Geht es Ihnen auch so? Mir kommt manchmal vor, die heutige Welt ist auf ein paar Schlagworte geschrumpft, jeder verwendet sie, jeder hört sie und niemand hinterfragt sie.

Nachhaltigkeit ist so ein Wort.

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und bedeutet im Grunde – nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt. Bäume wachsen langsam, man sollte also nie mehr abholzen, als nachwachsen kann.

Heute verwenden wir Nachhaltigkeit überall, in Bezug auf Umweltschutz, Klimakrise, Landwirtschaft und soziales Miteinander. Und ja, auch Hilfsorganisationen benutzen ihn, vor allem, wenn sie mit Landwirtschaftsprojekten befasst sind. Hier bedeutet Nachhaltigkeit vor allem, sorgsam mit den Ressourcen dieses Planeten umzugehen, eine Verteilungsgerechtigkeit anzustreben und dem Boden nicht so viel zu entziehen, dass kommende Generationen nichts mehr übrig haben.

Auch wir bemühen uns um Nachhaltigkeit. Indem wir beispielsweise den Boden nicht auslaugen, sondern kluge Pflanzenkombinationen machen. Ich bin selbst ein Farmkind, aufgewachsen auf dem Bauernhof meiner Großeltern. Damals gab es die sogenannte Drei-Felder-Wirtschaft – ein Jahr Getreide, ein Jahr Kartoffeln, ein Jahr ließ man das Vieh drauf weiden. Etwas ganz Ähnliches versuchen wir in Kenia auf unserer Farm in Langobaya. Und bezüglich des sozialen Miteinanders – die gesamte umliegende Gemeinde profitiert. Schulessen, helfende Hände, die sich etwas verdienen können, nicht als Almosen, sondern als Teil der Ernte. Vor allem aber, wir bilden Menschen aus, wie sie das ebenfalls hinbekommen.

Und damit sind wir beim zweiten Schlagwort – Hilfe zur Selbsthilfe.

Wir alle kennen den Spruch mit den Fischen. Nicht Fische geben, sondern das Fischen lehren.

So viele Organisationen haben diesen Spruch im Portfolio und so selten wird tatsächlich so gearbeitet. Natürlich bedeutet Schulbildung auch, dass irgendwann mal die Gemeinde ein paar gut ausgebildete junge Menschen in ihrem Kreis haben wird. Menschen mit Einkommen und damit heraus aus der Armut. Zumindest hofft man das.

Falls das Kind durchhält. Falls es später einen Arbeitsplatz bekommt. Falls die Gemeinde sich ein Beispiel daran nimmt und sich wirklich etwas ändert. Nur – das allein ist alles andere als Hilfe zur Selbsthilfe.

Denn es ist weiterhin – du bekommst alles gratis und musst selbst nichts tun. Nicht einmal umdenken.

Hilfe zur Selbsthilfe, wie wir es in Harambee verstehen, ist immer auch eine Forderung an die Empfänger – aufstehen, mittun, lernen, sich entwickeln.

Das beginnt damit, dass wir von unseren Eltern sehr wohl auch etwas verlangen. Was nicht immer bei allen klappt und die Kinder sollen natürlich nicht unter ihren Eltern leiden. Aber wir sind da gebetsmühlenartig unterwegs und lassen seit 20 Jahren nicht nach.

Saubere Schuluniformen, zu den Sprechtagen kommen, Feuerholz bringen. Ab 2026 verlangen wir einen kleinen Beitrag zum Schulessen.

Immer wieder die Frage – du kommst mit einem Plan, einem Wunsch an uns – was genau kannst und wirst du selbst leisten?

Hilfe zur Selbsthilfe heißt für mich außerdem nicht, dass Veränderung erst in einer fernen Zukunft geschehen wird. Wenn ich heute Familienbesuche mache, weiß ich, wer arbeitet wirklich mit an einer Verbesserung seines Lebens und wer nicht. Wer ist schon länger im Projekt und entwickelt bereits ein anderes Mindset.

Auch hier hilft die Landwirtschaft. Wir zeigen dir, wie es gehen könnte. Ganz individuell, selbst dann, wenn du nur einen Küchengarten hast. Gern auch mit einem kleinen Mikrokredit. Aber dann bist du gefragt. Die Arbeit machen wir nicht für dich.

Gerade erst haben wir einer alleinerziehenden Mutter Wasser auf ihr Grundstück geleitet. Jetzt kann sie das Farming betreiben, mit dem sie dann hoffentlich ihre zwei Buben besser durchbringen wird. Denn immer neue Essenspakete sind auf Dauer genau nicht nachhaltig und keine Hilfe zur Selbsthilfe.

Und für die größte Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe sorgen die Kinder selbst, die das, was sie bei uns lernen – und damit ist nicht Mathe und Englisch gemeint – nach Hause tragen und es dort den Eltern beibringen. Und das ist in erster Linie, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Leben.

In einer Patenschaft ist ja bei uns nicht nur alles rund um den Schulbesuch plus mindestens eine warme Mahlzeit in externen Schulen, mindestens zwei in unseren beiden Schulen abgedeckt, sondern auch – wie ich es immer beschreibe – eine Basisabsicherung im Krankheitsfall. Und ganz oft werde ich, teilweise auch von anderen Organisationen und Vereinen, gefragt, wie geht das? Gibt es denn eine Krankenversicherung für die Kinder?
Nun, leider ist es nicht mehr so leicht. Ja, die gab es früher mal auf einfache Weise und wir hatten schon seit Jahren alle unsere Kinder dort registriert. Eine staatlich geförderte Versicherung für alle Menschen in Kenia. Die gibt es auch heute noch. Wer von seinem Arbeitgeber ordnungsgemäß beschäftigt wird, ist dort auch automatisch versichert und mit ihm/ihr die Kinder. Der Arbeitgeber nimmt es vom Bruttogehalt und legt seinen Anteil dazu, ganz wie bei uns auch.
Nur – solch ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis, wie wir es für alle unsere mehr als 120 Mitarbeiter/innen haben, existiert in Kenia nur in wirklich großen Firmen, in internationalen, nicht einmal überall im Staatsdienst. Hier wurstelt man sich lieber mit Praktika durch, für die man dann weder Steuern noch Versicherung zahlen muss. Und dabei sind viele sehr erfinderisch. Oft bekommt man auf Nachfrage die Antwort, klar, ist ordentlich bei uns beschäftigt. Weil man damit meint, nicht nur Tagelöhner, sondern er/sie bekommt sein/ihr Gehalt regelmäßig jeden Monat. Aber Steuern? Versicherungsleistung (die ja auch bei Mutterschutz oder Pension greift)? Fehlanzeige.
Natürlich kann sich jeder auf Wunsch selbst versichern, nur, das ist teuer. Macht also niemand. Man betet, dass eben nichts passiert. Und versäumt so gerade für die Kinder sehr oft Untersuchungen, behandelt den Armbruch nicht oder das Fieber, erkennt die Sichelzellenanämie nicht oder Malaria.
Auch für uns wäre das teuer gewesen, nur im alten System gab es für Organisationen die Möglichkeit der Gruppenversicherung. Dazu musste man Minimum 100 Kinder anmelden, und das hatten wir so all die Jahre.
Dann vor zwei Jahren, große Neugestaltung, Versicherungen fusionierten, es gab neue Regeln, und ja, wir könnten unsere Kinder noch immer versichern, allerdings wesentlich teurer und – mit gaaaanz viel Bürokratie. Unter anderem das schier unüberwindbare Hindernis, dass ein Elternteil eine ID Karte und eine Geburtsurkunde brauchte und sich ebenfalls versichern lassen musste. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Aber ich habe ja inzwischen ein Netzwerk, Freunde, die ich regelmäßig treffe. Unter anderem den Inhaber der privaten Khairat Klinik, Dr. Mahfoud. Natürlich ist die Klinik auch gewinnorientiert, Dr. Mahfoud, den ich inzwischen zu einem wirklich guten Freund zählen darf, ist aber auch ein Philanthrop. Und als er mich so verzweifelt sah, machte er den Vorschlag, alle Kinder bei ihm registrieren, eine kleine monatliche Gebühr pro Kind und sie dürfen alle kommen. Gratis.
Und das funktioniert hervorragend, inzwischen haben wir für unsere Kinder eine eigene Abteilung im ersten Stock mit eigenem Arzt, Schwester und Verantwortlichem.
Inkludiert in dieser Zahlung sind alle Dinge, wegen denen man auch bei uns zum Kinderarzt gehen würde, ausgenommen natürlich aufwendige Untersuchungen wie CT und Operationen. Aber selbst hier kann man mit Dr. Mahfoud reden, in Raten zahlen, handeln. Er schickt niemanden weg.
Daher, nein, unsere Kinder sind nicht versichert, sie haben aber alle die Möglichkeit, im Krankheitsfall einen Arzt zu konsultieren, ein Röntgen in Anspruch zu nehmen, einen Gips zu erhalten und Medikamente.
Und regelmäßig schickt uns das Khairat Spital Gemeindeschwestern oder Ärzte für Impfaktionen, Augen- und Ohrenuntersuchungen, Vitamin A Substitution oder Entwurmung. Oder auch für Vorträge über Hygiene und Geburtenkontrolle für unsere älteren Kinder oder Mütter.
Daher auch hier – geht nicht, gibts nicht.

Ich habe lange überlegt, ob ich Stellung beziehen soll, ob ich mich äußern soll. Einige haben mir abgeraten, andere aber fragen direkt – wie ist das denn bei euch. Und jetzt sind es schon zwei Dinge, die es vielleicht klarzustellen gilt.

Zunächst einmal, beginnend mit unserem Nachbarland Deutschland, gibt es ja seit einiger Zeit die Diskussion über die Rolle von NGOs und deren Förderung mit Steuergeld. Um es gleich klarzustellen, ich bin absolut dagegen, außer solch eine NGO tut auch tatsächlich etwas für seine Bürger. Aber – wir sind keine NGO in Österreich/Europa, wir sind ein Verein. Und verglichen mit anderen immer noch klein und überschaubar. Wir finanzieren uns ausschließlich über private Spenden und bekommen keinerlei steuerliche Zuwendung. Entwarnung also.

Hier ging es also ausschließlich um Geld. Das war einfach.

Die zweite Sache wiegt so viel schwerer und wenn ich lese – vertraue keiner Organisation, die mit Kindern zu tun hat, dann trifft mich das mitten ins Herz.

Gemeint ist Herman Gmeiner, ein Österreicher, verstorben 1986 und Gründer der weltweiten SOS-Kinderdörfer. Und der ganz offenbar und bewiesen in mehreren Fällen Buben missbraucht hat. Absolut nicht zu entschuldigen. Abscheulich. Herr Gmeiner war für mich immer eine Lichtgestalt, jemand, den ich bewundert hatte für diese einmalige Idee. Und die Idee ist bis heute gut und ich hoffe für alle betroffenen Kinder, dass alles aufgeklärt wird und sich trotzdem alle Häuser weltweit erhalten können. Ich freue mich keineswegs, wenn andere scheitern. Auch nicht bei kleinen Vereinen, die in Kenia helfen wollen, und da sehe ich seit 20 Jahren viele scheitern. Weil jedes Scheitern Wasser auf die Mühlen derer ist, die sagen – denen kann man nicht trauen. Wer weiß, ob mein Geld ankommt. Ich spende nichts.

Warum ich so sicher bin, dass sowas wie die SOS-Angelegenheit bei uns nicht passieren wird, möchte ich hier kurz auflisten:

  1. Wir haben keine europäischen Mitarbeiter/innen in Kenia. Es fliegen manchmal Paten hinunter, die rund um die Uhr betreut werden und die man nicht allein mit den Kindern lässt. Aber alle anderen sind Kenianer, die fest angestellt sind.
  2. Wir sind in Kenia gut vernetzt und eingebunden in die Gemeinde, stehen unter Beobachtung aller Familien und Eltern und arbeiten eng mit dem Jugendamt zusammen.
  3. Wir haben engagierte Sozialarbeiterinnen – ja, Frauen, eine Psychologin, unsere Kinder sind nicht mit irgendwem allein.
  4. In unserem TCC-Haus, in dem derzeit 30 jüngere Kinder während der Schulzeit leben, werden alle von zwei engagierten Frauen betreut und einmal wöchentlich von unserer Sozialarbeiterin besucht.
  5. Die Strafen für jede Art von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige sind in Kenia gewaltig. Da bleibt es nicht bei Verwarnungen oder einem „das tut man nicht“, da gibt es viele Jahre Gefängnis und kenianische Gefängnisse sind keine Komfortzone.
  6. Und schließlich – wir operieren nicht weltweit in einem riesigen Konzern, nicht einmal Kenia-weit. Wir helfen in einer Gemeinde, wo man sich kennt, wo man alles gut überschauen kann und es keine Geheimnisse gibt.

Das heißt, ich kann nicht garantieren, ob Kenianer das kenianischen Kindern zuhause antun. Ich kann aber garantieren, dass es niemand in der Organisation den uns anvertrauten Kindern antut. Seit ich begonnen habe, tue ich alles, Menschen zu sensibilisieren für jede Art von sexueller Belästigung, sexueller Übergriffe, egal ob Kinder oder Erwachsene. Beim kleinsten Verdacht schalten wir die Polizei ein oder im Falle sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wird sofort gekündigt. Und ja, auch Führungspersonal.

Daher meine Bitte – Hinschauen überall, aber bitte nicht alles in Frage stellen und Hilfe einstellen. Dann hätten die A…löcher gewonnen.

Dr. h.c. Gabriela Vonwald

 

 

Wie ich schon ganz oft erwähnt habe, arbeiten wir in Kenia engmaschig mit dem Jugendamt zusammen. Und ich gebe es zu, anfangs war ich skeptisch, empfand es als kleine Schikane, warum müssen wir extra eine Sozialarbeiterin anstellen, die wöchentlich dem Jugendamt Bericht erstatten muss, die aber wir bezahlen dürfen. Warum Kontrollen, wir sind doch die Guten.

Vor allem auch immer wieder die Frage – das Gesetz sagt, jede Hilfsorganisation, egal ob Inland oder vom Ausland, egal ob CBO oder NGO – sobald man mit Kindern arbeitet, also eine Schule betreibt, eine Nursery, egal was, ist es verpflichtend, diesen Link zum Jugendamt zu installieren. Warum ist man bei uns so streng und im Land tummeln sich gefühlt einige tausend Wildwuchs-Nurseries jeder Größe, die das nicht haben. Mir wurde heute wieder in einem Gespräch bestätigt – die sind nur noch nicht erwischt worden.

Schon unsere Sozialarbeiterin Eva hatte mich vor Jahren überzeugt, dass diese Verlinkung etwas Gutes ist. Immer wieder mal bei einer Schwangerschaft, bei Missbrauch in der Familie, bei plötzlichem Verlust von Eltern – das Jugendamt hat uns gut unterstützt.

Heute nun war ich persönlich dort, hatte einen Termin mit dem Leiter dieses Amtes, der jetzt seit einem Jahr für unsere Region Kilifi Nord zuständig ist, und ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt. Volle zwei Stunden sehr gutes Gespräch auf sehr gutem Niveau.

Zuerst wieder das Thema – unser TCC-Haus. Ob er sicher davon ausgehen könne, dass dies praktisch nur ein Boarding für die jüngeren Kinder sei, also keine Unterbringung während der Ferien. Wochenende sei okay, da wir alle diese Kinder bei uns in der Schule hätten, aber nur deshalb. Es wurde ihm einige Institute gemeldet, die sich da wohl nicht dran halten, die werden jetzt alle besucht, untersucht, haben die sich überhaupt beim Jugendamt registriert usw. Hab ich ihm versichern können.

Aber dann. Was mich sehr beeindruckt hat, was mich zum Nachdenken bringt war – glaub nicht alles, was man dir erzählt. Glaub nicht allen Müttern, dass sie alleinerziehend sind. Glaub nicht, dass sie sich keine Hefte leisten können. Viele Familien sind durch deine Hilfe heute in einer Situation, wo sie etwas beisteuern können. Aber das musst du verlangen.

Als er meinen entsetzen Blick gesehen hat, meinte er aber gleich – nicht du. Für dich ist das schwierig. Ihr glaubt immer gleich, wenn ihr durchgreift und sortiert, würde man euch des Rassismus beschuldigen oder der Herrenmenschenmentalität. Lass uns das machen. Lass dir helfen.

Er hat mir berichtet, dass die Vorgabe der Regierung ist – Eltern mehr in die Verantwortung nehmen. O-Ton: „Ich bin selbst Kenianer. Wir sind so – gib uns etwas, wir nehmen. Egal ob wir es brauchen oder nicht.“ Was die Regierung also noch mehr verlangt, ist – Hilfe zur Selbsthilfe. Aber eben – nimm ihnen nicht alles ab. Ihre Kinder, ihre Verantwortung.

Also eigentlich das, was ich schon ständig versuche, was aber nicht ganz gelingt, weil ich einfach nicht die sein KANN, die ihnen streng kommt. Er meinte auch, er habe ja, weil das Pflicht ist, von Eva zu jedem Kind einen genauen Bericht bekommen. Er stellt uns jetzt 20 – in Worten zwanzig – Sozialarbeiterinnen zur Verfügung, diese Berichte alle durchzugehen. Auch wieder O-Ton:

„Viele Mütter geben an, Vater verschwunden, verstorben, unbekannt. Ich verspreche dir, 60% dieser Väter treibe ich auf.“

Und – die wollen Verantwortung übernehmen, vielfach wird ihnen aber der Zugang zum Kind komplett verwehrt. Von den Müttern. Die sich dann danach auch nicht mehr kümmern.

Er hat mir sogar erzählt, dass er Eltern in Beugehaft nimmt, wenn sie sich nicht gut um ihre Kinder kümmern. Er meint, das würde immer helfen. Immer. Wenn wir Eltern nicht in die Verantwortung nehmen, sei es leicht, zehn Kinder in die Welt zu setzen. Das müssten wir gemeinsam ändern. Zum Beispiel dadurch, dass wir Eltern, die einen Job haben, die das leisten können, ein kleines Schulgeld zahlen lassen, das Mittagessen zahlen lassen, die Krankenversicherung zahlen lassen. Und wenn es wirklich Extreme geben würde, sollen wir es sagen, sein Amt habe immer die Möglichkeit, mit einem Essenspaket einzuspringen.

Ich bin sehr geflasht und hab das Gefühl – ja, das ist der Weg. Lassen wir uns helfen. Wir haben gleich mal 180 Packungen Damenbinden mitbekommen und wie gesagt das gute Gefühl, man nimmt uns ernst, schätzt, was wir tun (er meinte, ohne uns würden von den 1200 Kindern und jungen Menschen, die wir gerade im Projekt haben, 1000 auf seinem Schreibtisch landen), wir sollen aber den Eltern die Verantwortung nicht abnehmen.

Ich bin nun sehr gespannt, was er und Eva da basteln werden. Zwei Dinge haben wir gleich beschlossen. Am  24. Juni haben wir alle Eltern zu einem Meeting eingeladen, wie immer, wenn ich da bin. Da wird er dabei sein und sein Wort an die Eltern richten. Mit der Autorität seines Amtes. Und wenn wir im November die neuen PP1 einschreiben, wird jemand vom Jugendamt dabei sein und alle Aussagen der Eltern sofort überprüfen. Alles frei gibt es dann nur noch für die, die es wirklich brauchen. Für alle anderen gibt es ein reduziertes Schulgeld oder eine Gebühr fürs Mittagessen.

Ich fühle das Gewicht auf meinen Schultern ein bisschen weniger.

 

 

 

 

Unser Haus für alle Kinder, die zu klein sind für Boarding, die aber dennoch aus irgendwelchen Gründen nicht so gut in ihren Familien aufgehoben sind, war eine der wichtigsten Errungenschaften der letzten Jahre. Wie oft sind mir bei Familienbesuchen Kinder aufgefallen, die irgendwie nur geduldet wurden von Verwandten, die zuhause keine echte Betreuung oder Liebe erfahren haben. Und nicht immer, weil da irgendwelche bösen Stiefmütter am Werk sind, oft, weil Mütter überfordert sind mit dem Alltag als alleinerziehend, manchmal, weil die Kinder bei Omas, Tanten oder Nachbarn leben, denn die Eltern sind während des Schuljahres irgendwo auf Arbeitssuche. Es gibt bei uns eine angestellte Mama, liebevoll, mit ausreichend Schulbildung, damit man auch bei den Hausaufgaben helfen kann, Bubenschlafraum, Mädchenschlafraum, Aufenthaltsraum, Küche, Toiletten und Duschen und vor dem Haus ein Spielplatz.

Das alles ist aber kein Waisenhaus, es ist, wie der Name schon sagt – temporary, also zeitlich begrenzt.

Und hier ist der Staat sehr, sehr streng, wie wir selbst gerade erst in den letzten Ferien erfahren mussten.

Erlaubt ist eine Unterbringung während der Schulzeit, sofern es sich um eine registrierte Organisation handelt und es einen Link zum Jugendamt gibt. Wir sind in Kenia eine registrierte Organisation und der Link zum Jugendamt ist natürlich da. Unsere Eva ist ausgebildete Sozialpädagogin mit Zusatzausbildung und wurde vom Jugendamt genehmigt. Jeder, der in Kenia mit Kindern irgendwas tut, muss solch eine Person einstellen. Wie immer, man schaut da lange zu, irgendwann gibt es neidische Nachbarn, man wird angezeigt, zahlt sich wirklich nicht aus.

Eigentlich hatten wir gehofft, dass es niemandem auffällt, wenn wir die Kinder auch während der Ferien bei uns behalten, sofern Kinder und Eltern das wollen. Aber – keine Chance, absolut verboten. Wir haben es mit allem versucht. Dass wir Nachhilfe anbieten, dass es eine Art Ferienlager ist, dass wir da Performing Arts und Sport und was weiß ich noch alles tun. Die Antwort – Nein.

Wir dürfen Kinder außerhalb der Schulzeit nicht beherbergen.

An den Wochenenden ja, aber auch nur, weil wir eine Schule selbst betreiben. In den Ferien, absolutes Nein.

Kenia hat ja vor einiger Zeit fast alle Waisenhäuser abgeschafft. Das Ganze läuft unter dem Slogan „changing the way we care“. Es gibt ein paar Zentren, die sich Rescue Center nennen, solch eines von unserem Freund William unterstützen wir monatlich.  Ansonsten geht der Weg jetzt – Kinder haben eine Familie und diese Familie hat Pflichten. Und es soll nicht passieren, dass Kinder ihren Eltern oder der Familie entfremdet werden. So eben die Theorie. Tagesmütter gibt es in dieser Form übrigens in Kenia auch nicht, also nicht einmal über diesen Umweg und dann eben mal mit einer Übernachtung, könnten und dürften wir arbeiten.

Und hier gibt es nicht nur Verwarnungen und Geldstrafen, es würde uns Gefängnis drohen.

Und ja, wir könnten ansuchen solch ein Rescue Center zu werden. Nur, die Auflagen sind so gewaltig und schwierig, und wir dürften da nur Kinder annehmen, die gesetzlich aus einer Familie genommen wurden und dies nur bis maximal 6 Monate.

Und das ist nicht das, was wir wollen.

Daher – TCC ist sehr wichtig, eine richtige Säule unserer Arbeit inzwischen. Wir denken gerade daran, noch ein zweites Haus zu bauen, denn inzwischen leben schon 22 Kinder bei uns, es wird irgendwann eng. Aber eben nur als erweitertes Boarding.

Gestern war es wieder einmal soweit – wir haben in einer kleinen neu adoptierten Schule an 56 Kinder Schuluniformen und Schuhe ausgegeben. Und dabei viele Menschen glücklich gemacht, neudeutsch würde man sagen – wir haben sie geboostert. Die Eltern natürlich, das ist jedem sofort klar. Ein Betrag, den sie jetzt nicht mehr selbst aufbringen müssen.

Aber wenn man sich vorher die nackten Kinderfüße angeschaut hat und dann dicke schwarze Schuhe dran, dann neigt man bei uns ja eher dazu, sich zu denken – die armen Kleinen, warum muss das sein? Ist barfuß nicht besser? Und wenn die schon alle so arm sind, sollte man das Geld nicht eher in Unterrichtsmaterial stecken und sie sollen alle im dreckigen T-Shirt kommen?

Ich erinnere mich an Erzählungen meiner Großeltern, wie es bei uns früher war. Und selbst mein Mann erzählt mir aus seiner Jugend, 6 Kinder, keine Reichtümer.

Schuhe, echte richtige Schuhe, und auch keine vom älteren Bruder oder der älteren Schwester, eigene, neu gekaufte – das war damals der Eintritt in eine neue Welt. Ab jetzt bist du Wer, ab jetzt wirst du ernst genommen.

Und in Kenia bedeutet es – jetzt erst bist du wirklich ein Schulkind. Und du zeigst deiner Umgebung, schau her, meine Eltern haben mir Schuhe und eine Schuluniform gekauft, sie nehmen lernen ernst.

Auch deshalb sehen die Kinder so stolz aus auf allen Fotos.

Und auch noch zum Thema Schuhe:

Ja, in unserer Sozialromantik klingt Barfußgehen unglaublich toll. Zurück zur Natur. In Kenia bedeutet es aber auch oft genug – Scherben oder anderes eingetreten, eine Wunde, durch die Ungeziefer eindringt, ein Arzt wird erst aufgesucht, wenn es oft zu spät ist, weil man sich den einfach nicht leisten kann. Und dann haben wir noch das Problem mit den Sandwürmern, Jigger genannt. Ich erspare euch hier die Fotos dazu.

Schuhe sind daher wichtig, sehr sogar. Und Kinderfüße in Kenia wachsen genauso schnell wie die bei uns. Und auch daher bitten wir nach Familienbesuchen immer wieder um Schuhe.

 

Manchmal werde ich gefragt, was ich mir denn am meisten wünschen würde für Kenia. Und meine Antwort mag erstaunen, aber ich würde mir wünschen, dass Menschen wie ich nicht mehr notwendig wären. Dass es überhaupt keine ausländischen Organisationen brauchen würde, damit Menschen gut leben können oder ihnen geholfen wird.

Und immer wieder – neben einer guten Ausbildung und Job-Möglichkeiten – versuche ich, meine Kollegen und Freunde vor Ort, unser Team und unsere Mitarbeiter zu motivieren, Hilfe in Kenia zu organisieren, an Türen zu klopfen, Spenden zu sammeln, die nicht vom Ausland kommen.

Und jetzt bekomme ich heute zwei Weihnachtsgeschichten auf den Tisch, die unterschiedlicher nicht sein können, die aber als Kern Hilfe zur Selbsthilfe sind.

Ich habe heute erfahren, dass unser Landwirtschafts-Officer David mit einer Gruppe junger Leute, alles seine Freunde und teilweise schon seit der Schule eine Gemeinschaft, einen „Club“ gegründet hat, „Friends for Friends“. Er hatte erfahren, wie vielen seiner ehemaligen Klassenkameraden es schlecht geht, vor allem, wie viele einfach abgewandert sind und ihre alten Eltern oder Großeltern allein zurück gelassen haben. Später – und er sagt, mein ständiger Satz, „Hilfe beginnt mit hinschauen“ habe ihm die Augen geöffnet – sah er das Elend auch einfach bei seinen Nachbarn. Jedenfalls versuchen diese jungen Menschen seit drei Jahren immer um Weihnachten herum, Kleidung und Essen zu jeweils 10 Familien zu bringen. Mit eigenem kleinen Geld, still und leise, nichts an die große Glocke, ich selbst wusste davon nichts.

Und warum weiß ich es heute?

Weil er mir Fotos von zwei Familien geschickt hat, Nachbarn, tiefstes Elend. (Die Fotos seht ihr hier) Und gefragt hat, ob ich ihm helfen würde zu helfen. Natürlich tue ich das. Sie sind auch meine Nachbarn. Ich warte auf die Hintergrundstories und welche Hilfe ist die beste, wie immer – einmal Soforthilfe, einmal für die Verbesserung der Gesamtsituation und der Zukunft.

Und parallel dazu bekomme ich noch dieses heute, Nachricht von einem unserer Studenten, Athman. Der junge Mann ist seit seiner frühen Kindheit bei uns, hat Matura gemacht, nie der Allerklügste oder Bemühteste, aber immer glücklich, zufrieden mit allem, pflegeleicht, würde man sagen. Nach der Matura College, Diplom in Bauwesen, irgendwas in der Art, dann ein Jahr lang Job gesucht. Und hier zeigte sich, wo andere aufgeben, nicht so Athman. Er blieb dran, ließ sich nicht entmutigen, immer freundlich, immer bemüht. Im Juni hatte er sich bei einer Baufirma in Nairobi beworben, wurde gecastet und bekam im Oktober den Job, inzwischen ist die Probezeit vorbei, er darf bleiben und mehr noch, man ist total zufrieden und glücklich und die Firma hat uns wissen lassen, wenn wir mehr so tolle junge Menschen hätten, her damit.

Was beide Geschichten gemeinsam haben? Die Saat geht auf. Und das ist wohl das schönste, was ich mir zu Weihnachten überhaupt wünschen kann.

Gabriela Vonwald

 

Nichts erfüllt mich mehr mit Stolz, als wenn wieder einige unserer jungen Menschen „fertig“ geworden sind. Nicht nur fertig mit der Schule – bisher haben wir in 6 Jahrgängen rund 240 Maturanten und Maturantinnen aus unserer Schule entlassen, junge Menschen, die teilweise schon seit dem Kindergarten bei uns waren, also seit 14 Schuljahren. Daneben gibt es rund 140 Studenten und Studentinnen an diversen Universitäten, Colleges und Berufsschulen und weitere 46 starten 2025 und ungefähr genau so viele beenden ihre Studien.

Aber so richtig endet unsere Hilfe ja immer erst, wenn jemand sein Zertifikat, sein Diplom, seinen Bachelor in den Händen hält. Und oft nicht einmal dann, denn danach helfen wir Lebenslauf schreiben, Anstellung suchen. Und das beginnt schon während des Studiums, denn jeder Student muss verpflichtend ein 3-monatiges Praktikum machen, was ich sehr begrüße, denn oft erwächst daraus später eine Anstellung. Und hier nutzen wir unsere Kontakte. Gerade wieder haben wir für einen jungen Mann, der Kriminologie, Forensik und Sicherheit in Gemeinden studiert, eine Praktikumsstelle im örtlichen Gefängnis besorgt. Dort haben wir drei Jahre lang geholfen mit Spenden für die einsitzenden Mütter, und ja, eine Hand wäscht die andere und das fordern wir zunehmend auch ein.

Viele Praktikumsplätze gibt es in unseren 4 Schulen oder auch in der Special Unit Klasse. Wer mal Lehrer werden will, der ist gut aufgehoben, in den Klassen zu helfen, eine zukünftige Krankenschwester vermitteln wir in unser Partnerspital. Und auch einfach mal Hand anlegen auf unseren Baustellen tut nicht weh und man kann sich in den Ferien ein Taschengeld verdienen.

Und ganz oft übernehmen wir nach der Ausbildung auch einige dieser jungen Menschen zu uns und in unsere Gehaltsliste. Zum Beispiel haben wir bereis zwei selbst produzierte Lehrer und sogar unser Schulleiter ist ein Produkt unserer Hilfe.

Unsere Arbeit ist erst getan, wenn sich jemand selbst erhalten kann, ein Einkommen heimbringt.

Nein, noch haben wir keine ganz große Welle an fertigen Berufen. Aber auch die bisher rund 50 ausgebildeten jungen Menschen machen einen Unterschied. Durch ein Einkommen, vor allem aber auch dadurch, dass sie in ihren Familien, in ihren Gemeinden ein Vorbild sind, vor allem für die jüngeren. Ja, du kannst es schaffen, es ist nicht dein Schicksal, arm und ungebildet zu bleiben. Hoffnung, die sich multipliziert.

Und das Größte ist am Ende dann immer die Graduation-Feier in den jeweiligen Bildungseinrichtungen. Manchmal muss man da quer durchs Land fahren, zurück zur ehemaligen Uni. Solche Graduation finden einmal im Jahr statt, das heißt, manchmal ist jemand schon monatelang „fertig“, aber es gibt eben das Papier noch nicht. So ging es gerade unserer Caroline. Im März fertig studiert mit dem Studium „Wildlife Research“ , Praktikum gemacht, jetzt endlich der große Tag. Nur – viele können es sich gar nicht leisten, wirklich dabei zu sein. Wer soll die Fahrt bezahlen, die Übernachtung, etwas Nettes zum Anziehen. Und wenn schon, dann ist man allein, Eltern auch noch mitzunehmen, übersteigt alle finanziellen Mittel. Wo immer es mir möglich ist, versuche ich es daher. Bei Caroline gab es Fahrkarten für zwei Personen, Übernachtung für zwei, Kleidung für zwei, sodass die Mama am großen Tag der Tochter dabei sein konnte.

Und was mich immer wieder fasziniert – alle wollen irgendwann weiter lernen. Vom Diplom zum Bachelor, vom Bachelor zum Master. Ganz viele bewerben sich um Auslandsstipendien, um ihren Doktor zu machen, etwas, das ich so von Österreich gar nicht kenne.

Gleich nach der Graduation schrieb mir Caroline – „through your support in my studies I have become the lady I always envisioned. My learning does not stop here, one step at a time, but I will be a professor one day.“

Wenn man Kinder in Kenia fragt, ob sie froh seien, dass bald Ferien sind, sieht man – ihre Gefühle sind durchaus gemischt. Natürlich, nicht stillsitzen, nicht lernen, draußen Fußball spielen, das ist toll. Es heißt aber auch, kein Schulessen. In der ersten Woche ist das ja noch fein, aber dann klopft an jede Tür der Hunger.

Ganz besonders gilt das in den langen Ferien im November und Dezember, wenn alle Schulen behördlich geschlossen sind. Genau in diese Phase fällt auch das Weihnachtsfest. Jede Familie versucht ihr Möglichstes, damit sich zumindest zu Weihnachten alle einmal richtig sattessen können. Das wissen natürlich auch die Händler, weshalb knapp vor Weihnachten die Preise für Lebensmittel durch die Decke gehen. Und das Geld, einfach auf Vorrat zu kaufen, das hat kaum jemand. Außerdem gibt es keine Kühlschränke und Weihnachten fällt in die Hitzeperiode.

Und während man im Supermarkt bei uns schon jetzt im August die ersten Lebkuchen findet, bereiten wir deshalb auch in Kenia unsere alljährlichen Weihnachts-Essenspakete vor. Durch die hohe Inflation wird das mit jedem Jahr schwieriger und nur, wenn wir frühzeitig zu einem günstigen Preis bestellen und uns viele Menschen helfen, können wir diese Weihnachtsfreude finanziell stemmen. Für Kinder, deren einziges Essen an vielen Tagen eben das in der Schule ist… man will nicht weiterdenken.

Für viele Menschen nur ein oder zwei Generationen vor uns war Weihnachten auch – sich einmal richtig sattessen, sich etwas gönnen. Man denke nur an Peter Roseggers Weihnachtsgeschichte „Als ich Christtagsfreude holen ging“. In Kenia herrscht noch heute rund um dieses Fest die größte Not. Wir haben ca. 750 Familien im Projekt bei 1.200 Kindern und werden jeder Familie ein Essenspaket schenken, das sie ungefähr einen Monat über diese Zeit bringt.

Enthalten sind 24 Kilo Maismehl, das Grundnahrungsmittel in Kenia, einige Kilo Weizenmehl, 25 kg Reis, den alle unsere Kinder ganz besonders lieben. Außerdem als Eiweißquelle Bohnen, dann noch Salz, Zucker, Tee und Speiseöl.

Solch ein Paket kostet umgerechnet 50 Euro, also weniger als ein Wochenendeinkauf bei uns. Oder anders gesagt: Wer sinnvoll schenken möchte, kann das mit einem solchen Weihnachtspaket gleich doppelt tun. Eine Familie in Kenia beschenken UND vielleicht einen lieben Menschen hier mit einem Foto von der Übergabe des Essenspakets. Denn allen, die spenden wollen, bieten wir an, dass die Familie auf Wunsch ein Schild hält mit dem Namen des Spenders oder auch „von Oma Erna“, „von Familie Huber“, von…

Vielleicht ja von Ihnen? Spenden kann man direkt aufs Konto oder per Paypal an spenden@harambee.at. Ihren Wunschnamen bitte an office@harambee.at senden, das Foto kommt definitiv rechtzeitig vor Weihnachten an. Dazu benötigen wir aber das Geld bis Ende September auf dem Konto und auch Ihre Email dazu. Und wenn Sie dann mit Ihren Lieben feiern, haben Sie das gute Gefühl, dass sich auch am anderen Ende der Welt Menschen satt essen können.

 

 

Ganz oft werden wir von Harambee gefragt, was macht denn eine Patenschaft bei euch anders, besonders? Warum bei euch und nicht woanders?

Nun, erstens einmal – wenn wirklich geholfen wird, dann natürlich auch gern woanders. Ich persönlich denke, es gibt soviel Leid auf der Welt, wer da helfen will, es gibt genug zu tun. Und es gibt überall viele engagierte Menschen, die mit viel Herzblut dabei sind, übrigens sicher auch in großen Organisationen. Wettbewerb unter Hilfsorganisationen sollte es eigentlich nicht geben.

Wogegen ich etwas habe ist, wenn hier bei uns den Menschen, die im guten Glauben geben, Geld genommen und irgendwo verschwendet wird. Und Verschwendung fängt bei mir offenbar wesentlich früher an als bei vielen in dieser Branche.

Viiieeel früher. Und da ich sowieso leicht verrückt bin, fängt helfen auch für mich immer damit an – wieviel spendet denn die Person, die da mein Geld will, selbst?

Wer mit Geld helfen mag, der sollte sich selbst einfach zuerst fragen – wieviel Nähe wünsche ich mir, wieviele Berichte, Kontakte, dabei sein. Wenn es nur um steuerliche Abschreibung geht, dann ist alles gleich gut oder schlecht. Wenn ich aber – und jetzt kommen wir zum Thema Patenschaft – einem bestimmten Kind helfen mag, vielleicht sogar mit mehr als nur einem immer gleich bleibenden Beitrag, wenn ich hier dieser Familie ein Bett kaufen möchte, ein Dach reparieren. Wenn ich von diesem einen Kind Fotos möchte, Briefe, Kontakt. Wenn ich heute sagen möchte, ich bin nächste Woche in Kenia und würde gern mein Kind besuchen. Wenn ich später mit diesem einen Kind, wenn es denn studiert und erwachsen ist, per WhatsApp Nachrichten austauschen möchte, wenn ich also ein Leben über Jahre mitverfolgen möchte – da sind große Organisationen einfach ungeeignet. Und im Übrigen auch ganz viele Kleine.

Für den persönlichen und geförderten Kontakt, für das Mitleben, braucht es nämlich eine Infrastruktur vor Ort. Menschen, die dieses eine Kind ebenfalls kennen und lieben und begleiten, Menschen, die wissen, was sich Paten wünschen. Große Organisationen können es nicht leisten, weil es dieses eine Kind für diesen einen Paten gar nicht gibt, kleine können es oft nicht leisten, weil sie zu wenig Helfende vor Ort haben, die auf der einen Seite ihre Familien gut kennen, dort ein und aus gehen können, auf der anderen Seite aber auch über Know How und Technik verfügen, dies auch zu dokumentieren und täglich frisch nach Europa zu senden.

Harambee schafft diesen Spagat. Nicht, weil wir so viel besser und intelligenter wären, sondern weil ich persönlich das über Jahre eintrainiert habe, immer und immer wieder. Weil wir Menschen direkt vor Ort haben, die ganz genau wissen, was ich selbst und alle Paten brauchen, zeitnah, am gleichen Tag. Weil wir 4 gute Kameras zur Verfügung haben mit dafür trainierten Menschen, weil wir hier auf der anderen Seite wieder Menschen sitzen haben, die die Infos aus Kenia rasch verarbeiten.

Und weil ich selbst dreimal im Jahr für fast einen Monat vor Ort bin.

Daher können wir garantieren – soviel Kontaktmöglichkeiten, so viele Infos, so viel Mitleben wie bei uns, ich denke, das findet man nur selten. Und da bin ich auch durchaus eingebildet. Dazu immer wieder auch Einblicke in die kenianische Kultur, Wirtschaft, Politik, Alltag. Warum? Weil es inzwischen meine Kultur geworden ist, ich stolz darauf bin und ich es immer gern teile. Wissen vergrößert sich, wenn man es teilt.

Und was es ebenfalls noch anders macht bei uns – im Patenbeitrag ist nicht nur die komplette Schule enthalten, es gibt Essen, es gibt eine Krankenversicherung, es gibt modernen Unterricht, es gibt „Erziehung“ der Eltern, es gibt für jedes Kind die Begleitung bis es einen Beruf fertig gelernt hat und auf eigenen Füßen stehen kann. Erst dann, ist es ein Erfolg.

Gabriela Vonwald