Geht es Ihnen auch so? Mir kommt manchmal vor, die heutige Welt ist auf ein paar Schlagworte geschrumpft, jeder verwendet sie, jeder hört sie und niemand hinterfragt sie.

Nachhaltigkeit ist so ein Wort.

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und bedeutet im Grunde – nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt. Bäume wachsen langsam, man sollte also nie mehr abholzen, als nachwachsen kann.

Heute verwenden wir Nachhaltigkeit überall, in Bezug auf Umweltschutz, Klimakrise, Landwirtschaft und soziales Miteinander. Und ja, auch Hilfsorganisationen benutzen ihn, vor allem, wenn sie mit Landwirtschaftsprojekten befasst sind. Hier bedeutet Nachhaltigkeit vor allem, sorgsam mit den Ressourcen dieses Planeten umzugehen, eine Verteilungsgerechtigkeit anzustreben und dem Boden nicht so viel zu entziehen, dass kommende Generationen nichts mehr übrig haben.

Auch wir bemühen uns um Nachhaltigkeit. Indem wir beispielsweise den Boden nicht auslaugen, sondern kluge Pflanzenkombinationen machen. Ich bin selbst ein Farmkind, aufgewachsen auf dem Bauernhof meiner Großeltern. Damals gab es die sogenannte Drei-Felder-Wirtschaft – ein Jahr Getreide, ein Jahr Kartoffeln, ein Jahr ließ man das Vieh drauf weiden. Etwas ganz Ähnliches versuchen wir in Kenia auf unserer Farm in Langobaya. Und bezüglich des sozialen Miteinanders – die gesamte umliegende Gemeinde profitiert. Schulessen, helfende Hände, die sich etwas verdienen können, nicht als Almosen, sondern als Teil der Ernte. Vor allem aber, wir bilden Menschen aus, wie sie das ebenfalls hinbekommen.

Und damit sind wir beim zweiten Schlagwort – Hilfe zur Selbsthilfe.

Wir alle kennen den Spruch mit den Fischen. Nicht Fische geben, sondern das Fischen lehren.

So viele Organisationen haben diesen Spruch im Portfolio und so selten wird tatsächlich so gearbeitet. Natürlich bedeutet Schulbildung auch, dass irgendwann mal die Gemeinde ein paar gut ausgebildete junge Menschen in ihrem Kreis haben wird. Menschen mit Einkommen und damit heraus aus der Armut. Zumindest hofft man das.

Falls das Kind durchhält. Falls es später einen Arbeitsplatz bekommt. Falls die Gemeinde sich ein Beispiel daran nimmt und sich wirklich etwas ändert. Nur – das allein ist alles andere als Hilfe zur Selbsthilfe.

Denn es ist weiterhin – du bekommst alles gratis und musst selbst nichts tun. Nicht einmal umdenken.

Hilfe zur Selbsthilfe, wie wir es in Harambee verstehen, ist immer auch eine Forderung an die Empfänger – aufstehen, mittun, lernen, sich entwickeln.

Das beginnt damit, dass wir von unseren Eltern sehr wohl auch etwas verlangen. Was nicht immer bei allen klappt und die Kinder sollen natürlich nicht unter ihren Eltern leiden. Aber wir sind da gebetsmühlenartig unterwegs und lassen seit 20 Jahren nicht nach.

Saubere Schuluniformen, zu den Sprechtagen kommen, Feuerholz bringen. Ab 2026 verlangen wir einen kleinen Beitrag zum Schulessen.

Immer wieder die Frage – du kommst mit einem Plan, einem Wunsch an uns – was genau kannst und wirst du selbst leisten?

Hilfe zur Selbsthilfe heißt für mich außerdem nicht, dass Veränderung erst in einer fernen Zukunft geschehen wird. Wenn ich heute Familienbesuche mache, weiß ich, wer arbeitet wirklich mit an einer Verbesserung seines Lebens und wer nicht. Wer ist schon länger im Projekt und entwickelt bereits ein anderes Mindset.

Auch hier hilft die Landwirtschaft. Wir zeigen dir, wie es gehen könnte. Ganz individuell, selbst dann, wenn du nur einen Küchengarten hast. Gern auch mit einem kleinen Mikrokredit. Aber dann bist du gefragt. Die Arbeit machen wir nicht für dich.

Gerade erst haben wir einer alleinerziehenden Mutter Wasser auf ihr Grundstück geleitet. Jetzt kann sie das Farming betreiben, mit dem sie dann hoffentlich ihre zwei Buben besser durchbringen wird. Denn immer neue Essenspakete sind auf Dauer genau nicht nachhaltig und keine Hilfe zur Selbsthilfe.

Und für die größte Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe sorgen die Kinder selbst, die das, was sie bei uns lernen – und damit ist nicht Mathe und Englisch gemeint – nach Hause tragen und es dort den Eltern beibringen. Und das ist in erster Linie, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Leben.

Ein paar Jahre zurück habe ich in Langobaya, das ist ungefähr 40 Minuten von uns entfernt Richtung Malindi, Land gekauft, recht viel Land, noch nicht wissend, was wir damit jemals machen werden. Es gab aber damals eine Aktion, wo sozusagen Grundstücke verschleudert wurden, und so hab ich mit meinem privatem Geld, aber wie immer dem Projekt überschrieben, 8 Acre Land gekauft. Das sind ungefähr 32.000 Quadratmeter. Das Land grenzt an einen kleinen Fluss, sehr idyllisch, und dann – hab ich es einfach vergessen.

Bis vor ein paar Monaten. 

Was machen wir damit? Sollen wir es verkaufen? Alles oder nur einen Teil? Derzeit ist ein Acre soviel Wert wie damals alles zusammen, also ein gutes Geschäft. Andererseits, könnten wir es für irgendwas brauchen? Wenigstens einen Teil?

Nun, unser David, zuständig für alles rund um das Thema Landwirtschaft und „Empowerment“ unserer Eltern, ist sofort aufgesprungen. Es wäre einfach großartig, wenn wir hier Landwirtschaft im großen Stil treiben könnten, mit Eltern, die sich damit ein Leben aufbauen, mit Überschuss für die Schulküche, mit der Versorgung anderer Mütter, die kleine Kioske für Gemüse haben usw.

Denn das Gute ist eben – wir wären hier nicht von Regen abhängig, es würde nur eine guten Pumpe brauchen und man könnte das Wasser zur Bewässerung einfach aus dem Fluss nehmen.

Mein Einwand, dass es zu weit ist, um es ständig zu überwachen, dass uns die Ernte gestohlen würde, bevor wir auch nur reagieren könnten, wurde damit beantwortet, dass wir eine Hütte bauen, dass immer abwechselnd Woche für Woche andere, die am Projekt teilnehmen, dort leben, dass die Community informiert wird, die Polizei usw. Und dass wir es doch mal mit 2 acre versuchen könnten.

David hat also eine Kalkulation gemacht, meine Bedingung war, ich möchte die Ernsthaftigkeit unserer Eltern, die dabei sein wollen, bewiesen haben, indem jeder auch was in den Topf zahlt und indem alle mal roden und das Land vorbereiten.

Und jetzt ist es soweit.

Wir haben eine Pumpe angeschafft, Solar betrieben, Pipelines gelegt, das Grundstück ist gerodet, eine Hütte wurde gebaut und die Familien wechseln sich ab. Alle wurden vorher eingehend von David geschult.

Nächste Woche wird gepflanzt und gesät.

Wenn man Menschen Fisch gibt, haben sie wenige Tage zu essen, wenn man sie lehrt zu fischen, haben sie lange etwas. Aber – sie brauchen auch ein Netz, vielleicht auch ein Boot. Und daher – um Landwirtschaft wirklich zu betreiben, kann man Menschen nicht nur mit einer Gießkanne losschicken.

Hier mal einige Fotos dazu und ich bin sehr sehr gespannt.

Gabriela Vonwald

Eine unserer erfolgreichen Mamas. Mit dem ersten Mikrokredit über 70 Euro hat sie sich ein Business aufgebaut und verkauft jetzt Feuerholz. Der Kredit ist vollständig zurückgezahlt, jetzt möchte sie ihre Aktivitäten ausweiten und hat dafür von uns einen weiteren Mikrokredit über 100 Euro bekommen.

Natürlich inklusive Beratung durch unseren Mitarbeiter Mr. David, der den Eltern hilft, ihr Business auf solide Beine zu stellen. Jetzt möchte sie Danke sagen – für die Hilfe, die sie durch Eure Spenden erhalten hat und die ihr Leben nachhaltig verbessern wird, weil sie nun allein für ihre Familie sorgen kann ohne auf Almosen angewiesen zu sein.

Zum Weltfrauentag – die Mama von unserem Schüler Baraka.

Sie verkauft Obst und Gemüse, um die Familie mit den 5 Kindern durchzubringen. Frauen wie Mama Baraka möchten wir mit Mikrokrediten und Beratung unterstützen, um ihr Geschäft solide und zukunftssicher aufzubauen.

Mama Baraka braucht zum Beispiel einen Mikrokredit über 50 Euro für ihren Gemüsekiosk. Wir freuen uns immer über Spenden mit dem Verwendungszweck „Mikrokredite“ – damit wir noch mehr Familien und vor allem Müttern helfen können, selbst für sich sorgen zu können.

Nachdem alle Familien aus dem Projekt unsere landwirtschaftliche Arbeit am Schulgelände besichtigt und sich haben erklären lassen, worum es geht, konnten sich die Familien melden, die das ernsthaft machen wollen. Die erste Familie die wir mit Landwirtschaft als Business unterstützt haben, ist die von Mr. Kalama.

Er wohnt „weit draußen“ Richtung ehemalige Dorfschule. Neben den eigenen Kindern sorgt er noch für die Kinder seiner verstorbenen Schwester. Seine Frau ist eine Lehrerin ohne Arbeit.

Sein Wille, etwas in seinem und vor allem dem Leben seiner Kinder zu verändern (er geht auch ständig zu Elternsprechstunden) ist beeindruckend. Als er sich vor zwei Jahren an uns gewandt hat, war er verzweifelt. Schaffte es kaum, eine einzige Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, hatte große Probleme alle seine Kinder in die Schule zu schicken. Dabei hatte er jedoch eine Vision, ein Ziel – alles, was ihm fehlte, war eine Starthilfe. Die bekam er von uns – wir finanzierten ihm einen Wasseranschluss (und deckten das Dach seiner Hütte neu). Fließend Wasser, für uns keine große Sache. Für Mr. Kalama der große Unterschied zwischen dramatischer Armut und der Möglichkeit, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Heute baut er erfolgreich eine Vielzahl an Gemüsekulturen an, außerdem Kassava, Mais, Kürbisse, Bananen. Er schafft es, seine große Familie mit drei frischen Mahlzeiten satt zu machen und hat genug Überschüsse, um ein kleines Einkommen zu erzielen und seine Familie selbst zu versorgen. Die ganze Familie schaut jetzt positiv in die Zukunft. Aber Mr. Kalama lässt nicht nach, er möchte seine Kinder auch unterstützen, wenn sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen – er möchte seine kleine Landwirtschaft weiter ausbauen.

Dafür hat er nun von uns einen Wassertank bekommen (Fassvermögen 500 Liter), welcher ihm hilft über Dürrezeiten zu kommen. Er kann nun auch in Trockenzeiten seine Pflanzen zuverlässig bewässern und so seine Familie rund ums Jahr mit seiner Landwirtschaft versorgen.

Die Hälfte davon hat Mr. Kalama als Mikrokredit erhalten, die andere Hälfte haben wir ihm geschenkt. Wenn der Mikrokredit zurück gezahlt wird, wird das Geld an anderer Stelle erneut als Mikrokredit eingesetzt.

Bei unserem Tun und Helfen geht es seit Jahren auch schon darum – „Tue Gutes und rede darüber“. Kenianer lieben außerdem Eröffnungen und Zeremonien, das passt also gut zusammen.
Gestern gab es daher in einer feierlichen Zeremonie mit unter anderem auch den Dorfältesten, die Eröffnung des Wassertanks für Mr. Kalama.
Da wir für Familie Kalama ja schon mehr getan haben, wurde sogar ein kleines einfaches „Denkmal“ errichtet.

Auf den folgenden Fotos sieht man Mr.Kalamas Landwirtschaft, ihn und seine Familie sowie unseren landwirtschaftlichen Berater, Mr.Kalama mit dem Tank direkt nachdem er ankam und schließlich Den Tank und das Denkmal inmitten der Feierlichkeiten.

Vielen Dank für alle die für Mr. Kalama und seinen Wassertank gespendet haben!

Heute möchte ich mit dir einfach eine kleine Erfolgsstory teilen: es geht um Juliette, eine Schülerin von uns.
Als es vor drei Jahren darum ging, unsere Schule oder eine andere, wollte sie in eine andere. Wir fragten, warum. Nicht weil unsere Schule schlecht sei, im Gegenteil, aber wir hatten damals noch kein Boarding und sie wolle auf keinen Fall zuhause schlafen, dort könne sie nicht lernen. Warum? Ihre Mama verkaufte zuhause Palmwein, ständig hingen irgendwelche betrunkenen Typen herum, die Mutter selbst trank mit.

Wir redeten mit der Mutter und boten ihr zwei Möglichkeiten an. Erstens, Sie macht weiter mit dem Geschäft, aber nicht zuhause. Oder Zweitens, sie macht mit unserer Unterstützung was anderes. Sie wollte was anderes machen, ihren Kindern zuliebe und zwar Fisch verkaufen. Wir besorgten mir ihr die nötigen Utensilien (die Box, die Pfanne, um die Fische zu grillen, die Fische selbst) Alles als Mikrokredit, den sie inzwischen schon längst zurück gezahlt hat. Inzwischen verkauft sie zusätzlich Mahambris und hat ihr kleines Auskommen.

Vor zwei Jahren dann bauten wir unseren Mädchenschlafsaal. Hände hoch an die Mädchen, wer möchte hier schlafen, wer kann zuhause nicht schlafen? Viele Hände gingen nach oben, nur Juliette nicht. Auf unsere Frage: „Ihr habt mein Problem ja gelöst, meine Mama und ich können gut leben, wir haben Frieden zuhause, daher brauche ich den Schlafplatz nicht mehr, es soll ihn ein Mädchen bekommen, das nicht so viel Glück hat.“

Unsere erfolgreichen Mikrokredite führen wir 2017 mit einem zweijährigen Förderprogramm Mikrokredite fort – die Kreditnehmer erhalten dabei nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Coaching und Mentoring, um eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation zu erreichen.

Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie uns bei diesem Projekt unterstützen möchten!

Mehr zum Programm hier auf unserer Webseite: Förderprogramm Mikrokredite.

Heute morgen wurden die ersten neuen Schuluniformen ausgeteilt, und die Kids waren so aufgeregt, ob für sie wohl auch eine dabei ist, oder ob sie die alte vom Vorjahr auftragen müssen. Nun – hier kann ich es ja verraten, es bekommen alle eine, unsere Schneiderei arbeitet auf Hochtouren.

Und das ist die zweite erfreuliche Nachricht, diesmal sponsern wir mit unserem Spendengeld unsere eigenen Schneiderinnen.

Insider erinnern sich, dass wir inzwischen einigen Mamas (und einem Papa) die Ausbildung finanziert haben und sich nun insgesamt 5 Personen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengetan hatten. Wir haben einen Raum angemietet, Mikrokredite gegeben und ein riesiges Paket mit Erstausstattung hinunter geschickt. Dazu vor Ort Nähmaschinen gekauft. Und jetzt nähen unsere Schneider unsere Schuluniformen und können damit Kredite zurückzahlen, Geschäftsmiete und ihre Familie ernähren. Ist das nicht ein schöner Kreislauf? Wie das dann so aussieht, ein paar Fotos sieht man auf unserer offenen Facebookseite.

 

Gerade erreicht mich aus Kenia eine berührende Geschichte, die viel über unsere Arbeit sagt, viel über Nachhaltigkeit, und mit wie wenig man etwas bewirken kann.

Die Mama eines unserer Kinder, Mrs. Kalume, kam zu uns, ob wir ihr wohl auch einen Mikrokredit geben könnten. Gewünschter Betrag, Euro 25,- Schon nach einer Woche fing sie mit der Rückzahlung an, nach zwei Wochen war alles bezahlt. Sie fragte um etwas mehr, Euro 50,-. Wieder begann sie sofort mit der Rückzahlung, nach zwei Monaten war alles erledigt. Der nächste Kredit jetzt Euro 100,- und auch davon ist schon wieder ein großer Teil abgezahlt.

Heute hat sie unsere Mitarbeiter auf ihre shamba, ihr Grundstück, eingeladen. Und stolz gezeigt, was sie da gezaubert hat, die erste Gemüseernte. Sie sagt, wir hätten ihr Leben verändert und richtet allen, die daran beteiligt waren, ganz herzliche Grüße aus.

Fotos stelle ich auf die offene Facebookseite, schaut doch mal.