Was ich am Leben so spannend finde ist, dass sich ganz oft Dinge genau so fügen, wie sie gehören. Man hat etwas geplant, es kommt plötzlich was dazwischen, man kämpft dagegen oder dafür, und irgendwann lässt man los und vertraut und dann plötzlich – es klappt.

Einige haben es bestimmt bemerkt, dass ich mich die letzten Wochen in einem Projekt engagiert habe mit dem Titel „The Tumaini School“. Und glauben vielleicht, es sei etwas total Neues, was macht sie da, warum macht sie es.

Zunächst, es ist nicht neu. Es ist etwas in Rabai, das wir so schon im Jahr 2019 begonnen hatten, das Konzept für alles lag bereits 2022 in meiner Schublade, aber bevor es zur Umsetzung kommen konnte, spielte uns allen das Leben einen Streich.

Das Projekt der kleinen Vorschule mit Namen Tumaini = Hoffnung haben Mr. Tsama und ich im Jahr 2019 begonnen. Auf seinem Grundstück, also seinem Eigentum. Und ja, Mr. Tsama war 10 Jahre lang unser CEO in Kenia, hat unsere kenianische Organisation Gapeka entscheidend mit gestaltet und – war und ich kann sagen ist sowas wie mein Sohn. Wir waren sehr eng, auch mit seiner Frau Eve, aber 2022 kam es dann zu einem Bruch. Falsche Freunde für ihn, Einflüsterer, wohl auch sowas wie Burnout, jedenfalls verließ er Gapeka und dachte, das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sei grüner. Ein deutscher Verein übernahm unser Projekt in Pacht (damals gab es für die kleine Schule nur das erste Klassenzimmer), ich hielt mich raus. Tsama ging nach 6 Monaten, als er sah, das wird dort nichts, nach England, weil seine Frau dort als OP-Schwester angestellt war, er lebt seither dort, hat einen Job, beide verdienen gut, der gemeinsame Sohn besucht in England die Schule, aber – es blieb diese Sehn sucht nach Kenia und für die Gemeinde zu arbeiten.

Jedenfalls war er irgendwann um Weihnachten herum mutig genug, mich anzuchatten, sich ehrlich zu entschuldigen – der verlorene Sohn. Der deutsche Verein ist inzwischen weiter gezogen zu neuen Ufern.

Ja, und jetzt sind wir wieder eine Arbeitseinheit und werden das in Rabai umsetzen, was wir damals eigentlich wollten. Und wir betrachten die drei Jahre dazwischen als Lernprozess, nicht auf falsche Freunde herein zu fallen. Tsama hat auch still und leise weiteres Land dazu gekauft, inzwischen sind es rund 6000 qm.

So, das war der lange geschichtliche Vorspann. Tumaini ist zurück, derzeit noch von meinem privaten Geld finanziert und von ein paar guten Freunden und Paten, die Tsama seit ewigen Zeiten kennen, es wird aber einfach eins der vielen Projekte sein, die über Gapeka laufen. Denn auch alle Kollegen und Team in Gapeka finden es großartig, dass wir wieder vereint sind. Und, was mich sehr freut, auch Tsama und vor allem seine Frau Eve investieren hier ihr in England verdientes Geld und haben bereits Freunde und Arbeitskollegen infiltriert mit der Idee.

Als wir 2019 begonnen hatten, lief es so, wie heute in unseren drei Partnerschulen – über Patenschaften. Aber das hat sich nicht bewährt, zu weit, zu wenig tagesaktuelle Informationen damals. Und das will ich auch heute nicht, wir haben in unserem Kernbereich genug Kinder, die noch suchen. Und außerdem halte ich ja nicht wirklich allzu viel von reinen Nurseries, also Vorschulen. Wobei es in diesem Fall notwendig war, denn die Gegend rund um die Schule ist während jeder Regenzeit überschwemmt, für kleine Kinder wäre es gefährlich, bis zu einer der öffentlichen Schulen zu gehen. Wenn sie etwas älter sind, klappt das, 4jährige können es nicht. Alle umliegenden Häuser sind in dieser Zeit praktisch „auf der anderen Seite“ des Wassers. Die Idee, die ich damals in der Schublade hatte und die wir heute umsetzen, ist eine erweiterte. Vorschule mit zwei Klassen ja, aber das ist sozusagen nur ein kleiner Teil der Hilfe. Alles, was wir tun, bauen, installieren, soll direkt den umliegenden Familien zugute kommen, also Gemeindehilfe mit der Vorschule als Anziehung.

Wie sieht das konkret aus?

  • Wir bauen einen Spielplatz, der am Wochenende und in den Ferien auch den anderen Kindern zur Verfügung steht. Mütter werden ehrenamtlich Aufsicht halten, das Grundstück ist sehr groß, man kann Fußball spielen und rennen.
  • Wir leiten gerade Wasser ein. Nein, kein Brunnen, sondern gekauftes Leitungswasser mit einem Zähler plus zwei Wassertanks für Notfälle. Wasser für die Schule, aber auch Wasser, das die Eltern holen können, wenn es so trocken ist, dass die umliegenden Brunnen versiegen.
  • Wir werden eine Toilette bauen, eine Seite zur Schule gewandt für die Kinder und Lehrer/innen, die Außenseite eine öffentliche Toilette unter der Obhut einer Mutter aus der Nachbarschaft.
  • Wir planen einmal im Monat Essenspakete für Alte und Behinderte in der Gemeinde
  • Als Pilotprojekt versuchen wir jetzt in den Aprilferien die Schule zum Spielen offen zu halten, aber – und das ist mir wichtig, nicht nur die eingeschriebenen Kinder bekommen was zum Essen – es gibt Geschwisterkinder, die daheim sitzen und hungrig sind, weil ihre Schulen geschlossen haben. Wir kaufen die Lebensmittel ein, ein paar Mütter kochen und alle Kinder dürfen essen.
  • Und – ganz aktuell – unter der Leitung eines erfahrenen Veterinär Officers starten wir ein Projekt Tierzucht mit Ziegen und Kaninchen für Eltern, wir schulen in Tierzucht, wir finanzieren den Start, den Ankauf der Tiere, den Tierarzt usw. Im ersten Jahr rechnet sich das noch nicht, im zweiten Jahr aber sehr wohl. Wichtig ist, dass Eltern lernen, wie es geht, damit man mit diesem Business keine Verluste baut. Ackerbau ist in Rabai schwierig und nicht so populär, aber Viehzucht ist  tatsächlich ein hilfreiches Business, es gibt direkt in Mariakani Schlachthöfe. Und wichtig ist mir hier, dass alle lernen, den Tieren muss es zu Lebzeiten gut gehen. Kinder sollen ebenfalls lernen, gut mit Tieren umzugehen. Und ja – sie werden irgendwann gegessen. Wir reden hier von einem Dritte-Welt-Land.

Und was mich ebenfalls freut – zerstrittene Teile der Gemeinde haben sich die Hand gereicht. Man arbeitet gemeinsam, es gibt für alle eine win-win Situation.

So, daher jetzt, wer dabei sein mag, sehr gern. Man kann es auch gern als Projekt im Projekt ansehen, man kann direkt nach Kenia spenden, es gibt eine eingetragene CBO, Tsama spart gerade für eine selbständige Tätigkeit in Kenia, er wird also zurück kommen und dann alles direkt von Kenia aus leiten, ich selbst werde das Projekt zweimal im Jahr besuchen.

Man kann aber natürlich auch gern an Harambee spenden, Betreff „Tumaini“.

Und was jetzt schon hilft – die Facebookseite liken, teilen, kommentieren.

https://www.facebook.com/profile.php?id=61586739239136

 

 

 

Neben den Kindern in unseren beiden in Eigenregie geführten Schulen und allen drei Partnerschulen (inzwischen 4, aber dazu später mehr), wo es natürlich einen Mittagstisch gibt, haben wir viele Kinder auch in externen Schulen. Viele Schulen, überall verstreut, insgesamt sicher an die 80 Kinder. Manche dieser Schulen, auf jeden Fall natürlich alle Internate, bieten solch einen Mittagstisch an, wenn man es extra bezahlt, was wir natürlich immer tun.

Aber was ist mit den Kinder, die in Tagesschulen gehen ohne Mittagstisch? Die um 12 Uhr heimgeschickt werden (manchmal ein Fußmarsch von einer halben Stunde), nur um zuhause festzustellen, da ist niemand. Die Eltern arbeiten oder sind am Feld, und selbst wenn sie zuhause sind, es gibt kein Geld für zweimal essen. Man geht also hungrig wieder zurück, manche Kinder bleiben daher gleich in der Nähe der Schule. Da die meisten Kinder auch kein Frühstück bekommen, nur einen heißen gesüßten Tee (das Swahili Wort für Frühstück ist „chai na asubuhi“ – Tee des frühen morgens) bedeutet dies für die meisten Kinder in Kenia, sie sitzen müde und hungrig in ihren Klassen bis 16 Uhr und hoffen, dass es dann wenigstens ein Abendessen gibt. Viele schlafen nicht nur deshalb, weil sie so müde sind, sondern um dem Hunger davon zu schlafen.

Und ich gestehe – ich hatte das anfangs gar nicht am Schirm. War ignorant, dachte, ich bringe die Kids in eine Schule, das muss genügen. Aber, ich mache ja Familienbesuche, wenn ich in Kenia bin. Immer. Und natürlich auch bei externen Kindern. Ich lasse mir Zeugnisse zeigen und Schularbeiten und erinnere mich genau an diese Situation, aus der dann die Idee der Mittagsmahlzeit entstanden ist. Von einem Mädchen wurde mir gesagt, dass sie immer wieder mal zwei Tage fehlen würde in der Schule. Also meine Frage – warum? Sie druckste herum, ich nahm sie in den Arm und ging mit ihr hinter die Hütte, damit niemand es hören konnte. Und da kam es heraus, dass sie manchmal vor Hunger so schwach sei, dass sie nicht aufstehen könne und dass sie zweimal schon in der Schule in Ohnmacht gefallen sei und sich schämen würde.

Ich war so erschüttert, sofort eine Teambesprechung und die Idee – an jeder Schule gibt es Streetfood. Frauen, die dort chapati anbieten mit Bohnen, ugali mit Gemüse, Teigtaschen, es ist alles erhältlich, wenn man es denn zahlt. Aber den Kinder Geld in die Hand drücken ging natürlich nicht. Erstens würde es ihnen gestohlen, zweitens vielleicht von anderen Familienmitgliedern verwendet, und jeden Tag zuteilen wäre auch zu mühsam.

Also haben wir das Gespräch mit den Händlern und Küchen gesucht und mit ihnen den Deal ausgehandelt:

Die Kinder bekommen einen kleinen Ausweis, den sie vorzeigen, sie erhalten dafür ein Mittagessen, und einmal im Monat rechnen wir direkt mit den Köchinnen und Lokalen ab. Und das funktioniert jetzt schon seit Jahren so. Derzeit haben wir 51 Kinder, die in den Genuss kommen, verteilt auf insgesamt 10 dieser Streetfood-Betreiber/innen. Die ebenfalls glücklich sind mit dieser regelmäßigen und verlässlichen Einnahmequelle. Und was kostet das so? Um ein Kind einen ganzen Monat an allen Schultagen mit so einem Mittagessen zu versorgen, brauchen wir ungefähr 9 Euro.

Unser Mr. Godwyn hat auf meinen Wunsch hin gerade ein Video dazu gemacht, das ich euch demnächst zeige und in meiner nächsten Podcastfolge rede ich auch über unsere externen Kinder.

Kein Kind sollte hungrig sein.

Gabriela Vonwald

 

Hilfe beginnt immer klein und immer dadurch, dass man etwas sieht, was man so nicht akzeptieren kann und will. Ich zumindest kann es nicht.

Im Vorjahr haben wir massiv damit begonnen, nicht nur unsere beiden Schulen zu erhalten und insgesamt drei Partnerschulen (Hope, Old Ferry und MInara) zu unterstützen, sondern immer wieder auch anderen Schulen zu helfen. Dies sind meistens Government Schulen, aber das Government unterstützt vor allem dort, wo örtliche Politiker ihre Kinder drin haben, wo es Verwandtschaftsbeziehungen gibt oder politischen Nutzen. Muss man leider so sagen. Alle anderen werden einfach vergessen.

Das Resultat: Übervolle Klassen, Kinder sitzen am Boden, weil niemand Schulgeld zahlt, gibt es keinen Spielraum zur Renovierung, es gibt oft nicht mal Porridge für die Kleinsten, es regnet durchs Dach, es gibt keine Toiletten, kurz gesagt – diese Schulen und somit die Kinder dort wurden einfach vergessen. Was ich manchmal sehe, ist wie ein Flashback ins Mittelalter. Schulen mit 600 Kindern und nur 3 Klassenräumen – Kinder lernen im Schichtbetrieb, die eine Gruppe vormittags, die andere nachmittags, in der Regenzeit gar nicht, weil das Dach kaputt ist. Toiletten, die nur ein Loch im Boden sind, zwei Löcher für 250 Kinder, darunter 4jährige. 90 Kinder in einem Klassenraum, der mit 30 gut gefüllt wäre. Keine Bücher, keine Perspektive.

Nein, wir können nicht überall helfen. Wir können auch nicht Regierungsarbeit machen und überall neue Schulen bauen. Wir schauen daher, was würde schon eine Hilfe sein und ist mit unseren Mitteln möglich. Und bei größeren Dingen fragen wir dann Stiftungen.

So haben wir in einigen Schulen zu Weihnachten Möbel gebracht und werden damit jetzt für eine andere Schule weitermachen. Wir haben vorhandene Möbel repariert, wir haben Klassen mit Büchern ausgestattet oder mal für ein Jahr das tägliche Porridge für alle übernommen.

Und damit helfen wir nicht nur direkt, wir zeigen – ihr wurdet nicht vergessen. Plötzlich kommt der Elternverein und möchte unterstützen, es entsteht Bewegung, es wird zusammen geplant, was könnten wir selbst tun.

Gestern bekam ich drei Schulen auf den Tisch, wo uns allen die Tränen kamen. Seid also bereit für weitere Aktionen. Wir starten in Kürze wieder mit Schulbänken.

Und daneben begegnen mir Einzelschicksale. Und indem wir solch einem Einzelschicksal helfen – Rückstände bezahlen, Schulgebühren übernehmen, helfen wir der gesamten Schule, denn dieses Geld macht vielleicht für die ganze Klasse den Unterschied aus, ob es Bücher geben wird oder Essen.

Jedes Kind hat Hilfe verdient und immer beginnt es mit – ich sehe dich.

Alles, was wir so tun, tun wir in Kilifi, gleichzeitig Stadt und Bundesstaat, einer von insgesamt 47 Bundesstaaten, Counties, in Kenia.
Kenia hat 2010 in einer Verfassungsänderung mehr auf Dezentralisierung gesetzt und das ganze Land eben in 47 halbautonome Verwaltungseinheiten geteilt. An der Spitze jeweils der Gouverneur.
Und jedes der Counties ist unterteilt in Sub-Counties und diese wiederum in Wards.

Wir sind – von klein zu groß daher mit einer Schule im Ward Kibarani und mit der anderen im Ward Tezo, beide im Subcounty Kilifi North.
Und ja, wir haben mal klein angefangen, nahe der Verwaltungshauptstadt vom County Kilifi, der Stadt Kilifi mit geschätzt derzeit 30.000 Einwohnern (Kilifi County hat ungefähr 1,1 Millionen Einwohner). Damals hieß die Gegend, in der wir behutsam mit einer Schule begonnen haben, noch Seahorse und der Name ist in der Bevölkerung nach wie vor präsent. Wenn uns also jemand mal besuchen mag und nicht so genau weiß, wohin, dann einfach sagen – Seahorse, Vonwald School.
Kilifi liegt am gleichnamigen Creek, einem Ausläufer des Indischen Ozeans, der sich 2km ins Landesinnere zieht. Und man erreicht Kilifi über eine sensationelle Brücke, 420 Meter lang und 1991 fertig gestellt.

Inzwischen haben wir aber schon so ziemlich überall in Kilifi County geholfen. Zu den Subcounties gehören noch Kilifi Süd, Rabai, Ganze, Kaloleni, Malindi und Maragarini) Und ich erinnere mich, als es vor vier Jahren die schwere Dürre gab und wir an mehr als 1200 Familien im ganzen County Essenspakete ausgeliefert haben. Da waren wir wirklich einmal in jeder Region, die Menschen kennen uns also.
In Rabai haben wir viele Jahre der ganzen Gemeinde geholfen, in Ganze ebenfalls mehreren Schulen und einzelnen Familien plus einer öffentlichen Toilette.
Echte dauerhafte Präsenz war aber eben bisher nur in Kilifi Nord, dort stehen unsere beiden eigenen Schulen und unsere Partnerschulen.
Mit der Farm in Langobaya erobern wir jetzt eine neue Gegend. Denn Langobaya gehört zum Subcounty Malindi und dort zum Bezirk/Ward Jilore. Lebensader ist hier der Sabaki River, der je nach Gegend, die er durchfließt immer wieder anders heißt, bei uns nennt man ihn auch Galana River. Und wie schon ein paarmal erwähnt, wollen wir hier mit der Farm als Zentrum auch der Gemeinde helfen. Nein, keine eigene Schule mehr, es gibt einige öffentliche hier, alle in absolut katastrophalem Zustand. Und natürlich gehen wir hier nicht einfach zu einer Schule und sagen – wir sind da. Der erste Gang ist immer zu allen örtlichen Führungskräften bis hin zum MP (Member of Parliament) der Region, das ist für Malindi eine Frau, plus Unterrichtsministerium, Jugendamt usw. Ganz viele davon werden bei unserer Feier am 23. Jänner dabei sein. Wir machen uns also wieder nützlich. Jetzt am Anfang wird es ein monatliches privates Geld von mir für die Gemeinde sein, so wie schon vor 20 Jahren in Seahorse.
Aber mal schauen, was dann daraus entsteht. Immer wieder ein neuer Anfang und immer wieder bringen wir so auch Hoffnung, dass eine Region gesehen und nicht vergessen wird.

Wir haben ja jetzt nur noch drei Klassen Highschool im alten Schulgesetz, alle anderen sind bereits im neuen Schulplan verankert und werden da natürlich auch „überprüft“. Aber anders als im alten Lehrplan kann man nicht mehr durchfallen, es geht nicht mehr darum, jungen Menschen Wege zu verbauen, sondern Türen zu öffnen. Ich habs schon oft gesagt und geschrieben – alles steht unter dem Titel „Talenteschmiede“.

Viele denken da vielleicht nur daran, haben wir tolle Sportler oder Sänger oder Tänzer bei uns. Natürlich soll auch das gefördert werden. Das Größere darüber heißt aber – wo liegen deine Begabungen. Und das durchaus auch akademisch gemeint. Du interessierst dich für Naturwissenschaften? Großartig. Dann werden wir dich in Biologie oder Chemie fördern. Deins sind eher Sprachen? Kein Thema, dann suchen wir eine Schule, die sich darauf spezialisiert hat.

Daher geht es auch bei den Prüfungen ab Mitte Oktober (gemeint sind nicht die normalen Schularbeiten, die es natürlich auch weiterhin gibt) eben nicht um gute Noten, es geht um – worin bist du gut. Und das ist durchaus auch oder sehr viel eine Herausforderung für unsere Lehrer, die nämlich genau das erkennen müssen. Und zwar in der Grundschule und Unterstufe, denn hier werden die Weichen gestellt für Highschool. Was übrigens auch die Stellung der Grundschullehrer deutlich aufwertet.

Solche Prüfungen gibt es nun in Klasse 3 (dies ist auch die Klasse, wo jedes Kind eine Registrierungsnummer ins kenianische nationale System bekommt und diese Nummer bleibt bis zum Schulschluss, spätestens dann braucht es auch endlich eine Geburtsurkunde), in Klasse 6 und in Klasse 9.

In Klasse 3 und 6 wird getestet, ob die Kinder lesen und schreiben beherrschen, das Zahlensystem, aber auch – wie gut können sie kommunizieren, wie ist ihr Sozialverhalten, können sie kritisch denken (ja, schon in den unteren Klassen gibt es Diskussionsthemen). Und auch hier gibt es Jahresprojekte, beispielsweise in Hauswirtschaft oder Basteln, Umgang mit Abfall oder Plastik, Landwirtschaft. Landwirtschaft wird überhaupt ganz groß geschrieben.

In Klasse 9 nun, die letzte Klasse der so genannten Junior High, erfolgt dann die echte Weichenstellung. Danach besuchen die Kinder entweder weiterführende Hochschulen, und zwar genau solche, die das anbieten, wo die Interessen liegen, oder aber man erlernt einen Handwerksberuf, solche Schulen heißen hier TVET (es gibt kein duales System eines Lehrberufes).

Schulen mussten sich entscheiden, wohin wollen wir uns orientieren, was wollen wir anbieten, wobei STEM verpflichtend ist.

Bei uns wird dies eben STEM sein und Sport/Performing Arts. STEM heißt Science, Technics, Engeneering und Mathe.

Science und Mathe ist klar, Technics heißt IT und Engeneering bedeutet, Grundlagen Handwerk, also durchaus Tischlern, Werken, Handarbeiten, Nähen, Kochen usw.

Unsere Schule wird keine Humanities and Social anbieten, dazu gehören Sprachen, Geographie, Geschichte. Nicht weil wir es nicht schätzen, sondern weil einfach keine Schule mehr alles schafft, denn die Anforderungen sind riesig geworden.

Für unsere Kinder bedeutet dies nach Klasse 9, also am Ende des Jahres, zwei Entscheidungen zu treffen, wobei wir hier natürlich helfen und bereits seit vielen Wochen dazu Orientierungen anbieten.

  1. Möchte ich später mal studieren, möchte ich also den akademischen Weg gehen und weitermachen mit Highschool, oder will ich gleich einen Beruf erlernen?
  2. Wenn akademisch, bleibe ich in der Vonwald-Schule oder wechsele ich in eine mit Sprachen als Schwerpunkt? In diesem Fall suchen wir unter den umliegenden sehr guten Schulen aus und sponsern dort natürlich weiter.

Und natürlich kann es dann auch sein, dass uns viele verlassen und wir die Klassen mit jungen Menschen füllen, die genau das suchen, was wir bieten. So ist die Regel, also dann zu sagen, wir schicken unsere Kids woanders hin und schließen dann die Tür, das wäre ziemlich unsozial.

Was während der gesamten Junior High, also die Klassen 7, 8 und 9, ebenfalls einen hohen Stellenwert hat, sind so genannte Projekte. Mit Mai beginnend bekommen die Kinder Projektarbeiten, die nur als Team gelöst werden können und sollen und wo auch das gesamte Team beurteilt wird. Solch ein Projekt dauert drei Monate, also das gesamte zweite Trimester, es gibt klare Kriterien für die Lehrer, wie das einzuschätzen ist, und alles muss bis 31. August in ein zentrales Register eingetragen sein. Diese Projekte machen später 20% der Gesamtbeurteilung aus. Es sind immer sehr praktische Dinge, die alle mit Umweltschutz, Handwerk, Landwirtschaft zu tun haben.

Auch bei der Matura gibt es, wenn man das als Schule so wählt und wir haben das ja schon vor Jahren gemacht (daher müssen wir verpflichtend mindestens zwei Tierarten halten), immer ein Landwirtschaftsprojekt. Mal muss man Hirse anbauen und dann alles, wirklich alles rund um Hirse erforschen und wissen. Mal Ziegen- oder Hühnerhaltung, Maisanbau oder Kasava. Das können wir nicht aussuchen, sondern es wird uns vom Unterrichtsministerium am Beginn des letzten Schuljahres vorgegeben. Dieses Jahr ging es um die Kreuzung von zwei unterschiedlichen Mangoarten.

Als Schulerhalter bereitet mir all das manchmal Kopfschmerzen, weil wir wirklich viel investieren müssen, allein an Materialien. Aber ich finde das alles so unglaublich spannend, die Kinder haben so viel Freude dabei, lernen viel fürs Leben, sind so kreativ und erarbeiten schon früh gemeinsam Dinge. Es ist wirklich ein sehr toller Lehrplan und ich bin mega gespannt, wie sich unsere Kinder am Ende dieses Jahres entscheiden werden, wer geht wohin, wer bleibt, wer kommt neu dazu.

Vor  3 Jahren kam Mr. James, der Vater meiner inzwischen fertig gewordenen persönlich gesponserten Studentin Rabecca zu uns, um uns von einem kleinen Projekt zu erzählen, das er gemeinsam mit ein paar Eltern auf die Beine gestellt hatte. Mr. James ist ein sehr umtriebiger freundlicher Mann, immer bereit, in der Community zu helfen. Und es war ihm gelungen, für eine Handvoll Eltern mit behinderten Kindern in der öffentlichen Fumbini Schule einen Raum kostenfrei zu erhalten plus vom Staat eine Lehrkraft. Ob ich es mir mal ansehen wolle. Es sei alles noch privat organisiert, die Eltern selbst bringen ein wenig Essen und Schulmaterial, aber es sei eben für diese Kinder die einzige Möglichkeit.

Und ja, ich war schwer beeindruckt. Damals gab es 6 Kinder, alle schwer behindert, eine wundervolle Lehrerin und natürlich, es fehlte überall. Man saß auf dem nackten Steinboden, keine Möbel, das Mittagessen war nicht gesichert, aber ich sah nur strahlende Gesichter.

Es gab eine erste Spende, Materialien, die angeschafft wurden, eine bunte Plastikunterlage, einen Teppich aus Sisal und seither übernehmen wir den Mittagstisch, so dass alle Kinder einmal am Tag während der Schulzeit ein warmes Essen erhalten.

Was aber noch wichtiger war, wir haben all unsere Erfahrung und unser Netzwerk benutzt, um eine offizielle Registrierung im Rahmen der normalen Fumbini-Schule zu erhalten. Nur dann gibt es nämlich auch Förderungen.

Dieses Jahr im Juni war ich wieder zu Besuch. Und kam aus dem Staunen nicht heraus. Freudestrahlend wurde mir erklärt – Registrierung ist durch, man hat drei Klassenräume bewilligt, zwei zusätzliche Lehrkräfte, die Gruppe war jetzt schon auf rund 15 angewachsen. Und alle saßen gerade friedlich beisammen und bastelten und erstellten aus Perlen kleine Kunstwerke. Die dann verkauft werden und davon wird neues Bastelmaterial angeschafft.

Manche der Kinder haben Paten, manche schaffen wahrscheinlich sogar eine Art Hauptschulabschluss. Eins der Kinder das mir besonders ans Herz gewachsen war, hat es leider nicht geschafft und den Kampf verloren, aber wir konnten den Eltern die Beerdigung zahlen und die beiden Geschwisterkinder zu uns in die Schule holen. Und alle dürfen regelmäßig zu uns auf die Schulfarm und in der Erde graben, pflanzen, bewässern und sich wertgeschätzt fühlen.

Auch hier geht es einfach darum, ihr seid nicht vergessen.

In Erinnerung an unseren kleinen Kämpfer Samuel

 

Ich sage ja immer wieder – bei uns kann man sich auch für ein Projekt im Projekt engagieren. Die Fumbini Special Unit hat gezeigt, dass sie kämpfen kann und es sich auszahlt.

Gabriela Vonwald

 

 

Gestern war es wieder einmal soweit – wir haben in einer kleinen neu adoptierten Schule an 56 Kinder Schuluniformen und Schuhe ausgegeben. Und dabei viele Menschen glücklich gemacht, neudeutsch würde man sagen – wir haben sie geboostert. Die Eltern natürlich, das ist jedem sofort klar. Ein Betrag, den sie jetzt nicht mehr selbst aufbringen müssen.

Aber wenn man sich vorher die nackten Kinderfüße angeschaut hat und dann dicke schwarze Schuhe dran, dann neigt man bei uns ja eher dazu, sich zu denken – die armen Kleinen, warum muss das sein? Ist barfuß nicht besser? Und wenn die schon alle so arm sind, sollte man das Geld nicht eher in Unterrichtsmaterial stecken und sie sollen alle im dreckigen T-Shirt kommen?

Ich erinnere mich an Erzählungen meiner Großeltern, wie es bei uns früher war. Und selbst mein Mann erzählt mir aus seiner Jugend, 6 Kinder, keine Reichtümer.

Schuhe, echte richtige Schuhe, und auch keine vom älteren Bruder oder der älteren Schwester, eigene, neu gekaufte – das war damals der Eintritt in eine neue Welt. Ab jetzt bist du Wer, ab jetzt wirst du ernst genommen.

Und in Kenia bedeutet es – jetzt erst bist du wirklich ein Schulkind. Und du zeigst deiner Umgebung, schau her, meine Eltern haben mir Schuhe und eine Schuluniform gekauft, sie nehmen lernen ernst.

Auch deshalb sehen die Kinder so stolz aus auf allen Fotos.

Und auch noch zum Thema Schuhe:

Ja, in unserer Sozialromantik klingt Barfußgehen unglaublich toll. Zurück zur Natur. In Kenia bedeutet es aber auch oft genug – Scherben oder anderes eingetreten, eine Wunde, durch die Ungeziefer eindringt, ein Arzt wird erst aufgesucht, wenn es oft zu spät ist, weil man sich den einfach nicht leisten kann. Und dann haben wir noch das Problem mit den Sandwürmern, Jigger genannt. Ich erspare euch hier die Fotos dazu.

Schuhe sind daher wichtig, sehr sogar. Und Kinderfüße in Kenia wachsen genauso schnell wie die bei uns. Und auch daher bitten wir nach Familienbesuchen immer wieder um Schuhe.

 

In meinem letzten Blog habe ich beschrieben, dass und wie wir immer wieder als große Organisation auch anderen Schulen oder Gemeinden helfen. Weil es erwartet wird, vor allem aber auch, weil es uns ein Bedürfnis ist.

Und natürlich müssen wir dann auch immer wieder mal Hilfe nach einer Weile beenden, denn immer nur mehr und mehr, das schaffen wir nicht, wollen wir auch nicht.

So werden wir, wie beschrieben, die beiden Partnerschulen Hope und Old Ferry behutsam auslaufen lassen, vor allem auch, weil sie gewachsen sind und die Starthilfe eben das war – ein Start. Irgendwann muss es allein gehen. Und andere warten.

Diese Woche haben wir auch nach 5 Jahren Hilfe Rabai auslaufen lassen. Mit einer wunderbaren Aktion – Bücher für drei öffentliche Schulen. Wir haben hier im Laufe der Zeit ein Schulgebäude, zumindest einen großen Teil davon, gebaut für eine Nursery (jetzt übernommen von einer anderen Organisation), wir haben Erste Hilfe geleistet mit Essenspaketen, wir haben ein paar hundert Kindern den Schulstart ermöglicht, wir haben Betten und Matratzen gespendet, Kleidung und Spielsachen, wir haben Mikrokredite vergeben , viele Eltern in Landwirtschaft ausgebildet und Menschen in die Selbständigkeit geholfen.

Und nun gehen wir den Schritt zurück. Ihr schafft das jetzt selbst beziehungsweise sind andere da, an die ihr euch wenden könnt. Und das werden sie sicher tun.

Und immer wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Was ihr hier seht, ist eine winzige Schule zwischen Kilifi Town und ‚Tezo. Ich habe diese Schule im Februar besucht und wir haben schon kleine Hilfe geleistet, ich hab damals spontan versprochen, 150 Euro im Monat mal auf ein Jahr, ich beobachte das. Mit den ersten 150 Euro ist dieser entzückende Spielplatz entstanden, Fotos unten, weil der Schulleiter sagt – die Kinder brauchen vor allem mal ein wenig Freude.

Das Besondere an dieser Schule, es ist das Werk eines unserer Mitarbeiter, David, der auch so großartige Dinge bei uns in der Landwirtschaft zaubert. Er hat da mit seinen Freunden (die Gruppe nennt sich nun „Friends of Gabriela“ – eine große Ehre) schon seit Jahren geholfen. Die Schule steht auf dem Land seiner Familie, sein Vater war Lehrer und diese Tradition soll weitergeführt werden. Derzeit gibt es 67 Kinder, 2 Klassen Vorschule und Klasse 1 und 2. Diese Eigeninitiative ist es, die mich begeistert. Wenn Kenianer etwas für die Gemeinde machen und nicht nur warten, dass Hilfe von irgendwo kommt. Wenn mit ganz viel Kreativität und Herzblut gearbeitet wird. David hat mich nicht angesprochen, hat um nichts gebeten, ich hab das durch Zufall über eine Familie, der wir helfen, heraus gefunden.

Und da das Geld aus Rabai jetzt frei geworden ist, können wir hier helfen. Und wenn ich immer sage – Projekte im Projekt – dann ist genau so etwas gemeint. Ich poste etwas, Menschen fühlen sich angesprochen und schreiben uns – ich würde gern genau hierfür etwas geben, hier helfen, entwickeln, geht das denn? Ja, geht. Und so haben wir Geld bekommen für genau diese Schule. In diesem Fall von unserer lieben Sarah. Und damit werden wir jetzt zaubern. Bücher, Schuluniformen, Hefte, mal ein paar Monate die Gehälter der Lehrer. Und wer mag kann sich einbringen, am besten gleich mit dem Betreff „Davids School“.

Ich denke, dies ist auch ein großes Alleinstellungsmerkmal von Harambee. Man kann bestimmen, mein Geld bitte dafür verwenden. Denn selbstverständlich nehmen wir diese Hilfen für Projekte im Projekt niemals von den normalen Patengeldern weg. Und selbstverständlich beobachten und berichten wir, selbstverständlich läuft es unter dem Dach unserer kenianischen Organisation Gapeka ab, das Geld kommt an und wird kontrolliert. Man muss also nicht unbedingt eine eigene Organisation vor Ort aufbauen, Menschen, die man nicht kennt, Gesetze, die man nicht kennt, um eigenständig dabei zu sein. Nur mal als Idee;-))

Also – Davids Schule. David ist überwältigt und legt Extraschichten ein und er wird der große Held seiner Gemeinde sein, was ich besonders schön finde. Nicht wir sind die Helden, auch das ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Hier noch Impressionen vom neuen Spielplatz.

Die Schule heißt natürlich „in echt“ nicht Davids Schule, sondern „Minara School“

 

 

Und wohin fließt eigentlich unsere Hilfe? Welche Projekte?

Zugegeben, da wir nicht nur die eine Schule „haben“ oder unterstützen, ist es manchmal etwas schwierig, den Überblick zu bewahren. Paten interessiert ja meistens nur – mein Kind besucht diese Schule – aber alle anderen, die vielleicht verschiedene Projekte sponsern, interessiert auch, was gibt es denn noch? Harambee ist ja inzwischen weit mehr als „nur“ die Vonwald-Schule.

Ich fange mal mit dem großen Überblick an und dem „Warum“. Warum beschränken wir uns nicht nur darauf, Kinder in einer, vielleicht jetzt in zwei Vonwald-Schulen zu unterrichten? Warum immer wieder der Blick über den Tellerrand?

Die Antwort ist zunächst einmal eine ganz persönliche. Ich selbst bin viele Wochen im Jahr vor Ort. Ich bin sehr gut vernetzt, man legt mir Härtefälle auf den Tisch, ich werde eingeladen, schau dir dies an und jenes, kannst du hier helfen, was tun. Und ja, von weitem, auf der Coach sitzend, kann man dann leicht sagen – du müsstest ja nicht. Wenn aber die Menschen vor dir stehen und du in ihren Augen das Vertrauen siehst, die Hoffnung, dann ist das Nein schwerer als Blei. Und oft sind es schon 100 Euro, die einfach Hoffnung geben und Menschen anspornen, selbst aktiv zu werden. Wir wurden gesehen, nicht vergessen. Das ist wichtig.

Wir wechseln diese Hilfe auch immer mal wieder, denn es geht nicht darum, Menschen jahrzehntelang in Abhängigkeit zu halten. Monatliche regelmäßige Hilfe verspreche ich daher immer nur für ein Jahr, dann sehen wir weiter. So wie für das Rescue Center von Mr. William, wo Kinder, die aus Familien akut herausgenommen werden müssen per Gerichtsbeschluss, ein vorübergehendes Zuhause finden. Oder wie eine Gemeinde im District Rabai, die ausschließlich für das Thema Schulbildung einen monatlichen Betrag bekommt, der dann demokratisch verwaltet und entschieden wird, was damit passiert. Derzeit haben wir das Geld aus 4 Monaten genommen, um drei öffentliche Schulen mit Büchern auszustatten. All das sind Freie Spenden bzw. privates eigenes Geld, man darf sich aber gern gezielt beteiligen oder sogar diese Projekte im Projekt betreuen. Sehr gern. Manche wollen ja gern „was Eigenes“, was immer das oft heißen soll.

Neben dem persönlichen „nicht-wegschauen-können“ geht es aber für uns als inzwischen sehr große Organisation auch darum, umfassender zu helfen als nur hinter geschlossenen Schultoren. Es wird erwartet. Von diversen Autoritäten, und damit meine ich nicht Regierungen, sondern auch Dorfälteste, Familienoberhäupter, Schulen. Wenn wir tatsächlich Teil der Community sein wollen, müssen wir uns kümmern. Oftmals Erste Hilfe leisten. Es wird erwartet, dass wir uns an Beerdigungen beteiligen von Angestellten oder Eltern unserer Kinder, Spitalsrechnungen zahlen oder Operationen, in Dürrezeiten Wasser oder Nahrung spenden. Zum Nein-Sagen sind wir zu groß und zu lange dabei.

Aus diesem Grund gibt es auch nicht nur die beiden Vonwald-Schulen, eine direkt in Kilifi Town, die andere 30 Minuten entfernt in Tezo, sondern wir unterstützen über Patenschaften auch noch die HOPE Schule und die Schule OLD FERRY. Und derzeit mit ungefähr 40 weiteren Kindern ein paar öffentliche Schulen im Umkreis bzw. Spezialeinrichtungen für behinderte Kinder.

Die beiden Schulen HOPE und OLD FERRY sind dabei Modelle, die langsam auslaufen werden. Old Ferry, weil die Schule derzeit schon halbstaatlich ist, die Registrierung voranschreitet und es mehr und mehr Hilfe von der Regierung gibt und geben wird. Hier heißt es einfach, wir nehmen von unten keine neuen Kinder mehr dazu.

HOPE wird ebenfalls auslaufen, wir haben hier jahrelang geholfen, die Schule hat sich sehr gut entwickelt, ich bin aber nicht mehr mit allem so einverstanden, der Besitzer geht mir etwas zu viel in Richtung Business, das war nicht ausgemacht. Da diese Schule tatsächlich unser Nachbar ist, wir mit diesen Kindern auch bereits viel gemeinsam unternommen haben, wechseln in den nächsten zwei Jahren viele zu uns und auch hier nehmen wir keine neuen mehr auf. Beides dient auch dazu, dass sich Schulen oder Institutionen nicht abhängig machen von uns. Du hast den Start bekommen und viele Jahre Unterstützung, jetzt schaff es allein. Und das werden sie, da bin ich sicher. Und vielleicht wird es dann mal in paar Jahre eine ganz andere Schule, die wir beim Aufbau unterstützen, wer weiß.

Und auch innerhalb unseres ursprünglichen Projektes, die Vonwald- Schulen, gibt es noch die Landwirtschaft. Zuerst als kleine Schulfarm angelegt, dann Schulung von Eltern, und jetzt unter dem eigenen Titel SAKI – Sustainable Agriculture Kilifi – auch die 60.000m2 Ackerland in Langobaya. Hier sollen irgendwann mal nicht nur ein großer Teil des Schulessens produziert werden, sondern  Menschen sollen hier auch Arbeit finden in der Landwirtschaft.

Es geht also immer darum – hinschauen, über den eigenen Tellerrand hinaus, helfen, wo Hilfe gebraucht wird, als Booster, als Startschuss, aber auch rechtzeitig wieder loslassen, damit Menschen es aus eigener Kraft schaffen. Und überlegen, was wird in Zukunft wichtig sein, nicht nur in einem Jahr, in fünf Jahren, sondern für die nächste Generation.

Gabriela Vonwald

 

 

Harambee oder Gapeka, wie wir in Kenia heißen, ist ja schon lange viel mehr als nur Schule. Es gibt zwei eigene Schulen, wo wir Schulerhalter sind, also auch alle Gehälter zahlen müssen, es gibt zwei Hybrid/Partnerschulen, wo wir einen bestimmten Betrag monatlich überweisen, damit die Schule mit diesem Geld kalkulieren und wachsen kann, ebenfalls über Patenschaften.

Daneben haben wir immer schon Augenmerk gelegt auf das Thema Landwirtschaft, wirtschaftliches Empowerment unserer Eltern und Gemeindemitglieder, Erste Hilfe in Form von Essenspaketen, Kleidung, Decken, es gibt einzelne kleine Projekte (oder auch größere) für die sich einzelne Paten verantwortlich fühlen, beispielsweise die Essensverteilung an „meiner“ Kirche einmal im Monat an Bedürftige, die komplett von meinem Mann finanziert wird. Oder jetzt das große Projekt Landwirtschaft in Langobaya, das sich unsere liebe Sarah ein wenig zu ihrem Fußabdruck erkoren hat.

Wir haben als Gapeka schon öffentliche Toiletten gebaut, Wasserleitungen verlegt, Wassertanks aufgestellt oder Hütten gebaut.

Das alles versteht man sicher, und wo immer es irgendwo fehlt, wo es sich dann doch nicht ausgeht, da springe ich ganz oft mit eigenem Geld ein.

Und dann gibt es noch – sicher manchmal verwirrend – so Dinge, die ich praktisch als Privatperson unterstütze. Zumindest tue ich das immer solange, bis ich weiß, ja, das wird was, da versenke ich kein Geld, das sollten wir fortsetzen. Dann bringe ich es manchmal vor den Vorhang, rede mehr darüber und lasse alle anderen teilhaben, in der Hoffnung, dass sich vielleicht andere finden, die dies gemeinsam mit mir zu „ihrem“ Fußabdruck machen.

Warum so herum und nicht gleich groß und öffentlich?

Ich möchte erst einmal ausloten, ob die Hilfe die richtige ist. Und – ich möchte vermeiden, dass Menschen, denn das ist leider manchmal der Charakter, von einer Blume zur nächsten fliegen, weil das jetzt gerade noch schöner klingt. Ich möchte vor allem auch vermeiden, dass Geld in unserer Basisarbeit dann fehlt. Also man unterstützt ein Projekt, den Schulausflug vom eigenen Patenkind kann man aber nicht zahlen. Oder die teurer werdende Schulgebühr.

Daher bleibt vieles offiziell einfach mal „mein Privatvergnügen“.

Angefangen hat es mit meinen Geburtstagskindern. Statt einer Party hier, statt Geschenken, schicke ich seit Jahren immer 20 Kinder, die nicht unserem Projekt angehören, Kinder aus sehr armen Randgebieten, für ein Jahr in die Schule. Heißt – Schuluniform, Schuhe, Schultasche, Hefte und ein Jahr die Schulgebühr. Keine Patenschaften, keine Finanzierung bis zum Ende der Schulzeit, kein Datenblatt und nur ein Jahr als Hoffnung für die Eltern, ihr wurdet nicht übersehen, nehmt es als Beginn von etwas, danach seid ihr gefragt.Und an Silvester, meinem Geburtstag, gibt es Torte und alle feiern mich.

Dann kam Rabai. Hier habe ich 2019 angefangen mit einer kleinen Vorschule, weil unserer damaliger CEO mir in den Ohren lag, so eine arme Gegend, so liebe Menschen, diese Vorschule ist so unbedingt notwendig, weil es sonst nichts gibt usw. Leider war vieles gelogen. Erstens gibt es überhaupt keinen Bedarf für diese Schule, es gibt in Gehdistanz drei gute öffentliche Schulen, zweitens war es ein Familienprojekt und es profitierten auch nur Familienmitglieder des damaligen CEO, ob es nun Gehälter waren oder die Tatsache, dass nur Kinder aus dem Großfamilienverband bevorzugt wurden. Noch während ich nachgedacht habe, wie man es anders machen könnte, grätschte ein deutscher Verein hinein und erhält bis heute mit Hilfe einer mafiösen Struktur genannt Huamwenga eine unglaubliche Korruption am Leben. Aber, es gibt rund 800 Familien, die leiden, die wirklich arm sind, die nichts dafür können und die mir ans Herz gewachsen sind.

Also kam 2023 dann das neue Konzept, ich zahle euch 800 Euro monatlich, ihr entscheidet demokratisch in der Gemeinde, welche Familie kommt diesen Monat dran, das Ziel, alle Familien können zumindest ein Kind zur Schule schicken. Auch hier, mein Geld, keine Patenschaften, keine unendliche Hilfe, sondern eine Initialzündung, ich transportiere sozusagen Hoffnung. Und es läuft so erstaunlich gut, dass ich hier mit Sicherheit weiter mache, vielleicht möchte ja jemand da draußen mit mir Rabai unterstützen.

Dann vor einem Jahr, Besuch im „Rescue Center“ in Kilifi, geleitet und aufgebaut von einem sehr charismatischen Mann, Mr. William. Hier finden Kinder, die per Gerichtsbeschluss kurzfristig untergebracht werden müssen, Gewalt in der Familie ist meistens der Grund, für bis zu 6 Monaten ein Zuhause. Manchmal findet man auch Säuglinge, die ausgesetzt wurden, Kinder, wo die Familienverhältnisse unklar sind, viele berührende Geschichten. Auch William bekommt von mir 800 Euro monatlich, eigentlich würde die Aktion jetzt im Februar auslaufen, aber ich hab  mal ein Jahr drangehängt. Auch hier – falls sich jemand angesprochen fühlt und hier seinen Fußabdruck der Menschlichkeit hinterlassen mag, sehr gern.

Und jetzt, ganz neu seit Weihnachten, 2 Familien, die mir unser Landwirtschafts-Officer David ans Herz gelegt hatte. Darüber hatte ich ja im letzten Blog geschrieben, „Friends For Friends“. Ich hab mich spontan beteiligt, sie haben sich jetzt umbenannt in „Friends of Gabriela“. Wir haben jetzt mal viele der Kinder aus beiden Familien in die Schule geschickt, mit einer Sammlung entsteht für die eine Familie eine neue Hütte, der Vater bekam medizinische Hilfe und eine Brille, der anderen Familie, gesegnet mit zwei Kindern mit Mikroenzephalie, haben wir den noch fehlenden Rest auf ein eigenes Grundstück gezahlt und hier werden wir helfen, ein kleines Landwirtschaftsprojekt ins Leben zu rufen, damit diese überaus sympathische Familie sich selbst versorgen kann – Wassertank, Saatgut, Unterricht. Auch hier kann man helfen, ich komme in Kürze mit konkreten Wünschen. Und hier werden Davids Freunde, die jetzt meine sind, ein engmaschiges Monitoring betreiben, Elternerziehung, Hygiene, tut etwas und überlasst euch nicht nur eurem Schicksal.

Alle diese Eigenmächtigkeiten mache ich, weil ich nicht wegschauen kann, weil ich aber Spendengelder zunächst einmal schützen möchte, bis ich weiß, ja, falls es schief geht, ist es nur mein Geld. Und weil ich auf keinen Fall Hilfe einfach verschieben will. Das Wichtigste von Harambee sind die beiden Vonwald-Schulen. Aber ich schaue gern über den Tellerrand, und falls jemand sagt, das wäre genau meins – herzlich Willkommen, es gibt immer genug zu tun.

Gabriela Vonwald