Besondere Augenblicke

Ich werde oft gefragt, was sich unsere Kinder denn so zum Geburtstag wünschen oder zu Weihnachten. Und natürlich hätten auch unsere Kinder gern ein Fahrrad (das ist für fast alle das Höchste, was man sich nur wünschen kann). Viel häufiger aber kommt als Wunsch – ein Bett, eine neue Matratze, manchmal auch gar nicht für sich selbst, manchmal für die Mama oder die Oma. Ganz oft steht auf der Wunschliste die neue Schuluniform, weil die alte, die sich die Eltern mühsam geleistet hatten, schon so zerschlissen ist, dass man sich geniert. Schuhe, ein Pullover, ein Buch (eins, nicht viele), Schreibhefte.

Genauso geringe Ansprüche stellen unsere Kinder an Ausflüge. Schulausflüge gibt es in Kenia, natürlich. Aber sie sind Teil des Lernprogrammes. Auch wir versuchen es mit unseren bescheidenen Mitteln. Fort Jesus zum Beispiel (immerhin Unesco Kulturerbe), die Ruinen von Gedi, Hallerpark oder auch mal zum Hafen in Mombasa. Jedes Kind übrigens nur ausgestattet mit einer Flasche Wasser. Und noch nie hab ich das typische Augenrollen erlebt, sooo langweilig, kann ich mir dies kaufen oder jened, da hinten gibt es einen Kiosk, oder können wir was essen? Kein Smartphone, keine Selfies.

Oder – so wie jetzt gerade – eine Maturafahrt (Abitur für die deutschen Kollegen) nach Watamu, dann mit dem Glasbodenboot ein Stück hinaus aufs Meer, hoffen auf Delphine, zurück, Picknick (von der Schule mitgebracht, nein, man fährt nicht bei McDonalds vorbei oder so) und dann noch zu der Organisation, die Plastikmüll zu wunderbaren Dingen verarbeitet. Und das alles wegen Corona aufgeteilt auf 3 Tage, immer nur 8 Kinder plus 2 Lehrer.

Und das soll eine Maturareise sein? Nicht 2 Wochen Griechenland mit Alkohol und Disco? Macht den Kindern das denn Spaß? Sind sie nicht gelangweilt? Und was macht es mit den Armen, wenn sie dann – so wie es gestern der ersten Gruppe passiert ist – keine Delphine sehen? Ich merke an den Fragen im Patenforum, wie sehr wir solche Unternehmungen aus Sicht unserer österreichisch/deutschen Kinder betrachten

Aber wir reden hier von Kindern, die in Lehmhütten aufgewachsen und nie aus ihrer kleinen Welt heraus gekommen sind. Kinder, um die nie viel Aufhebens gemacht wurde. Kinder auch, die jetzt wegen Corona viele Monate gar nicht in die Schule durften und diese Zeit nicht in einem übervollen Kinderzimmer verbracht haben mit eigenem PC und Internetanschluss, sondern teilweise auf dem Feld helfend, Wasser holend schon morgens um 4, Haushalt, kleine Geschwister, viel Mühe, wenig Schönes. Diese letzte Reise als Klassengemeinschaft mit Freunden soll auch dazu beitragen, sich mal die Sorgen wegpusten zu lassen, daher auch bewusst VOR den Examenswochen, Gemeinschaft zu spüren, die nicht nur Lernen ist, ja, auch Abschied. Es wird die Kinder nach der Prüfung in unterschiedliche Colleges und Universitäten verschlagen, vielleicht sieht man sich nie wieder. Manche der Kinder sind schon seit dem Kindergarten bei uns, unsere Schule ist ihr Zuhause.

Keine Delphine, natürlich schade, aber darum geht es nicht. Auch wenn wir Europäer bei einer Safari keinen Leoparden vor die Kamera bekommen, ist es dann keine schöne Zeit? Unsere Kinder haben im Laufe ihres Lebens schon häufiger das lernen müssen, was man Frustrationstoleranz lernt. Dennoch – die erste Gruppe kam gestern mit strahlenden Gesichtern und glücklich müde zurück, viel Gesprächsstoff für die nächsten Tage. Allein die Autofahrt gemeinsam, das Meer, die Luft, bunte Fische, die man durch den Glasboden sieht, wer mag, ein wenig schnorcheln.

Natürlich wären theoretisch und ohne Corona auch größere Reisen möglich. So wie vor 5 Jahren mit allen nach Zanzibar, ein unvergesslicher Trip bis heute. Gern würde ich mal das tun, weshalb Touristen nach Kenia kommen, den Kindern die Tierwelt vor der Haustüre zeigen. Was wir aber auch nicht wollen – unsere Paten übermäßig zu belasten. Aber wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages auch „echte“ Maturareisen mit Übernachtung und noch mehr Spaß. Bis dahin machen wir unsere Kinder glücklich mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.

Und ganz ehrlich – ich denke, nach Corona wären wohl viele unserer Kinder hier in Österreich oder Deutschland mit solch einem Ausflug auch nicht unzufrieden.

 

Monatliche Geburtstagsfeier

Gestern gab es wieder die monatliche Geburtstagsfeier – diesmal für alle Februar-Geburtstagskinder. Mit Kuchen und Limo und Kerzen – immer eine große Freude für die Kinder, wo doch die Geburtstage in den Familien kaum gefeiert werden.

Wir werden oft von Paten gefragt, was man denn zum Geburtstag schenken könnte – ein Beitrag zur Geburtstagsfeier wäre eine tolle Idee, damit wir diese schöne Tradition weiter führen können!

Career-Kompass

In unserer Schule steht jetzt auch ein Career-Kompass, um den großen Secondary-Schülern Orientierung zu geben bei der Berufsfindung. Für jedes Studienfach sind die Schulfächer aufgeführt, in denen gute Leistungen nötig sind, damit man eine Zulassung an der Universität bekommt.

Emmanuel, oder: Wie wertvoll ein Gesundheitssystem ist

Hier eine sehr anschauliche Geschichte über einen Notfall und schnelle Hilfe.

Der 17 jährige Emmanuel krümmte sich eines Morgens vor Schmerzen. Es war ein ganz schlimmer Leistenbruch, es musste sofort etwas geschehen. Die Ärzte in den öffentlichen Spitälern streikten jedoch gerade. Aufgrund der fehlenden Notambulanz musste er in einem privatem Spital behandelt werden. Die Rechnung war im Voraus zu bezahlen. Sie machte 1.000 € aus. Wir griffen dafür in einen Topf für Notfälle und sammelten danach Spenden unter allen Paten.

Die Operation wurde gerade noch rechtzeitig durchgeführt. Emmanuel konnte wieder lächeln. Unsere Matron saß an seinem Bett. In Kenia ist die Pflege und das Essen der Spitalspatienten nämlich Aufgabe der Familie.

Emmanuels Eltern sind Analphabeten und glauben an Zauberei. Sie wollten den Buben wieder mit nach Hause nehmen und einen örtlichen Medizinmann bestellen. Unglaublich, 2021! Es ist noch ein weiter Weg.

Emmanuel blieb einige Tage im Spital, danach durfte er nach Hause und wir organisierten weitere Hilfe für die Pflege. Inzwischen geht es ihm großartig. Er ist jetzt zur Erholung bei seinem Onkel in Tezo. Nachdem seine Familie den Heilungsprozess miterlebt hat, ist sie nun doch sehr dankbar, das erkennen wir an. Vielleicht holen sie in Zukunft doch keinen Medizinmann mehr.

Danke an alle die für Emmanuel gespendet haben. In ein bis zwei Wochen kann er zurück in die Schule.

Wir brauchen Taekwondo Matten

Unsere Taekwondo-Sportler brauchen Matten. Im Moment trainieren sie entweder auf Fliesen oder auf Lehmboden, beides nicht optimal. Wir würden gerne Taekwondo-Matten für den Speisesaal, der auch Turnhalle ist, anschaffen. 64 bräuchten wir insgesamt, 31 sind schon durch Spenden von Paten finanziert. Das Stück können wir für 45 Euro direkt vor Ort kaufen und freuen uns über Spenden! Wer mag eine übernehmen?

Eine neue Küche für unsere Schule

Unser nächstes großes Projekt, für das wir Eure Hilfe brauchen – der Umbau der Schulküche.

Die jetzige Küche wurde gebaut, als wir 150 Kinder in der Schule hatten, jetzt sind es um die 600. Das nächste große Projekt für unsere Schule in Kenia ist daher eine komplette Neugestaltung von Küche, Lager und Waschbereich für die Küche.
Alle haben jetzt ein schönes Büro, die Kids schöne Klassen, aber was wäre die Schule ohne das Essen und ich denke, jetzt sind mal unsere Köchinnen dran, dass wir ihnen das Leben erleichtern. Und außerdem wird unser Lager viel zu klein.
Wir wollen außerdem den gesamten Waschbereich, wo also Geschirr gewaschen wird und die großen Töpfe, Gemüse gewaschen usw. aus der Küche herausnehmen und zu einem großen Waschbereich umgestalten, offen, schön verfliest.
Das Lager soll außerdem hygienischer werden mit hohen Regalen, nichts mehr am Boden.

Und die Küche bekommt dann ein größeres Fenster, eine gute Arbeitsplatte, neue Fliesen, Wasser endlich drinnen.

Dann den ganzen überdachten Korridor entlang des Speisesaales verfliesen und den Trampelpfad davor, den meist genutzten Weg in der ganzen Schule, mit guten Steinplatten, damit man in der Regenzeit nicht im Schlamm geht.

Dank einer Spende des Schiller-Gymnasiums Köln über 8000 Euro können wir direkt mit dem Bau beginnen – aber es fehlen uns noch insgesamt 17.000 Euro, um das Projekt auch wirklich zu vollenden. Dafür brauchen wir Eure Hilfe! Wir freuen uns über Eure Spenden!

Und wenn Ihr Ideen für größere Sammelaktionen habt oder gerne Firmen ansprechen möchtet um Unterstützung – wir helfen Euch gern dabei!

Alles Afrika

Immer, wenn ich hier in Kenia bin oder auch nur wenn Freunde und Bekannte erfahren, dass ich mich hier engagiere und teilweise hier wohne, bekomme ich viel Interesse. Aber immer wieder sind dabei auch Fragen, die „in Afrika“ im Satz haben. „Wie ist denn dies oder das in Afrika?“ – „Hast du da in Afrika auch…?“ „Was kostet das so in Afrika?“ – Der Gipfel war einmal, „Du bist doch gerade in Afrika. Ich hab da einen Kontakt gemacht voriges Jahr übers Internet. Kannst du den mal anrufen und fragen, ob es ihm/ihr gut geht?“ Oder gerade mehrere SMS zum Thema, „Was kostet in Afrika eigentlich ein Covid-Test?“

Je nach Laune frage ich dann einfach – welches Land meinst du denn, ich bin in Kenia. Oder manchmal auch zynisch – „Du bist doch in Europa, könntest du mal jemanden für mich in Stockholm besuchen?“

 

Bei manchen glaube ich, dass es einfach Dummheit ist, mangelnde Bildung. Habe gerade mit einer Dame diskutiert, die den Unterschied zwischen Kontinent und Land einfach nicht behirnen wollte. Es stellte sich dann heraus, sie wollte einen Preis aus Ghana.

Ich denke aber, für diese Ignoranz gibt es noch tiefere Gründe. „Da unten“ in Afrika – wo Hunger herrscht und zu viele Kinder, Armut, Kriege, Korruption. Ist doch alles gleich, oder?

Komischerweise nehmen die meisten bei Afrika zumindest die Länder Ägypten, Tunesien, Marokko aus, vielleicht weil alles, was ans Mittelmeer grenzt, doch nicht Afrika sein kann. Ist doch eher wie Griechenland und Italien.

Aber was ist so schwer daran, zu begreifen, dass zwischen Verhältnissen in Südafrika, Namibia, Elfenbeinküste, Nigeria, Kenia, Sierra Leone himmelweite Unterschiede bestehen? Oder ist einfach alles schwarze Haut und heißes Klima?

Es gibt hier die ostafrikanische Staatengemeinschaft. Kenia, Tansania, Uganda, Ruanda und noch ein paar. Aber zwischen Kenia und Tansania gibt es himmelweite Unterschiede, auch wenn beide Swahili sprechen. Deutsch und Österreicher sprechen ja auch deutsch.

Und nicht einmal in Kenia kann man von ganz Kenia sprechen. Jemand, aufgewachsen in Nairobi, dort in eine gute Schule gegangen, wird kaum die gleichen Probleme haben wie jemand im Küstengebiet oder in der Provinz Ganze.

Selbst das Gebiet, in dem ich tätig bin, nämlich politisch gesehen Kilifi County, eines der größten politischen „Länder“ Kenias, ist unterteilt in ganz unterschiedliche Ethnien. Diese Ethnien sind nämlich viel älter und gewachsener als alles, was später politisch darüber gezeichnet wurde.

In unserem Fall hier decken sich die Landesgrenzen von Kilifi County weitgehend mit dem, was die Einheimischen Mijikenda nennen – neun Orte (miji = Orte, kenda = ein altmodischer Ausdruck für neun).

Die Sage sagt, es gab einmal vor langen Zeiten einen Mann, der hatte zwei Frauen (das muss sein in kenianischen Erzählungen. Meistens wird dann noch ausgeschmückt, dass die zwei sich gehasst haben und eifersüchtig waren, wer denn die Lieblingsfrau war). Jedenfalls gab es von diesen beiden Frauen insgesamt neun Kinder. Und nach des Vaters Tod wurde das gesamte Land auf die 9 Kinder aufgeteilt.

Diese 9 Kinder sind heute die 9 Ethnien hier entlang der Küste. Digo, Chonyi, Kambe, Duruma, Kauma, Ribe, Rabai, Jibana und Giriama. Allen gemeinsam ist bei allen Unterschieden die gemeinsame Sprachwurzel, nämlich Bantu. Und oft werden sie etwas ignorant alle als Giriama bezeichnet. Nur wenn man tiefer eindringt, dann sagt einem jeder – ich bin aus Ribe, ich bin eine Kauma – mit all den Stereotypen natürlich auch, die das so mit sich bringt. Chonyi beispielsweise sagt man nach, dass sie die besten Farmer sind, immer auf ihr Land bedacht und sehr fleißig.

Und ich frage hier oft – wo kommst du her. Und nein, ich meine dann nicht – Kenia. Und niemand käme auf die Idee zu sagen – aus Afrika. Und ich kann ganz oft punkten, indem ich dann eben weiß – ah, ja, eine der 9 Ethnien und die wohnen ungefähr dort (Die Leute hier können sogar sagen, nach der Kurve dort unten beginnt Ribe).

Europa passt viele Male in Afrika hinein. Niemand würde sagen – alle Länder Europas sind doch gleich, alles eins. Das hat mit Respekt zu tun. Daher, gern Fragen zu Kenia, aber bitte nicht einfach nur – Afrika.

Kein Strom

Ich habe es verschrien. Und Samstag noch darüber nachgedacht, jetzt endlich auch die Solaranlage für mein Haus auszuzahlen und zu montieren. Aber ich wurde verwöhnt. 4 Wochen hier und noch kein einziges Mal Stromausfall.

Dafür jetzt heftig, nach 36 Stunden ohne Strom jetzt wenigstens ein kleiner Generator, damit nicht eine zweite Nacht im Dunkeln sitze und ein wenig nach außen kommunizieren kann. Diesmal sind zwei Transformatoren für eine ganze Region gleichzeitig kaputt gegangen und man arbeitet wirklich stundenlang schon daran. (Regelmäßige Wartung von was auch immer ist hier nicht so in den Köpfen. Man wartet bei fast allem, bis es kaputt ist.)

In meiner kleinen Wohnung direkt in der Stadt waren Stromausfälle an der Tagesordnung. Und das liegt nicht daran, dass Kenia nicht genug Strom hätte oder so wie jetzt, ein ernsthafter Schaden vorliegt. Es ist einfach eine Mischung aus Schlamperei, Korruption und dem Versuch, einzusparen, für was auch immer. Und weil es keine Konkurrenz gibt, nur eine Monopolstellung.

Jeder wusste zum Beispiel, immer donnerstags ist es soweit. Lade möglichst alles, was du laden musst, vor 10 Uhr, schau, dass – falls du überhaupt einen Kühlschrank hast – keine verderblichen Waren drin sind oder solche, die dir beim Schmelzen alles versauen, denn – bis ungefähr 19 Uhr wird es jetzt keinen Strom geben. Große Firmen haben natürlich ihre eigenen Generatoren, so auch das Spital. Laut, stinkend, unangenehm. Wer es sich leisten kann, hat Solarenergie auf dem Dach. Aber all die kleinen Firmen haben einfach Pech. Und die meisten privaten Haushalte haben ja ohnehin keinen Strom.

Außer Mama Gabi. Und die hat in den letzten Jahren hier gemerkt, wie unglaublich abhängig der Erste-Welt-Mensch doch davon ist.

Versucht doch einfach mal zuhause das Experiment – macht die Augen zu, geht durch eure Wohnung und euer Leben und stellt euch vor, einen Tag lang kein Strom. Und ich denke da nicht einmal an die Wirtschaft, an Bankomatkassen, Rolltreppen oder Türen, die nur automatisch öffnen, ich denke an das normale Leben.

Internet? Fehlanzeige, denn dazu braucht es Strom. Fernsehen, Netflix, Youtube, leider nein. Handy nicht aufgeladen? Pech. Kühlschrank wie gesagt, von Tiefkühltruhe rede ich gar nicht. Abends natürlich kein Licht und in einem Land wie Kenia ist es um 18.30 stockfinster. Bei vielen von uns wäre auch wohl Kochen ein Thema, bei mir hier auch, ich habe zwar einen Jiko, den dreibeinigen schweren schmiedeeisernen Kocher, der unten wie ein Griller befeuert wird, aber ansonsten zwei elektrische Kochplatten. Und nein, Kaffeemaschine und Toaster funktionieren auch nicht. Gut dass unsere Hausdame Judith (matron wird sie hier genannt, sie sorgt sozusagen rund um die Uhr für alle Internatskinder) mir eine Thermoskanne voll mit Tee gebracht hat. Wasser wurde über dem Feuer gekocht, wie sonst?

Für mich als Europäerin sicher am schlimmsten – kein Ventilator mal schnell, wenn es so richtig heiß wird, wobei ich zugebe, hier im Haus geht immer ein wenig Wind und ab ungefähr 11 Uhr hab ich keine pralle Sonne mehr. In der Wohnung war das nahezu unerträglich, vor allem, wenn man dann abends noch viele Kerzen angezündet hat, um etwas zu sehen. Fenster lässt man abends tunlichst zu, solange man nicht unterm Moskitonetz liegt. Und dass ich nicht mal schnell per Whatsapp video-telefonieren kann mit meinem Mann, das fehlt mir an solchen Tagen auch.

Es hat aber auch etwas Gutes, vor allem gestern am Sonntag. In Kenia sind Kirchen ja nicht steuerlich gefördert, sie müssen sich irgendwie erhalten durch Spenden. Und hier gilt das Motto, wer mehr Lärm macht, hat gewonnen. Es wird also der Gottesdienst mit riesigen Lautsprechern auch zu allen Nachbarn geblasen, Teil des Marketings sozusagen. Auch hier – jetzt im Haus ist es irgendwo in weiter Ferne, in der Stadt war es so, dass ich sonntags in eins der Hotels geflüchtet bin. Die liegen nämlich alle so, dass Touristen ja nichts mitbekommen von dem Wahnsinn. Moscheen haben übrigens alle einen Generator;-))

Und so habe ich gestern einen stillen Sonntag genossen, mein Nachbar hat mich mit ein wenig Transistorradio beschallt, eine Mischung aus Rap und Reggae mit manchmal indischen Einschlägen. Und mein Hahn legt sich auch mächtig ins Zeug, damit es nicht zu still wird. Stille ist nämlich wohl wirklich das, was Kenianer nur ganz schwer ertragen.

Heute allerdings war es dann schon unangenehmer. Handy und Notebook langsam ohne Saft, wir haben dann beides in eine Region gebracht, wo es noch Strom gibt und man hat es dort geladen. Aber auch in der Schule – Wasser aus unserem Brunnen benötigt eine Pumpe und die – richtig – Strom. Den ganzen Tag haben alle verfügbaren Kräfte daher wie in alten Zeiten Wasserkübel geschleppt, damit wir das staatlich geforderte Händewaschen überhaupt durchziehen konnten. Das ganze Büro steht, also wurde die Zeit genutzt, um aufzuräumen mit mir, da nicht so gut gelaunt, im Nacken.

Und was für mich privat nur einfach unangenehm ist, ist für Kenia als Land, das sich weiter entwickeln soll, eigentlich eine der größten Baustellen. Wie will man Investoren und Firmen anlocken, Arbeit schaffen, wenn man nicht einmal das Grundnahrungsmittel der Moderne zur Verfügung stellen kann – Strom. Und zwar nicht – meistens Strom, sondern 24/7 Strom, nicht einmal 5 Minuten keiner. Im Grunde kann die Regierung froh sein, dass so wenige Haushalte derzeit über Strom verfügen, denn sonst würde es sicher irgendwann heftige Proteste geben. Schon jetzt ist bei Familien, die nur so ein Minimum an Wohlstand ihr Eigen nennen, der Fernseher der Mittelpunkt des Hauses. Ein großer natürlich. Und hat somit auch hier die frühere Feuerstelle abgelöst. Und wie wir aus Europa wissen, alles darf man dem modernen Menschen wegnehmen, nur nicht das Dschungelcamp oder ähnlich schwere Kost.

 

Und wenn ihr die Zeilen lest, hab ich wieder Strom. Klarerweise.

 

 

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