Hilfe beginnt immer klein und immer dadurch, dass man etwas sieht, was man so nicht akzeptieren kann und will. Ich zumindest kann es nicht.

Im Vorjahr haben wir massiv damit begonnen, nicht nur unsere beiden Schulen zu erhalten und insgesamt drei Partnerschulen (Hope, Old Ferry und MInara) zu unterstützen, sondern immer wieder auch anderen Schulen zu helfen. Dies sind meistens Government Schulen, aber das Government unterstützt vor allem dort, wo örtliche Politiker ihre Kinder drin haben, wo es Verwandtschaftsbeziehungen gibt oder politischen Nutzen. Muss man leider so sagen. Alle anderen werden einfach vergessen.

Das Resultat: Übervolle Klassen, Kinder sitzen am Boden, weil niemand Schulgeld zahlt, gibt es keinen Spielraum zur Renovierung, es gibt oft nicht mal Porridge für die Kleinsten, es regnet durchs Dach, es gibt keine Toiletten, kurz gesagt – diese Schulen und somit die Kinder dort wurden einfach vergessen. Was ich manchmal sehe, ist wie ein Flashback ins Mittelalter. Schulen mit 600 Kindern und nur 3 Klassenräumen – Kinder lernen im Schichtbetrieb, die eine Gruppe vormittags, die andere nachmittags, in der Regenzeit gar nicht, weil das Dach kaputt ist. Toiletten, die nur ein Loch im Boden sind, zwei Löcher für 250 Kinder, darunter 4jährige. 90 Kinder in einem Klassenraum, der mit 30 gut gefüllt wäre. Keine Bücher, keine Perspektive.

Nein, wir können nicht überall helfen. Wir können auch nicht Regierungsarbeit machen und überall neue Schulen bauen. Wir schauen daher, was würde schon eine Hilfe sein und ist mit unseren Mitteln möglich. Und bei größeren Dingen fragen wir dann Stiftungen.

So haben wir in einigen Schulen zu Weihnachten Möbel gebracht und werden damit jetzt für eine andere Schule weitermachen. Wir haben vorhandene Möbel repariert, wir haben Klassen mit Büchern ausgestattet oder mal für ein Jahr das tägliche Porridge für alle übernommen.

Und damit helfen wir nicht nur direkt, wir zeigen – ihr wurdet nicht vergessen. Plötzlich kommt der Elternverein und möchte unterstützen, es entsteht Bewegung, es wird zusammen geplant, was könnten wir selbst tun.

Gestern bekam ich drei Schulen auf den Tisch, wo uns allen die Tränen kamen. Seid also bereit für weitere Aktionen. Wir starten in Kürze wieder mit Schulbänken.

Und daneben begegnen mir Einzelschicksale. Und indem wir solch einem Einzelschicksal helfen – Rückstände bezahlen, Schulgebühren übernehmen, helfen wir der gesamten Schule, denn dieses Geld macht vielleicht für die ganze Klasse den Unterschied aus, ob es Bücher geben wird oder Essen.

Jedes Kind hat Hilfe verdient und immer beginnt es mit – ich sehe dich.

Unser Finanzbericht steht wieder online, offen und transparent wie jedes Jahr.
Und manche, die damit noch nie zu tun hatten, stolpern jetzt vielleicht über die Worte: Gewidmete Spenden und ungewidmete Spenden. Und fragen sich vielleicht, was ist denn da nun mein Patenbeitrag, wofür genau wird das verwendet?

Zunächst einmal, gewidmete Spenden bedeuten, dass der Spender damit etwas Bestimmtes finanziert haben möchte, und daran müssen wir uns halten. Wenn also jemand Geld für ein Paar Schuhe überweist, dann bekommt das Kind ein Paar Schuhe. Wobei wir beraten und auch mal verweigern, falls es um ein Auto als Maturageschenk gehen sollte. Ihr wisst, was ich meine.
Wenn ich eine Sammlung mache für eine öffentliche Wasserleitung, dann wird genau die damit finanziert.

Und auch der Patenbeitrag ist solch eine gewidmete Spende, und der Zweck ist es hier, dem Patenkind Schule zu ermöglichen und ein gutes Leben, soweit es in unserer Macht steht. Dazu gehört natürlich in unseren beiden eigenen Schulen auch, dass wir Gehälter zahlen, also in Kenia. Lehrer/innen, Köche und Köchinnen, Gärtner/innen, Security, Sozialarbeiterinnen usw. Dann gehört dazu das gesamte Schulessen. Krankenversicherung. Lehrmittel gehören dazu, außer es sind extra angeschaffte, für die dann wieder zweckgebunden gesammelt wird. Wie für unsere Mikroskope beispielsweise.
Und natürlich gehören auch Reparaturen an den Gebäuden, Fahrzeugen, Einrichtungen dazu. Es soll ja nicht so sein, dass es durchs Dach regnet. Benzin für unsere Fahrzeuge und den Schulbus. Die Versicherung der Fahrzeuge. Also alles, was man unter laufenden Kosten versteht.

Was nicht dazu gehört – neue Gebäude zu bauen.

Wir nehmen also nicht von Patengeldern etwas weg, häufen es an und bauen dann davon irgendwann noch eine Schule. Oder auch nur einen Schlafsaal. Mal abgesehen davon, dass wir da sehr lange sparen müssten.
Patengelder sichern also den laufenden Schulbetrieb für alle. Und klarerweise, wenn man es wie eine Firma sieht, müssen wir eine bestimmte Anzahl Paten haben, damit es rennt. In der Wirtschaft würde man das als Break Even Point bezeichnen. Wenn ich daher um Paten bettele, dann nicht nur immer für dieses eine Kind, sondern dafür, dass alle anderen ebenfalls unbesorgt lernen können und was zum Essen da ist. Wenn viele Kinder keine Paten haben, müssen wir irgendwo sparen.
Ich sehe mich hier noch in den ersten Monaten „meiner“ Schule rechnen und herum schieben – nicht wie viele Kinder brauchen wir, sondern wie viele Paten brauchen wir, damit sich eine Schule überhaupt ausgeht. Und das schlimmste Jahr war 2016, als wir mit der Highschool, damals noch Secondary genannt, begonnen haben. Wir brauchten plötzlich für gerade mal 30 Kinder 10 Lehrer.
An einer eigenen Schule sind die Gehälter immer noch das größte Problem, vor allem dann, wenn man die Mitarbeiter/innen gut bezahlen und nicht ausbeuten will. Ich sage mir hier immer – auch das ist ja schon Hilfe. All diese Menschen, bei uns sind es derzeit fast 120 Angestellte, erhalten damit ihre Familien und schicken eigene Kinder in die Schule, sind kranken- und pensionsversichert.

Und wie bauen wir dann praktisch jedes Jahr irgendwas Neues? Wie haben wir die Schulen gebaut? Den Basketballplatz, Stützmauern oder das TCC-Haus? Und wie finanzieren wir eventuell Extras und Anschaffungen?

Dazu ein Blick zurück in die Vergangenheit:
Die erste der beiden Vonwaldschulen war ja ursprünglich einfach mein Privatprojekt und Privateigentum. Es gab Spenden für die Kinder, aber alle Gebäude bis Highschool hab ich aus meiner Firma finanziert. Jedes Jahr ein neues. Ich habe die Schule erst 2017 an unsere kenianische Dachorganisation Gapeka verschenkt.
Danach waren es große und kleine Stiftungen aus dem Ausland – Schweiz, Amerika, Deutschland – die für die weitere Infrastruktur gesorgt haben, denn nur das wollen Stiftungen.

Eine Stiftung finanziert uns leider nicht, sagen wir für ein Jahr die Gehälter. Oder das Schulessen. Stiftungen wollen etwas Materielles schaffen, am liebsten etwas, wo man dann ein Schild anbringen kann – gespendet von. Und dies sind natürlich alles gewidmete, zweckgebundene Spenden.

Und dadurch haben wir zwei Töpfe an gewidmeten Spenden – einmal für die laufenden Kosten, deklariert als Patenbeitrag, und einmal für neue Gebäude, Fahrzeuge, Infrastruktur, Anschaffungen. Wenn also ein Pate nicht einverstanden ist damit, dass wir etwas bauen oder Leitungen legen, braucht er keine Angst haben, dass dafür sein Patenbeitrag genommen wird.
Und was sind dann freie ungewidmete Spenden?

Das sind Spenden, bei denen es dem Spender egal ist, was wir damit tun, solange es dem gesamten Projekt zugutekommt. Sammlungen, Geburtstags- und Hochzeitsgeschenke oder auch nur Einzelspenden wo wir dazu mitgeteilt bekommen – ich vertraue euch, nehmt es dort, wo es gebraucht wird. Und das rettet uns ganz oft, denn damit können wir schnell etwas finanzieren.
Was aber für mich einfach großartig ist – wir haben Verwaltungskosten von gerade mal 0,4%. Und das sind die, die wir nicht ändern können, wie Bankspesen oder Wirtschaftsprüfer. Und darauf sind wir stolz.
Ich hoffe, ich konnte alle Fragen etwas klären. Danke für jede einzelne Spende.

Gabriela Vonwald. Dr. h.c.

Viele, oder vielleicht sogar die meisten, unserer Paten und Patinnen nehmen ihre Patenschaft auch als eine Art Verantwortung für einen jungen Menschen sehr ernst. Wir haben sogar ältere Paten, von denen ich weiß, dass sie im Testament dafür gesorgt haben, dass „ihre“ Kinder die Schule oder Uni abschließen können.

Dies ist bei uns ja auch wirklich so, weil eben jedes Kind nur diesen einen Paten, diese eine Patin hat. Nicht wie in großen Organisationen – das Kind ist die Werbebotschaft, ja, es existiert, aber pro Kind gibt es viele, viele, sehr viele Paten. Keine Behauptung, steht bei allen diesen Organisationen im Kleingedruckten.

Aber wie das eben mit Verantwortung so ist, sie kann auch ein wenig belasten, vor allem finanziell.

Daher finde ich das Modell der Teilpatenschaft so großartig. Vor allem die größeren Kinder haben fast alle zwei Paten, denn es kostet wesentlich mehr im Monat (60,- statt 30 Euro) und das ist mehr als viele stemmen können.

Und es hat noch einen weiteren Vorteil. Wenn mal Extras gebraucht werden, neue Schuluniform, Schuhe, Zirkel, Taschenrechner oder sogar ein Bett, vor allem aber, wenn es dann an Uni oder College geht, kann man sich all das teilen.

Ist für mich ein wenig wie alleinerziehend oder mit Partner.

Selbstverständlich freuen wir uns auch über Vollpaten, wer das möchte, aber derzeit haben wir so so viele Kinder, die nur halb abgedeckt sind. Hier könnte man einspringen und sich dabei eben die Verantwortung teilen.

 

 

Geht es Ihnen auch so? Mir kommt manchmal vor, die heutige Welt ist auf ein paar Schlagworte geschrumpft, jeder verwendet sie, jeder hört sie und niemand hinterfragt sie.

Nachhaltigkeit ist so ein Wort.

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und bedeutet im Grunde – nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt. Bäume wachsen langsam, man sollte also nie mehr abholzen, als nachwachsen kann.

Heute verwenden wir Nachhaltigkeit überall, in Bezug auf Umweltschutz, Klimakrise, Landwirtschaft und soziales Miteinander. Und ja, auch Hilfsorganisationen benutzen ihn, vor allem, wenn sie mit Landwirtschaftsprojekten befasst sind. Hier bedeutet Nachhaltigkeit vor allem, sorgsam mit den Ressourcen dieses Planeten umzugehen, eine Verteilungsgerechtigkeit anzustreben und dem Boden nicht so viel zu entziehen, dass kommende Generationen nichts mehr übrig haben.

Auch wir bemühen uns um Nachhaltigkeit. Indem wir beispielsweise den Boden nicht auslaugen, sondern kluge Pflanzenkombinationen machen. Ich bin selbst ein Farmkind, aufgewachsen auf dem Bauernhof meiner Großeltern. Damals gab es die sogenannte Drei-Felder-Wirtschaft – ein Jahr Getreide, ein Jahr Kartoffeln, ein Jahr ließ man das Vieh drauf weiden. Etwas ganz Ähnliches versuchen wir in Kenia auf unserer Farm in Langobaya. Und bezüglich des sozialen Miteinanders – die gesamte umliegende Gemeinde profitiert. Schulessen, helfende Hände, die sich etwas verdienen können, nicht als Almosen, sondern als Teil der Ernte. Vor allem aber, wir bilden Menschen aus, wie sie das ebenfalls hinbekommen.

Und damit sind wir beim zweiten Schlagwort – Hilfe zur Selbsthilfe.

Wir alle kennen den Spruch mit den Fischen. Nicht Fische geben, sondern das Fischen lehren.

So viele Organisationen haben diesen Spruch im Portfolio und so selten wird tatsächlich so gearbeitet. Natürlich bedeutet Schulbildung auch, dass irgendwann mal die Gemeinde ein paar gut ausgebildete junge Menschen in ihrem Kreis haben wird. Menschen mit Einkommen und damit heraus aus der Armut. Zumindest hofft man das.

Falls das Kind durchhält. Falls es später einen Arbeitsplatz bekommt. Falls die Gemeinde sich ein Beispiel daran nimmt und sich wirklich etwas ändert. Nur – das allein ist alles andere als Hilfe zur Selbsthilfe.

Denn es ist weiterhin – du bekommst alles gratis und musst selbst nichts tun. Nicht einmal umdenken.

Hilfe zur Selbsthilfe, wie wir es in Harambee verstehen, ist immer auch eine Forderung an die Empfänger – aufstehen, mittun, lernen, sich entwickeln.

Das beginnt damit, dass wir von unseren Eltern sehr wohl auch etwas verlangen. Was nicht immer bei allen klappt und die Kinder sollen natürlich nicht unter ihren Eltern leiden. Aber wir sind da gebetsmühlenartig unterwegs und lassen seit 20 Jahren nicht nach.

Saubere Schuluniformen, zu den Sprechtagen kommen, Feuerholz bringen. Ab 2026 verlangen wir einen kleinen Beitrag zum Schulessen.

Immer wieder die Frage – du kommst mit einem Plan, einem Wunsch an uns – was genau kannst und wirst du selbst leisten?

Hilfe zur Selbsthilfe heißt für mich außerdem nicht, dass Veränderung erst in einer fernen Zukunft geschehen wird. Wenn ich heute Familienbesuche mache, weiß ich, wer arbeitet wirklich mit an einer Verbesserung seines Lebens und wer nicht. Wer ist schon länger im Projekt und entwickelt bereits ein anderes Mindset.

Auch hier hilft die Landwirtschaft. Wir zeigen dir, wie es gehen könnte. Ganz individuell, selbst dann, wenn du nur einen Küchengarten hast. Gern auch mit einem kleinen Mikrokredit. Aber dann bist du gefragt. Die Arbeit machen wir nicht für dich.

Gerade erst haben wir einer alleinerziehenden Mutter Wasser auf ihr Grundstück geleitet. Jetzt kann sie das Farming betreiben, mit dem sie dann hoffentlich ihre zwei Buben besser durchbringen wird. Denn immer neue Essenspakete sind auf Dauer genau nicht nachhaltig und keine Hilfe zur Selbsthilfe.

Und für die größte Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe sorgen die Kinder selbst, die das, was sie bei uns lernen – und damit ist nicht Mathe und Englisch gemeint – nach Hause tragen und es dort den Eltern beibringen. Und das ist in erster Linie, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Leben.

Alles, was wir so tun, tun wir in Kilifi, gleichzeitig Stadt und Bundesstaat, einer von insgesamt 47 Bundesstaaten, Counties, in Kenia.
Kenia hat 2010 in einer Verfassungsänderung mehr auf Dezentralisierung gesetzt und das ganze Land eben in 47 halbautonome Verwaltungseinheiten geteilt. An der Spitze jeweils der Gouverneur.
Und jedes der Counties ist unterteilt in Sub-Counties und diese wiederum in Wards.

Wir sind – von klein zu groß daher mit einer Schule im Ward Kibarani und mit der anderen im Ward Tezo, beide im Subcounty Kilifi North.
Und ja, wir haben mal klein angefangen, nahe der Verwaltungshauptstadt vom County Kilifi, der Stadt Kilifi mit geschätzt derzeit 30.000 Einwohnern (Kilifi County hat ungefähr 1,1 Millionen Einwohner). Damals hieß die Gegend, in der wir behutsam mit einer Schule begonnen haben, noch Seahorse und der Name ist in der Bevölkerung nach wie vor präsent. Wenn uns also jemand mal besuchen mag und nicht so genau weiß, wohin, dann einfach sagen – Seahorse, Vonwald School.
Kilifi liegt am gleichnamigen Creek, einem Ausläufer des Indischen Ozeans, der sich 2km ins Landesinnere zieht. Und man erreicht Kilifi über eine sensationelle Brücke, 420 Meter lang und 1991 fertig gestellt.

Inzwischen haben wir aber schon so ziemlich überall in Kilifi County geholfen. Zu den Subcounties gehören noch Kilifi Süd, Rabai, Ganze, Kaloleni, Malindi und Maragarini) Und ich erinnere mich, als es vor vier Jahren die schwere Dürre gab und wir an mehr als 1200 Familien im ganzen County Essenspakete ausgeliefert haben. Da waren wir wirklich einmal in jeder Region, die Menschen kennen uns also.
In Rabai haben wir viele Jahre der ganzen Gemeinde geholfen, in Ganze ebenfalls mehreren Schulen und einzelnen Familien plus einer öffentlichen Toilette.
Echte dauerhafte Präsenz war aber eben bisher nur in Kilifi Nord, dort stehen unsere beiden eigenen Schulen und unsere Partnerschulen.
Mit der Farm in Langobaya erobern wir jetzt eine neue Gegend. Denn Langobaya gehört zum Subcounty Malindi und dort zum Bezirk/Ward Jilore. Lebensader ist hier der Sabaki River, der je nach Gegend, die er durchfließt immer wieder anders heißt, bei uns nennt man ihn auch Galana River. Und wie schon ein paarmal erwähnt, wollen wir hier mit der Farm als Zentrum auch der Gemeinde helfen. Nein, keine eigene Schule mehr, es gibt einige öffentliche hier, alle in absolut katastrophalem Zustand. Und natürlich gehen wir hier nicht einfach zu einer Schule und sagen – wir sind da. Der erste Gang ist immer zu allen örtlichen Führungskräften bis hin zum MP (Member of Parliament) der Region, das ist für Malindi eine Frau, plus Unterrichtsministerium, Jugendamt usw. Ganz viele davon werden bei unserer Feier am 23. Jänner dabei sein. Wir machen uns also wieder nützlich. Jetzt am Anfang wird es ein monatliches privates Geld von mir für die Gemeinde sein, so wie schon vor 20 Jahren in Seahorse.
Aber mal schauen, was dann daraus entsteht. Immer wieder ein neuer Anfang und immer wieder bringen wir so auch Hoffnung, dass eine Region gesehen und nicht vergessen wird.

In einer Patenschaft ist ja bei uns nicht nur alles rund um den Schulbesuch plus mindestens eine warme Mahlzeit in externen Schulen, mindestens zwei in unseren beiden Schulen abgedeckt, sondern auch – wie ich es immer beschreibe – eine Basisabsicherung im Krankheitsfall. Und ganz oft werde ich, teilweise auch von anderen Organisationen und Vereinen, gefragt, wie geht das? Gibt es denn eine Krankenversicherung für die Kinder?
Nun, leider ist es nicht mehr so leicht. Ja, die gab es früher mal auf einfache Weise und wir hatten schon seit Jahren alle unsere Kinder dort registriert. Eine staatlich geförderte Versicherung für alle Menschen in Kenia. Die gibt es auch heute noch. Wer von seinem Arbeitgeber ordnungsgemäß beschäftigt wird, ist dort auch automatisch versichert und mit ihm/ihr die Kinder. Der Arbeitgeber nimmt es vom Bruttogehalt und legt seinen Anteil dazu, ganz wie bei uns auch.
Nur – solch ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis, wie wir es für alle unsere mehr als 120 Mitarbeiter/innen haben, existiert in Kenia nur in wirklich großen Firmen, in internationalen, nicht einmal überall im Staatsdienst. Hier wurstelt man sich lieber mit Praktika durch, für die man dann weder Steuern noch Versicherung zahlen muss. Und dabei sind viele sehr erfinderisch. Oft bekommt man auf Nachfrage die Antwort, klar, ist ordentlich bei uns beschäftigt. Weil man damit meint, nicht nur Tagelöhner, sondern er/sie bekommt sein/ihr Gehalt regelmäßig jeden Monat. Aber Steuern? Versicherungsleistung (die ja auch bei Mutterschutz oder Pension greift)? Fehlanzeige.
Natürlich kann sich jeder auf Wunsch selbst versichern, nur, das ist teuer. Macht also niemand. Man betet, dass eben nichts passiert. Und versäumt so gerade für die Kinder sehr oft Untersuchungen, behandelt den Armbruch nicht oder das Fieber, erkennt die Sichelzellenanämie nicht oder Malaria.
Auch für uns wäre das teuer gewesen, nur im alten System gab es für Organisationen die Möglichkeit der Gruppenversicherung. Dazu musste man Minimum 100 Kinder anmelden, und das hatten wir so all die Jahre.
Dann vor zwei Jahren, große Neugestaltung, Versicherungen fusionierten, es gab neue Regeln, und ja, wir könnten unsere Kinder noch immer versichern, allerdings wesentlich teurer und – mit gaaaanz viel Bürokratie. Unter anderem das schier unüberwindbare Hindernis, dass ein Elternteil eine ID Karte und eine Geburtsurkunde brauchte und sich ebenfalls versichern lassen musste. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Aber ich habe ja inzwischen ein Netzwerk, Freunde, die ich regelmäßig treffe. Unter anderem den Inhaber der privaten Khairat Klinik, Dr. Mahfoud. Natürlich ist die Klinik auch gewinnorientiert, Dr. Mahfoud, den ich inzwischen zu einem wirklich guten Freund zählen darf, ist aber auch ein Philanthrop. Und als er mich so verzweifelt sah, machte er den Vorschlag, alle Kinder bei ihm registrieren, eine kleine monatliche Gebühr pro Kind und sie dürfen alle kommen. Gratis.
Und das funktioniert hervorragend, inzwischen haben wir für unsere Kinder eine eigene Abteilung im ersten Stock mit eigenem Arzt, Schwester und Verantwortlichem.
Inkludiert in dieser Zahlung sind alle Dinge, wegen denen man auch bei uns zum Kinderarzt gehen würde, ausgenommen natürlich aufwendige Untersuchungen wie CT und Operationen. Aber selbst hier kann man mit Dr. Mahfoud reden, in Raten zahlen, handeln. Er schickt niemanden weg.
Daher, nein, unsere Kinder sind nicht versichert, sie haben aber alle die Möglichkeit, im Krankheitsfall einen Arzt zu konsultieren, ein Röntgen in Anspruch zu nehmen, einen Gips zu erhalten und Medikamente.
Und regelmäßig schickt uns das Khairat Spital Gemeindeschwestern oder Ärzte für Impfaktionen, Augen- und Ohrenuntersuchungen, Vitamin A Substitution oder Entwurmung. Oder auch für Vorträge über Hygiene und Geburtenkontrolle für unsere älteren Kinder oder Mütter.
Daher auch hier – geht nicht, gibts nicht.

Es ist geschafft. Wieder hat ein Jahrgang die Matura (Abitur) geschafft, also soll heißen, die letzte Prüfung war am Freitag, dann eine kleine Party und Ansprachen, ja – und dann geht es hinaus ins Leben. 51 junge Menschen können sagen – Schule abgehakt.
Wir versuchen immer, diese drei Wochen rund um die Prüfung so fein wie möglich zu machen. Die Kinder/jungen Menschen sind ja in Boarding, bekommen gutes Essen, können am späten Nachmittag und Samstag/Sonntag schwimmen, Basketball spielen, Musik machen. Es soll eine Zeit für sie sein, die sie nicht nur als belastend empfinden, sondern die sie auch als eine tolle letzte Schulzeit in Erinnerung behalten.
Jetzt sind mal alle zuhause, Weihnachtsferien mehr als verdient.
Im Januar sammeln wir dann alle wieder ein und erklären nochmals, was jetzt zu tun ist: ID-Card beantragen, Bankkonto eröffnen, manche bekommen von ihren Paten den Führerschein geschenkt, da wäre jetzt Zeit. Und sobald dann, meistens gegen Mitte/Ende Januar die Resultate vorliegen, geht es an die Karriereplanung. Und das ist eine Wissenschaft. Gesamtnote, Note in einzelnen Fächern, welche Interessen und – mein Anliegen – was braucht die Gesellschaft, die Wirtschaft, der Staat?
Dann, sobald mal klar ist, was ist möglich und realistisch, einloggen in ein zentrales Register und Ansuchen um Stipendium. Ohne würden wir das auch mit drei oder vier Paten nicht bewältigen können. Dazu Gespräche mit den Eltern, die meistens keine Meinung haben, sich nicht auskennen, die aber ins Boot geholt werden müssen.
„Dies sind eure Kinder, nicht unsere. Ihr müsst Verantwortung übernehmen“. Zumindest für das Essen aufkommen oder die Miete im Hostel, je nach Möglichkeiten.
Danach dauert es. Colleges starten ganz unterschiedlich, manche im März, manche im Mai. Aber für die Unis heißt es warten bis September.
In der Zwischenzeit bieten wir einigen der Kandidaten Mitarbeit bei uns. In der Schule, auf der Farm, aber auch in unseren Partnerschulen oder in der Special Unit Klasse. Du willst Sozialpädagogik studieren oder Lehrerin werden – na dann, hol dir schon mal Praxiszeit. Und dafür zahlen wir bzw. die Paten ein kleines Taschengeld, weil wir den Patenbeitrag normal weiterlaufen lassen.
All das verlangt viel Logistik, Mitdenken und – Liebe. Man muss sich wirklich für jedes Kind interessieren. Und da bin ich froh über das großartige Team vor Ort.
Eins meiner persönlichen Mädchen, Sophia, ist auch gerade fertig mit der Matura. Seit der 8. Klasse liegt sie mir in den Ohren mit einem Handy. Das sie jetzt bekommen hat. Da ich ja immer auch viele Kinderfotos aller unserer Kids habe, ist das meistens eine der ersten Aktionen, die ich mache – ich schicke ihnen ihre Vergangenheit. Immer mit den Worten – I kept your memory.
Man muss sich ja vorstellen, keins dieser Kinder hat irgendwelche Fotos aus dem Leben. Nichts. Und sie sind so gerührt. Und ich bekam gestern zurück – „Mum, I see who I was and who I am now. And sometimes I want to be the little girl again.”
Das kennen wir alle, oder? Man freut sich auf – endlich keine Schule mehr – und wenn der Tag dann da ist, möchte man wieder zurück schlüpfen und klein sein und ohne Verantwortung. Dass diese Verantwortung aber nicht zur Bürde wird, dafür versuchen wir zu sorgen in einem Land, indem diese Kids aus der Armut keine Vorbilder haben, keine Leitbilder im Elternhaus.
Die Vonwald-Schule wird immer ihr Zuhause sein, und viele von ihnen werden irgendwann zurück kommen und bei uns arbeiten.
Kreislauf des Lebens.

Alle, die es mitverfolgt haben, wissen, Landwirtschaft ist neben Schulbildung eine wesentliche Säule unserer Arbeit. Landwirtschaft gibt Essen und Arbeit und lehrt Menschen, sich zu versorgen. Und genau das ist auch das Konzept. Wir bauen nicht nur an, nicht nur nachhaltig als Abkehr von Monokulturen, viel Chemie und Wasserverschwendung, sondern wir zeigen Menschen auch, wie kann ich das auf meinem Land ebenfalls umsetzen. Und zwar von großer Fläche bis Küchengarten und vertical gardening.

Wir haben das all die Jahre auf unserem Schulgrundstück im Kleinen gemacht und tun es jetzt in Langobaya im Großen.

Langobaya liegt im Gebiet Malindi direkt am Galana River, einem ganzjährig Wasser führenden Fluss.

Ich habe hier privat vor vielen Jahren Land gekauft und – irgendwie vergessen. Immerhin 24.000 m2. Vor drei Jahren nun bei einer Bestandsaufnahme aller unserer Werte in Kenia, haben wir dann diskutiert – verkaufen oder behalten und wenn behalten, was machen wir daraus. Sinnvoll und immer so, dass auch die Gemeinde drumherum profitiert.  Also haben wir zuerst einmal noch dazu gekauft, besitzen derzeit 60.000 m2,  und haben dann behutsam mit Landwirtschaft begonnen.

Das Ziel ist es, umliegende Schulen immer wieder mal mit Nahrungsmitteln zu versorgen, der Bevölkerung Ausbildung und Arbeit zu geben und eine Art ab Hof Verkauf zu installieren. Außerdem sollen Schulklassen kommen können, die dort ebenfalls mal das größere Bild sehen.

Und schließlich haben wir vor wenigen Tagen einen Vertrag mit der Pwani Universität abgeschlossen, sodass in Zukunft auch Studenten der Landwirtschaft hier praktisch arbeiten können, Erfahrungen sammeln, Ideen umsetzen und – ganz wichtig – Fehler machen dürfen. Denn wenn man davon leben muss, wie die kleinen Farmer in der Region, dann traut man sich keine Experimente zu, keine neuen Gemüsesorten, kein anderes Getreide als das immer gleiche. Denn wenn es schiefgeht, ist die Existenz bedroht und es erwartet die ganze Familie Hunger. Mit dieser Angst im Gepäck gibt es aber keine Entwicklung.

Um all das umzusetzen braucht es natürlich eine Infrastruktur und – Wasser.

Der Galan River bringt zwar Wasser, das muss aber auf die Felder gepumpt werden und jedes Feld muss mit einer Tröpfchenbewässerung ausgestattet werden. Und es gibt keinen Strom, daher müssen es Solarpumpen sein. Und dazu mehrere Wassertanks, später ist auch angedacht ein unterirdischer Tank für Regenwasser, wie wir ihn in unserer Schule haben.

Um Schulklassen zu empfangen, braucht es ordentliche Toiletten, vielleicht ein kleines Gästehaus, ein Büro, einen kleinen Meetingraum und einen Raum, wo jemand von unseren Leuten auch mal schlafen kann.

Ja, und all das entsteht jetzt durch eine mehr als großzügige Spende der Stiftung „Crossing Borders“.

Derzeit wuselt es auf dem Land, mehr als 38 Arbeiter bekommen gerade Lohn, was vor allem jetzt vor Weihnachten ein Segen für die Familien ist. Und natürlich kann man so etwas Großes nicht betreiben, ohne dass die Nachbarn, die Bevölkerung etwas davon hat. Daher fördern wir derzeit die Schulen im Ort, schicken Kinder nächstes Jahr zur Schule, kaufen Schulbänke und Schuhe und von mir privat wird es das geben, was ich jetzt jahrelang in Rabai hatte – ein monatlicher von uns verwalteter Betrag X, die Gemeinde entscheidet demokratisch, was damit gemacht wird, die Widmung ist – ausschließlich für Schulbildung. Also, Kindern mal das Schulgeld zahlen, Schuluniformen, Rückstände, Hefte, Bücher usw. Jede Familie soll einmal dran kommen, denn nur das erhält auf Dauer den Frieden.

Und wir hoffen, dass uns irgendwer nächstes Jahr einen Traktor spendet, denn den zu mieten ist jedesmal teuer und eine Herausforderung. Wir könnten damit auch anderen Farmern helfen.

Jedenfalls wird es im Jänner große Eröffnung geben mit einem Fest für die gesamte Gemeinde. Bei uns passiert nichts hinter verschlossenen Toren.

 

 

Die meisten wissen es ja, wir heißen in Kenia Gapeka und sind eine registrierte NGO. Warum das so ist, hab ich ja schon in meinem Buch geschildert. In Kurzform, als ich 2010 unsere Arbeit auch ordentlich registrieren lassen wollte, wurde mir von der Behörde in Nairobi gesagt, Harambee wird nicht akzeptiert, weil es ein Ausdruck aus dem nationalen Selbstverständnis Kenias ist und sich niemand so nennen darf. Da es schnell gehen musste, entstand Gapeka als Abkürzung von GAbi, PEter, KArani, also die drei Gründer. Inzwischen mit dem Zusatz „Gapeka Children’s Hope Center“.

Warum eine NGO und nicht eine lokale CBO (Community Based Organisation)? Auch das ist einfach erklärt. Nicht nur, dass eine CBO ausschließlich lokal arbeiten darf, also nicht mal im gesamten County, es ging mir um Sicherheit unserer Spenden.

Eine CBO ist nicht geschützt. Jederzeit können die Gründer sage, es reicht, dann wird das Vermögen untereinander aufgeteilt und gut ist. Bei einer NGO hat weder der Staat noch eine Privatperson Zugriff, es muss zwingend wieder an eine NGO gehen.

Außerdem, und das ist einer der Hauptgründe, ja, Kenia ist ein korruptes Land. CBOs werden wenn überhaupt nur auf lokaler Ebene kontrolliert. Da wechselt einfach mal ein Schein die Taschen und schon wird alles abgesegnet und die meisten Sponsoren kennen sich ja ohnehin nicht aus.  Bei einer NGO kontrolliert eine zentrale Stelle in Nairobi, vorher muss ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer alles aufbereiten und seinen Sanktus geben und dieser Wirtschaftsprüfer muss alle drei Jahre gewechselt werden, damit eben keinerlei Vetternwirtschaft möglich ist.

Solch eine NGO besteht aus dem Leaderboard oder auch „Board of Directors“ genannt, anfangs war mein lieber Freund und Mitgründer Richard Karani hier der Obmann („chair“), heute (Karani wird demnächst 80) ist es mein ebenfalls guter Freund Prof. Katana. Ich selbst bin Gründungsmitglied und hab den Titel „Executive Director“.

Und dieses Leaderboard ist praktisch die Legislative, wo alles beschlossen wird, was dann später durch unseren CEO umgesetzt werden muss. Offiziell hatte ich bisher als Nicht-Kenianerin keine Stimme, inoffiziell bin ich die Stimme, denn ich vertrete die Gesamtheit der österreichischen Spender.

So, und nun wird sich, lange vorbereitet, im nächsten Jahr vieles ändern. Aus den bisherigen NGOs des Landes werden PBOs – Public Benefit Organisation. Es gibt noch strengere Kontrollen, noch mehr Auflagen, es gibt aber auch Vorteile. PBOs haben Sonderstellung, werden von der Regierung von Lokal- bis Landesebene hinzugezogen, wir dürfen sogar kleinere Organisationen auf lokaler Ebene kontrollieren und beraten. Und – es braucht keine 10 Leaderboardmitglieder mehr und ausländische Menschen wie ich haben volles Stimmrecht.

Und daher darf ich verkünden, weil ja auch immer gefragt wird, wie würde es denn ohne dich weitergehen und was, wenn dir mal was passiert – mit kommendem Jahr wird unsere liebe Mag. Sarah Eidler auch in Kenia im Vorstand von Gapeka sitzen, gemeinsam mit mir, dem Obmann, Prof. Katana, unserer Dorfältesten, Madam Conny aus Old Ferry, und Mr. Ngala.

Gratulation liebe Sarah, mehr als verdient. Wir rocken das;-))

 

 

Ich habe lange überlegt, ob ich Stellung beziehen soll, ob ich mich äußern soll. Einige haben mir abgeraten, andere aber fragen direkt – wie ist das denn bei euch. Und jetzt sind es schon zwei Dinge, die es vielleicht klarzustellen gilt.

Zunächst einmal, beginnend mit unserem Nachbarland Deutschland, gibt es ja seit einiger Zeit die Diskussion über die Rolle von NGOs und deren Förderung mit Steuergeld. Um es gleich klarzustellen, ich bin absolut dagegen, außer solch eine NGO tut auch tatsächlich etwas für seine Bürger. Aber – wir sind keine NGO in Österreich/Europa, wir sind ein Verein. Und verglichen mit anderen immer noch klein und überschaubar. Wir finanzieren uns ausschließlich über private Spenden und bekommen keinerlei steuerliche Zuwendung. Entwarnung also.

Hier ging es also ausschließlich um Geld. Das war einfach.

Die zweite Sache wiegt so viel schwerer und wenn ich lese – vertraue keiner Organisation, die mit Kindern zu tun hat, dann trifft mich das mitten ins Herz.

Gemeint ist Herman Gmeiner, ein Österreicher, verstorben 1986 und Gründer der weltweiten SOS-Kinderdörfer. Und der ganz offenbar und bewiesen in mehreren Fällen Buben missbraucht hat. Absolut nicht zu entschuldigen. Abscheulich. Herr Gmeiner war für mich immer eine Lichtgestalt, jemand, den ich bewundert hatte für diese einmalige Idee. Und die Idee ist bis heute gut und ich hoffe für alle betroffenen Kinder, dass alles aufgeklärt wird und sich trotzdem alle Häuser weltweit erhalten können. Ich freue mich keineswegs, wenn andere scheitern. Auch nicht bei kleinen Vereinen, die in Kenia helfen wollen, und da sehe ich seit 20 Jahren viele scheitern. Weil jedes Scheitern Wasser auf die Mühlen derer ist, die sagen – denen kann man nicht trauen. Wer weiß, ob mein Geld ankommt. Ich spende nichts.

Warum ich so sicher bin, dass sowas wie die SOS-Angelegenheit bei uns nicht passieren wird, möchte ich hier kurz auflisten:

  1. Wir haben keine europäischen Mitarbeiter/innen in Kenia. Es fliegen manchmal Paten hinunter, die rund um die Uhr betreut werden und die man nicht allein mit den Kindern lässt. Aber alle anderen sind Kenianer, die fest angestellt sind.
  2. Wir sind in Kenia gut vernetzt und eingebunden in die Gemeinde, stehen unter Beobachtung aller Familien und Eltern und arbeiten eng mit dem Jugendamt zusammen.
  3. Wir haben engagierte Sozialarbeiterinnen – ja, Frauen, eine Psychologin, unsere Kinder sind nicht mit irgendwem allein.
  4. In unserem TCC-Haus, in dem derzeit 30 jüngere Kinder während der Schulzeit leben, werden alle von zwei engagierten Frauen betreut und einmal wöchentlich von unserer Sozialarbeiterin besucht.
  5. Die Strafen für jede Art von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige sind in Kenia gewaltig. Da bleibt es nicht bei Verwarnungen oder einem „das tut man nicht“, da gibt es viele Jahre Gefängnis und kenianische Gefängnisse sind keine Komfortzone.
  6. Und schließlich – wir operieren nicht weltweit in einem riesigen Konzern, nicht einmal Kenia-weit. Wir helfen in einer Gemeinde, wo man sich kennt, wo man alles gut überschauen kann und es keine Geheimnisse gibt.

Das heißt, ich kann nicht garantieren, ob Kenianer das kenianischen Kindern zuhause antun. Ich kann aber garantieren, dass es niemand in der Organisation den uns anvertrauten Kindern antut. Seit ich begonnen habe, tue ich alles, Menschen zu sensibilisieren für jede Art von sexueller Belästigung, sexueller Übergriffe, egal ob Kinder oder Erwachsene. Beim kleinsten Verdacht schalten wir die Polizei ein oder im Falle sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wird sofort gekündigt. Und ja, auch Führungspersonal.

Daher meine Bitte – Hinschauen überall, aber bitte nicht alles in Frage stellen und Hilfe einstellen. Dann hätten die A…löcher gewonnen.

Dr. h.c. Gabriela Vonwald