Was kostet Schule?
In Kenia beginnt das neue Schuljahr am ersten Montag im Jänner und so wie bei uns auch wird dann oft darüber diskutiert, was es so kostet, ein Kind lernen zu lassen. Nun sind ja öffentliche Schulen bei uns in Österreich kostenfrei, es kommt aber dennoch genug zusammen. Eltern können davon ein Lied singen. Trotzdem würde niemand sein Kind aus Kostengründen zuhause lassen, es gibt soziale Töpfe, irgendwie bekommt man es hin.
Auch in Kenia hört man ja immer wieder, dass die Grundausbildung, also zwei Klassen Vorschule und 6 Klassen Volksschule, gratis seien. Und viele Menschen hier in Europa fragen sich dann, warum reden wir dann immer von Schulgebühr.
Nun, gratis ist relativ. Der Betrag ist so gering, dass man im Grunde von gratis sprechen kann. Wie gering – siehe unten. Und der wird auch meistens nicht als Schulgebühr verpackt, sondern als – Extrakosten, Verwaltung,
Und gratis würde natürlich auch nur für öffentliche Schulen gelten, private kosten immer und immer viel, bieten aber auch oft einen Mittagstisch und Bücher für jedes Kind und saubere Klassen und eine vernünftige Toilette (das zeigt schon, dass dies in öffentlichen Schulen keineswegs immer so ist. Gute saubere Schulen sind die Ausnahme, nicht die Regel).
Was aber vor allem anders ist, eine öffentliche Schule darf niemanden ablehnen, trotzdem gibt es nicht mehr Räume oder mehr Lehrer. Daher sitzen hier manchmal bis zu 90 oder sogar 120 Kinder in einer Klasse und werden von einem Lehrer unterrichtet, der oft seit zwei Monaten kein Gehalt bekommen hat. Verständlich daher, dass junge Eltern am liebsten die Privatschulen nehmen würden. Sie glauben oft auch, schaffen wir irgendwie, dann kommt aber das Leben dazwischen, ein zweites oder drittes Kind, das so nicht geplant war, Arbeitslosigkeit und schon rutscht man in Schulden an der jeweiligen Schule. Die immer größer werden und jetzt würde man gern wechseln an eine öffentliche, geht aber erst, wenn alle Schulden bezahlt wurden, denn vorher rückt die Schule die Papiere nicht raus – ein Teufelskreis. Manche resignieren und lassen die Kinder einfach zuhause. Und so vergeht das Leben.
Schauen wir zwischendurch, warum bei uns nun der Patenbeitrag höher ist als in einer öffentlichen, bei uns meint, in den beiden Vonwaldschulen, die ja in unserem Eigentum sind. Hier sind wir Schulerhalter, müssen alle Gehälter bezahlen (anders als in Österreich, wo auch in einer Privatschule die Gehälter vom Staat gezahlt werden), wir bieten Essen, gutes Essen, wir bieten alles, was dem Staat so vorschwebt im Lehrplan, was dann vor allem ab Klasse 7 ein Vermögen kostet.
Aber wir haben ja auch Kinder in externen Schulen. Zunächst mal die Partnerschulen Hope, Old Ferry und Minara. Hier zahlen wir keine Gehälter. Wir zahlen Schulgeld und Mittagstisch, daher können wir hier mit weniger kalkulieren. Und das gilt auch für die anderen öffentlichen Schulen, ja, die mit 90 in einer Klasse. Wir müssen teilweise die Kinder dort lassen, weil wir erstens selbst voll sind und zweitens der Schulweg manchmal zu weit wäre. Hier zahlen wir die Schulgebühren, die in Kenia absolut verschwindend sind, wir zahlen die Grundsicherung im Krankheitsfall und wir zahlen über Partnerunternehmerinnen einen Mittagstisch. Diese Partnerinnen sind Frauen, die Streetfood anbieten, die vor den Schulen kochen, und mit denen wir Verträge haben. Eine win-win Situation, die Kinder haben was im Magen und die Frauen ein gesichertes monatliches Grundeinkommen. Daher rechnen wir hier auch 20 Euro, obwohl die Schulgebühren selbst das nicht rechtfertigen würden. Wohlgemerkt, wir reden hier nie von Oberstufe, also ab Klasse 7 wird es immer teuer.
Was kostet so eine öffentliche Schule, einfach, damit man mal eine Vorstellung hat? Da ich gerade mit unserem Partnerprojekt in Rabai kalkuliere – die öffentlichen Schulen dort verlangen für die Unterstufe/Volksschule – festhalten – nur 22 Euro. Im Jahr!!!!! Dazu kommen kleine Gebühren, sollen es nochmals 10 Euro sein. Und daher können wir selbstverständlich auch dort anbieten, wenn die Kinder mit PP fertig sind und in öffentliche Schulen wechseln, zahlen wir ein Mittagessen und die erste von zwei Schuluniformen. Mindestens. Da reichen die 15 Euro, die wir jetzt auch brauchen, für Extras fragen wir dann mal die Paten.
In Kilifi brauchen wir die 20 Euro, weil wir noch Krankenabsicherung zahlen, das Essen etwas teurer ist und wir natürlich viel mehr Kinder haben, diese auch betreuen müssen, daher in Kenia auch ein wenig Verwaltung haben. Nur wenig ist hier in Gehdistanz, Kilifi hat rund 15.000 Einwohner.
Aber nochmals, kein Kind in unserem Projekt bleibt komplett ohne Essen. Das ist immer! im Patenbeitrag enthalten.
Und jetzt fragt sich vielleicht doch jemand – 22 Euro im Jahr, und das können Eltern nicht leisten? Doch, das könnten sie manchmal, bei ein oder zwei Kindern sicher. Aber – und das versuchen wir immer und immer wieder – man denkt nicht an die Zukunft. Man denkt nicht, 22 durch 12 und ich lege mir das jeden Monat zur Seite. Man wartet, bis es auf einmal 22 sind oder sogar 44 und das dann für 5 oder 8 Kinder. Und ja, manche Schulen sind auch erfinderisch mit Extraunterricht, Kopierpapier usw.
Unsere Aufgabe ist also – einerseits auch die Eltern erziehen, keine Schulden machen, Rücklagen bilden, aber andererseits ganz oft zuerst einmal erste Hilfe leisten, indem man Rückstände einmalig übernimmt, damit Eltern sozusagen wieder bei Null anfangen können. Auch wir kennen das, wenn Schulden zu viel werden, wenn sie vor einem stehen wie ein unüberwindbarer Berg, dann steckt man leicht den Kopf in den Sand. Und diese Eltern kämpfen jeden Tag ums Überleben. Um Essen, Wasser, Miete, Medikamente oder Arzt. Alle jungen Eltern haben noch die Bürde für die eigenen Eltern oder jüngere Geschwister. Und manche haben auch ältere Kinder, die in der absolut nahezu unbezahlbaren Highschool sind oder schon ein College besuchen. Und alles konzentriert sich auf diesen Sohn, diese Tochter.
Was bei den Kindern, die in unserem Projekt sind, aber eine öffentliche Schule besuchen, anders ist – neben dem Essen und nicht hungrig sein? Wir sind präsent. Die Schulleitung und die jeweiligen Lehrer wissen – du bist gesponsert. Du hast Schuluniform, Bücher und Hefte, dich müssen wir nicht immer wieder nach hause schicken, weil das Schulgeld fehlt, du hast also keine Fehlzeiten. Und manche kennen den Pygmalion-Effekt – wenn ein Lehrer aufmerksam wurde und weiß, hier kümmert sich wer, dann kümmert sich auch der Lehrer oder die Lehrerin mehr. Das Kind wird also gesehen. Und das ist oft schon die halbe Miete, sodass auch ein Kind unter 90 noch gut lernen kann.
Dr. h.c. Gabriela Vonwald



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