. Leider war vieles gelogen. Erstens gibt es überhaupt keinen Bedarf für diese Schule, es gibt in Gehdistanz drei gute öffentliche Schulen, zweitens war es ein Familienprojekt und es profitierten auch nur Familienmitglieder des damaligen CEO, ob es nun Gehälter waren oder die Tatsache, dass nur Kinder aus dem Großfamilienverband bevorzugt wurden. Noch während ich nachgedacht habe, wie man es anders machen könnte, grätschte ein deutscher Verein hinein und erhält bis heute mit Hilfe einer mafiösen Struktur genannt Huamwenga eine unglaubliche Korruption am Leben. Aber, es gibt rund 800 Familien, die leiden, die wirklich arm sind, die nichts dafür können und die mir ans Herz gewachsen sind.

Also kam 2023 dann das neue Konzept, ich zahle euch 800 Euro monatlich, ihr entscheidet demokratisch in der Gemeinde, welche Familie kommt diesen Monat dran, das Ziel, alle Familien können zumindest ein Kind zur Schule schicken. Auch hier, mein Geld, keine Patenschaften, keine unendliche Hilfe, sondern eine Initialzündung, ich transportiere sozusagen Hoffnung. Und es läuft so erstaunlich gut, dass ich hier mit Sicherheit weiter mache, vielleicht möchte ja jemand da draußen mit mir Rabai unterstützen.

Dann vor einem Jahr, Besuch im „Rescue Center“ in Kilifi, geleitet und aufgebaut von einem sehr charismatischen Mann, Mr. William. Hier finden Kinder, die per Gerichtsbeschluss kurzfristig untergebracht werden müssen, Gewalt in der Familie ist meistens der Grund, für bis zu 6 Monaten ein Zuhause. Manchmal findet man auch Säuglinge, die ausgesetzt wurden, Kinder, wo die Familienverhältnisse unklar sind, viele berührende Geschichten. Auch William bekommt von mir 800 Euro monatlich, eigentlich würde die Aktion jetzt im Februar auslaufen, aber ich hab  mal ein Jahr drangehängt. Auch hier – falls sich jemand angesprochen fühlt und hier seinen Fußabdruck der Menschlichkeit hinterlassen mag, sehr gern.

Und jetzt, ganz neu seit Weihnachten, 2 Familien, die mir unser Landwirtschafts-Officer David ans Herz gelegt hatte. Darüber hatte ich ja im letzten Blog geschrieben, „Friends For Friends“. Ich hab mich spontan beteiligt, sie haben sich jetzt umbenannt in „Friends of Gabriela“. Wir haben jetzt mal viele der Kinder aus beiden Familien in die Schule geschickt, mit einer Sammlung entsteht für die eine Familie eine neue Hütte, der Vater bekam medizinische Hilfe und eine Brille, der anderen Familie, gesegnet mit zwei Kindern mit Mikroenzephalie, haben wir den noch fehlenden Rest auf ein eigenes Grundstück gezahlt und hier werden wir helfen, ein kleines Landwirtschaftsprojekt ins Leben zu rufen, damit diese überaus sympathische Familie sich selbst versorgen kann – Wassertank, Saatgut, Unterricht. Auch hier kann man helfen, ich komme in Kürze mit konkreten Wünschen. Und hier werden Davids Freunde, die jetzt meine sind, ein engmaschiges Monitoring betreiben, Elternerziehung, Hygiene, tut etwas und überlasst euch nicht nur eurem Schicksal.

Alle diese Eigenmächtigkeiten mache ich, weil ich nicht wegschauen kann, weil ich aber Spendengelder zunächst einmal schützen möchte, bis ich weiß, ja, falls es schief geht, ist es nur mein Geld. Und weil ich auf keinen Fall Hilfe einfach verschieben will. Das Wichtigste von Harambee sind die beiden Vonwald-Schulen. Aber ich schaue gern über den Tellerrand, und falls jemand sagt, das wäre genau meins – herzlich Willkommen, es gibt immer genug zu tun.

Gabriela Vonwald