Wieder Start zu einem neuen Social Living Haus

Diese Woche haben wir bei strömendem Regen – glücklicherweise regnet es endlich – das nächste Social Living Haus begonnen und ein weiteres ist auch noch in Planung bzw. in der Finanzierung. Das bedeutet, wieder können sich zwei bzw. sogar vier Familien auf ein menschenwürdiges Wohnen freuen. Da ich die Anfänge dieses Projekts oft noch so deutlich in mir spüre, sind diese Häuser für mich immer ganz etwas Besonderes. Jetzt ins letzte sind gerade Kinder eingezogen, die von der ersten Stunden an in unserem Projekt waren. Der kleine Jimmy war damals gerade 4 Jahre alt, heute ist er ein hoch aufgeschossener schlaksiger Bub und sein großer Bruder ist schon ein richtiger Mann. Und immer hab ich versprochen, ihr kommt irgendwann dran, die Wohnsituation war immer schon ganz furchtbar. Aber – es gab schlimmere, Notfälle, Menschen, denen einfach das Dach davon geflogen ist, die auf der Straße lagen. Jetzt war es aber soweit. So eine Freude.

 

Und die nächsten Familien wohnen derzeit auch unter Verhältnissen, bei denen man in Europa Probleme bekommen würde, würde man eine Ziege so halten. Hier gefällt mir auch gut, dass zwei Familien, die jetzt schon Nachbarn sind, dann auch in eine Doppelhaushälfte ziehen werden.

Und für die Sponsoren ist es auch toll, dann eine Tafel mit ihrem Namen an der Hauswand zu sehen. Das derzeitige Haus ist beispielsweise ein runder Geburtstag, und was kann man sich wohl schöneres wünschen und schenken.

521 Paar Schuhe

Eine großartige Neuigkeit erreicht mich gerade aus Kenia, die vor allem auch zeigt, dass unsere Mitarbeiter vor Ort auch Eigeninitiative an den Tag legen.

Es gab vor Monaten einen Aufruf an alle registrierten Schulen, im Zuge einer Kampagne gegen die gefürchteten Sandflöhe („Jigger“) um eine Schuh-Spende beim Ministerium anzusuchen. Man würde dann die Schulen auswählen, die sozusagen vom Staat Schuhe gestiftet bekommen würden. Nelly hat sofort alle Papiere eingereicht, immer wieder telefoniert, ist denen sicher auch gehörig auf die Nerven gegangen, wir hatten dennoch nicht so viel Hoffnung, dabei sein zu dürfen, denn man weiß ja, hinter dieser Schule steckt irgendeine reiche Weiße.

Nun, heute kam das Schreiben, wir bekommen 521 Paar Schuhe für unsere Kinder. Jetzt fehlen uns nur noch die für unsere größeren Kinder, die schaffen wir aus dem Budget.

Ich freue mich wirklich sehr. Danke an Nelly für ihre Hartnäckigkeit.

Patentreffen

Ich bin seit einer knappen Woche zurück aus Kenia, und der Einstieg ins normale Leben fällt noch immer schwer. Mein Kopf und mein Herz sind noch voll mit Geschichten, Eindrücken, Farben, außerdem war es deutlich wärmer;-((

Vielleicht hilft es ja, sich mit Freunden zu treffen und zu erzählen.

Ich lade daher herzlich ein zum Patentreffen am Samstag den 22. Februar 2014 um 17 Uhr,

Korneuburg, Bisambergerstr. 1

Auch Interessierte, die (noch) keine Patenschaft übernommen haben, sind herzlich willkommen. Bitte was zum Essen und/oder Trinken mitbringen.

Ich freue mich.

 

Tut mir leid

…dass ich jetzt so lange nichts geschrieben habe. Obwohl es natürlich nicht so ganz stimmt, denn in unserer geschlossenen Facebookgrupe, in der sich unsere Paten austauschen können, hab ich natürlich jeden Tag geschrieben. Aber man glaubt es kaum, irgendwie läuft einem die Zeit davon.

Aber ich war nicht untätig, genauso wenig wie alle Mitarbeiter vor Ort und daheim.

Inzwischen hab ich schon vier Touren zu den Familien gemacht und mich davon überzeugt, wie unsere Kinder leben, wie sie schlafen, in welchem Zustand die Hütte ist usw. Bei jeder Tour sehe ich ungefähr 50 Kinder. Alle 600 werde ich wohl nicht schaffen, hab ja jetzt nur noch zwei Wochen, aber ich bin nicht unzufrieden.

Und immer wieder sehe ich bei diesen Besuchen, dass es auch in der Armut erhebliche Unterschiede gibt. Und wie weit ich schon in alles eingetaucht bin. Räume, wo ich mir denke, „Gott sei Dank – alles in Ordnung hier, Dach dicht, eine Matratze am Boden, ein Moskitonetz, die Familie kann sich glücklich schätzen, keine Katastrophen“ würden jedem anderen Besucher noch immer erscheinen wie „noch nie habe ich so viel Armut gesehen“.

Das wichtigste auf meiner Liste sind derzeit Matratzen. In viele Hütten passen einfach keine Betten hinein, nicht einmal ein schmales, und oft gibt es Betten, auch wenn diese etwas gewöhnungsbedürftig aussehen, aber man schläft auf dem Lattenrost oder einer Zeitung. Ich erstelle gerade eine lange Liste der Kinder, die ganz dringend eine solche Matratze brauchen, Kostenpunkt rund 40 Euro.

Wir haben auch begonnen, für unsere Kleinsten eine richtig tolle Sandkiste zu bauen. Einbetoniert und für mindestens 20 Kinder geeignet, mit Makutidach zum Schatten spenden. Unser Tischler Simon ist mit Feuereifer am Werk, damit alles noch fertig wird, solange ich da bin.

Auch eine Hütte ist schon wieder in Arbeit und ein Social Living Haus. Aber unsere Liste für Familien, die dringend in solch ein Doppelhaus übersiedelt werden müssen, wird nicht kürzer.

Zum Abschluss die sensationell gute Nachricht des Tages: Durch eine großartige Firmenspende können wir das Fundament des neuen Gebäudes vor der Regenzeit fertig stellen. Freue mich so sehr.

 

Müttertreffen

Es ist wirklich nicht so einfach, jeden Tag etwas zu schreiben. Nicht, weil es nichts zum Schreiben geben würde, sondern weil mir echt die Zeit davon läuft. Und gestern gab es zum Beispiel in ganz Kilifi kein Netz, weder Internet noch Handy.

Ich sitze auf der überdachten Besucherterrasse der Schule, drinnen im Speisesaal ganz viele Mütter. Mein Part ist erledigt, ich hatte meine übliche Ansprache, natürlich wie in meinem Buch beschrieben mit dem üblichen Kanga umgebunden, darauf bestehen sie inzwischen. Es ging um Malaria, und das ein Netz nur was bringt, wenn es keine Löcher hat, weil das Moskito sonst hereinschaut, „Jambo“ sagt und sich denkt, großartig, dass sie mir extra einen Eingang gebaut haben. Nächste Woche nehme ich mir nochmals alle Mütter im gebärfähigen Alter vor und wir reden darüber, dass man für die Infektanfälligkeit der Kinder schon in der Schwangerschaft was tun kann, und wie wir hier helfen können. Schwanger werden sie sowieso, aber wenn schon Kinder, dann gesunde, die auch das 5. Lebensjahr erreichen.

Vorgestern gab es Familienbesuche, 37 Familien mit jeweils zwischen 3 und 5 Kindern in unserer Schule, und wie immer berührenden Geschichten. Teilweise hab ich schon über Facebook erste Hilfe organisiert, bei zwei Hütten ist die Situation so dramatisch, dass wir ganz rasch helfen müssen.

Gestern hab ich das Projekt unseres Tischlers Simon besichtigt, heute ist Simon in der Schule, denn ich möchte eine Sandkiste bauen für die ganz Kleinen, und wer könnte meine Ideen besser umsetzen. Dabei musste ich zuerst einmal wirklich erklären, was eine Sandkiste ist und warum sie gut wäre. Kennt man natürlich hier gar nicht, alle kleinen Kinder, die Sand spielen genauso lieben wie unsere, spielen auf dem staubigen Boden der Schule, übersät auch mit kleinen Steinen und Ungeziefer. Ständig sind die Uniformen zerrissen und es staubt unglaublich. Dass es eigenen Sand gibt, der sich fürs Spielen besser eignet, war hier eine kleine gedankliche Sensation.

Daneben entsteht auf einer anderen Baustelle ein neues Social Living Haus für zwei Familien, und auch unsere Schulbaustelle ist voller Leben.

Und gleich ist Frühstückszeit, für die Kinde rund für mich.

Wochenbeginn

Ich hatte ein wunderbar entspanntes Wochenende, ich hoffe, ihr auch. Den Samstag habe ich mit drei meiner persönlichen Kinder verbracht, das war wirklich sehr, sehr schön. Und am Sonntag ein wenig Pool, dabei interessant zu sehen, wie immer mehr der deutschsprachigen Touristen mein Buch lesen und dabei verstohlen zu mir rüber schauen, bis sie sich trauen, mich anzusprechen.

Gerade habe ich wunderbare Mahambris mit heißem gezuckerten Tee bekommen, jetzt ordne ich neue Fotos für die Facebookseite. Daneben hab ich die neu Baustelle besichtigt und bin mit Fotoapparat herumgeturnt auf riesigen Sandhügeln und tiefen Schluchten. Unser Baumeister George ist gerade auf dem Weg um diverse Baumaterialien zu holen, solange halt, bis uns das Geld ausgeht.

Auf dem Weg zur Schule haben wir gleich auch zwei riesige Pakete mit Kleidung und Stofftieren mitgenommen. Die Stofftiere kamen über eine Patin als Geschenk einer Bank, und es waren so viele, dass wir alle Nurseryklassen mit einem Stück ausstatten konnten. Die Kinder sind so glücklich darüber und drücken ihren kleinen Bären oder was immer es darstellen soll, fest an sich.

Wir haben auch schon genau aufgelistet, wie wir die Extragelder der Paten verwenden werden, außerdem wird demnächst noch ein Lehrer eingestellt, auch darüber mussten wir diskutieren.

Jetzt hab ich ein wenig Ruhe, meine Tägliche Swahili Stunden, die eigentlich nur eine halbe ist, hatte ich schon, Hausaufgaben auch dazu, langweilig wird mir also nicht. Zumal ich für Donnerstag noch in meinem Kopf das Müttertreffen vorbereiten muss und für Samstag das Lehrerseminar. Den Müttern werde ich was über Malaria erzählen und warum ein Moskitonetz mit Löchern nichts nutzt. Und wie immer muss ich es in lustige Geschichten verpacken, mal sehen, was mir da einfällt. Und in welchen Kanga ich gehüllt werde.

Bis bald.

Spatenstich

Ich sitze auf der Schulterrasse inmitten herumwuselnder Menschen, eine Menge Handwerker sind eingetroffen, wir haben mit dem neuen Gebäude begonnen. Dazu der Singsang der Kinde raus den Klassenräumen, irgendwie herrscht gerade eine wunderbare hoffnungsfrohe Stimmung – es geht weiter.

Gestern war ein Tag der Planungen – teilweise neue Gehälter für unsere Köchinnen und Gärtner (alle bekommen ab sofort einheitlich Euro 50,- im Monat), wir haben teilweise neue Jobbeschreibungen angefertigt, zum Beispiel für die Lagerhaltung der Lebensmittel und die der Schulsachen, außerdem haben wir die Lehrer mit der Ankündigung überrascht, dass es nächsten Samstag einen Tag Seminar und ein „come together“ in meinem Hotel geben wird. Ich halte dies für extrem wichtig, dass wir zu einer echten Gruppe zusammen wachsen. Und auch mal Spaß haben zusammen. Alle sind total aufgeregt, und ich weiß, dass solch ein Tag viel ändern wird in den Köpfen, auch was Motivation der Kinder betrifft, Bestrafungen, Lob, aber auch die guten Ideen, die sicher viele haben, und die im Schulalltag untergehen.

Morgen werde ich den Tag mit zwei meiner persönlich gesponserten Kinder verbringen, schwimmen, Lunch zusammen, viel reden. Es sind zwei der „großen“, mein Francis und das Patenkind meiner Tochter, Rehema. Über Rehema hab ich die große Sensation gestern  schon auf Facebook gepostet, hier aber nochmals.

Rehema ist unsere Spitzensportlerin, sie kann einfach alles und ist außerdem noch brillant in der Schule. Nun hatte sie vor einem Monat einen Taekwondo Wettbewerb in Nairobi, erreichte dort den ersten Platz ihrer Klasse und wurde als eine von 8 Kindern der gesamten Küstenregion eingeladen, am afrikanischen Jugendsportwettkampf in Botswana teil zu nehmen. Wir haben also jetzt einen Pass beantragt, sehr, sehr aufregend und eine riesige Chance für solch ein Kind aus sehr armen Verhältnissen. Das Beste aber, sie steht auch in der Auswahlmannschaft für die Jugendolympiade in China im August. Ist das nicht unglaublich? Ohne unsere Unterstützung wäre dieses begabte Mädchen irgendwo im Haushalt gelandet, verheiratet, viele Kinder, keine Chance auf eine Verbesserung des Lebens. Da kann  man doch nur stolz sein auf solch ein Kind. Toll wäre natürlich, wenn sich vielleicht jemand finden würde, der die monatlichen Kosten für unseren Taekwondo-Lehrer übernehmen würde, genauso wie für den Lehrer unserer Pfadfinder und unserer Kunstklasse. Alle bekommen pro Kind Euro 2,-  im Monat, macht fast immer so um die 50 Euro, die wir gern ausgeben, die aber unser Budget trotzdem belasten.

Auch eine gute Nachricht, einige Hotels der Gegend werden mein Buch in ihren Shops anbieten. Und damit deutsch sprechende Touristen auf unser Projekt aufmerksam machen. Ich hatte einige im Gepäck, die man mir geradezu aus der Hand gerissen hat. Dies ist auch ein kleiner Zuschuss zu unserem arg strapazierten Budget.

Morgen mehr, Fotos im Fotoordner auf Facebook.

 

Prosit Neujahr

Ich hoffe, Sie sind alle gut ins neue Jahr gerutscht und haben die „besinnliche“ Zeit auch wirklich besinnlich gestalten können. Auch ich habe die Weihnachtstage benutzt, um mich zu erholen bzw. viele Dinge zu erledigen, die sonst oft im Alltagsgeschäft liegen bleiben.

Was hat sich in der Zwischenzeit getan? Das Dach unseres Social Living Hauses wurde komplett erneuert, Danke für die spontanen Spenden dazu.

Ich habe den Grundrissplan für unser letztes Gebäude erhalten und den Kostenvoranschlag für den ersten Teilabschnitt. Viele Helfer werden jetzt Bettelbriefe verfassen an alle Firmen, die mit dem Thema „Bauen“ zu tun haben (alle anderen sind natürlich auch gern eingeladen), uns doch etwas zu spenden und dafür von allen Bauabschnitten Fotomaterial zu erhalten, das sie gern für ihre Werbung verwenden dürfen.

Wenn auch Sie uns helfen wollen, Ideen haben oder Firmen kennen, uns würde eine große Last weggenommen, und hier weiß man wenigstens ganz genau, wofür das Geld verwendet wird. Zur Erinnerung, man kann alles steuerlich absetzen, und wir haben nur 4% Verwaltungskosten, schon inklusive aller „Werbung“.

Ja, und nun geht es bald los. Morgen, 7. Januar 2014 um 21 Uhr hebt für mich der Flieger Richtung Mombasa ab. Überall in der Wohnung liegen Häufchen herum mit Dingen, die ich nicht vergessen darf, offener Koffer, Abschied von den Enkelkindern, und mein Hund läuft mir permanent vor die Füße, weil er Schlimmes ahnt.

Von Kenia aus werde ich auch so oft wie möglich hier schreiben, wenn Sie also mitverfolgen wollen, was sich so tut, herzlich gern.

Wir lesen uns das nächste Mal von kenianischem Boden aus.

 

Die Termiten haben zugeschlagen

Leider reißen die negativen Nachrichten nicht ab, und dabei würde ich so gern über unsere fröhlichen Kinder vor Weihnachten schreiben.

Heute morgens erreichte mich die Nachricht, dass Termiten eines unserer Social Living Häuser beschädigt haben. Sie haben zwei der Stützträger vom Dach so durchlöchert, dass heute das ganze Dach eingebrochen ist. Die Familien haben wir notdürftig untergebracht, natürlich lässt sich alles reparieren, diesmal mit Hartholz, aber dazu brauchen wir natürlich wieder Geld.

Aber – wir schaffen das. Keins unserer Kinder soll Weihnachten auf der Straße verbringen.

Die Sache mit der Spitalsrechnung

Leser meines Buches „Mama Karembo“ kennen ja das kenianische Krankenhaussystem, wo man nach einer ärztlichen Behandlung erst entlassen wird, wenn man die Rechnung zahlen kann. Viele verschulden sich dadurch auf Lebzeiten.

Und gestern erreichte mich eine ganz tragische Geschichte, nicht aus unseren Familien, aber es veranschaulicht sehr gut, was ich da schon erzählt hatte:

Eine Mutter war aus dem Spital geflüchtet und hat sich im Wald erhängt, weil sie nach einer lebenswichtigen Operation die Rechnung nicht bezahlen konnte.

Solche Geschichten machen mich immer ganz fertig. Wie verzweifelt muss ein Mensch sine. Wenn man sich entscheiden muss, lebenswichtige Operation und schwer verschuldet oder sterben, weil man sich die Behandlung nicht leistet. Operation oder Sohn in die Schule schicken, für beides reicht das Geld nicht.

Wie viele Gründe gibt es, dankbar zu sein für das Leben, das wir führen dürfen.

 

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