Geht es Ihnen auch so? Mir kommt manchmal vor, die heutige Welt ist auf ein paar Schlagworte geschrumpft, jeder verwendet sie, jeder hört sie und niemand hinterfragt sie.

Nachhaltigkeit ist so ein Wort.

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und bedeutet im Grunde – nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt. Bäume wachsen langsam, man sollte also nie mehr abholzen, als nachwachsen kann.

Heute verwenden wir Nachhaltigkeit überall, in Bezug auf Umweltschutz, Klimakrise, Landwirtschaft und soziales Miteinander. Und ja, auch Hilfsorganisationen benutzen ihn, vor allem, wenn sie mit Landwirtschaftsprojekten befasst sind. Hier bedeutet Nachhaltigkeit vor allem, sorgsam mit den Ressourcen dieses Planeten umzugehen, eine Verteilungsgerechtigkeit anzustreben und dem Boden nicht so viel zu entziehen, dass kommende Generationen nichts mehr übrig haben.

Auch wir bemühen uns um Nachhaltigkeit. Indem wir beispielsweise den Boden nicht auslaugen, sondern kluge Pflanzenkombinationen machen. Ich bin selbst ein Farmkind, aufgewachsen auf dem Bauernhof meiner Großeltern. Damals gab es die sogenannte Drei-Felder-Wirtschaft – ein Jahr Getreide, ein Jahr Kartoffeln, ein Jahr ließ man das Vieh drauf weiden. Etwas ganz Ähnliches versuchen wir in Kenia auf unserer Farm in Langobaya. Und bezüglich des sozialen Miteinanders – die gesamte umliegende Gemeinde profitiert. Schulessen, helfende Hände, die sich etwas verdienen können, nicht als Almosen, sondern als Teil der Ernte. Vor allem aber, wir bilden Menschen aus, wie sie das ebenfalls hinbekommen.

Und damit sind wir beim zweiten Schlagwort – Hilfe zur Selbsthilfe.

Wir alle kennen den Spruch mit den Fischen. Nicht Fische geben, sondern das Fischen lehren.

So viele Organisationen haben diesen Spruch im Portfolio und so selten wird tatsächlich so gearbeitet. Natürlich bedeutet Schulbildung auch, dass irgendwann mal die Gemeinde ein paar gut ausgebildete junge Menschen in ihrem Kreis haben wird. Menschen mit Einkommen und damit heraus aus der Armut. Zumindest hofft man das.

Falls das Kind durchhält. Falls es später einen Arbeitsplatz bekommt. Falls die Gemeinde sich ein Beispiel daran nimmt und sich wirklich etwas ändert. Nur – das allein ist alles andere als Hilfe zur Selbsthilfe.

Denn es ist weiterhin – du bekommst alles gratis und musst selbst nichts tun. Nicht einmal umdenken.

Hilfe zur Selbsthilfe, wie wir es in Harambee verstehen, ist immer auch eine Forderung an die Empfänger – aufstehen, mittun, lernen, sich entwickeln.

Das beginnt damit, dass wir von unseren Eltern sehr wohl auch etwas verlangen. Was nicht immer bei allen klappt und die Kinder sollen natürlich nicht unter ihren Eltern leiden. Aber wir sind da gebetsmühlenartig unterwegs und lassen seit 20 Jahren nicht nach.

Saubere Schuluniformen, zu den Sprechtagen kommen, Feuerholz bringen. Ab 2026 verlangen wir einen kleinen Beitrag zum Schulessen.

Immer wieder die Frage – du kommst mit einem Plan, einem Wunsch an uns – was genau kannst und wirst du selbst leisten?

Hilfe zur Selbsthilfe heißt für mich außerdem nicht, dass Veränderung erst in einer fernen Zukunft geschehen wird. Wenn ich heute Familienbesuche mache, weiß ich, wer arbeitet wirklich mit an einer Verbesserung seines Lebens und wer nicht. Wer ist schon länger im Projekt und entwickelt bereits ein anderes Mindset.

Auch hier hilft die Landwirtschaft. Wir zeigen dir, wie es gehen könnte. Ganz individuell, selbst dann, wenn du nur einen Küchengarten hast. Gern auch mit einem kleinen Mikrokredit. Aber dann bist du gefragt. Die Arbeit machen wir nicht für dich.

Gerade erst haben wir einer alleinerziehenden Mutter Wasser auf ihr Grundstück geleitet. Jetzt kann sie das Farming betreiben, mit dem sie dann hoffentlich ihre zwei Buben besser durchbringen wird. Denn immer neue Essenspakete sind auf Dauer genau nicht nachhaltig und keine Hilfe zur Selbsthilfe.

Und für die größte Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe sorgen die Kinder selbst, die das, was sie bei uns lernen – und damit ist nicht Mathe und Englisch gemeint – nach Hause tragen und es dort den Eltern beibringen. Und das ist in erster Linie, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Leben.

Alles, was wir so tun, tun wir in Kilifi, gleichzeitig Stadt und Bundesstaat, einer von insgesamt 47 Bundesstaaten, Counties, in Kenia.
Kenia hat 2010 in einer Verfassungsänderung mehr auf Dezentralisierung gesetzt und das ganze Land eben in 47 halbautonome Verwaltungseinheiten geteilt. An der Spitze jeweils der Gouverneur.
Und jedes der Counties ist unterteilt in Sub-Counties und diese wiederum in Wards.

Wir sind – von klein zu groß daher mit einer Schule im Ward Kibarani und mit der anderen im Ward Tezo, beide im Subcounty Kilifi North.
Und ja, wir haben mal klein angefangen, nahe der Verwaltungshauptstadt vom County Kilifi, der Stadt Kilifi mit geschätzt derzeit 30.000 Einwohnern (Kilifi County hat ungefähr 1,1 Millionen Einwohner). Damals hieß die Gegend, in der wir behutsam mit einer Schule begonnen haben, noch Seahorse und der Name ist in der Bevölkerung nach wie vor präsent. Wenn uns also jemand mal besuchen mag und nicht so genau weiß, wohin, dann einfach sagen – Seahorse, Vonwald School.
Kilifi liegt am gleichnamigen Creek, einem Ausläufer des Indischen Ozeans, der sich 2km ins Landesinnere zieht. Und man erreicht Kilifi über eine sensationelle Brücke, 420 Meter lang und 1991 fertig gestellt.

Inzwischen haben wir aber schon so ziemlich überall in Kilifi County geholfen. Zu den Subcounties gehören noch Kilifi Süd, Rabai, Ganze, Kaloleni, Malindi und Maragarini) Und ich erinnere mich, als es vor vier Jahren die schwere Dürre gab und wir an mehr als 1200 Familien im ganzen County Essenspakete ausgeliefert haben. Da waren wir wirklich einmal in jeder Region, die Menschen kennen uns also.
In Rabai haben wir viele Jahre der ganzen Gemeinde geholfen, in Ganze ebenfalls mehreren Schulen und einzelnen Familien plus einer öffentlichen Toilette.
Echte dauerhafte Präsenz war aber eben bisher nur in Kilifi Nord, dort stehen unsere beiden eigenen Schulen und unsere Partnerschulen.
Mit der Farm in Langobaya erobern wir jetzt eine neue Gegend. Denn Langobaya gehört zum Subcounty Malindi und dort zum Bezirk/Ward Jilore. Lebensader ist hier der Sabaki River, der je nach Gegend, die er durchfließt immer wieder anders heißt, bei uns nennt man ihn auch Galana River. Und wie schon ein paarmal erwähnt, wollen wir hier mit der Farm als Zentrum auch der Gemeinde helfen. Nein, keine eigene Schule mehr, es gibt einige öffentliche hier, alle in absolut katastrophalem Zustand. Und natürlich gehen wir hier nicht einfach zu einer Schule und sagen – wir sind da. Der erste Gang ist immer zu allen örtlichen Führungskräften bis hin zum MP (Member of Parliament) der Region, das ist für Malindi eine Frau, plus Unterrichtsministerium, Jugendamt usw. Ganz viele davon werden bei unserer Feier am 23. Jänner dabei sein. Wir machen uns also wieder nützlich. Jetzt am Anfang wird es ein monatliches privates Geld von mir für die Gemeinde sein, so wie schon vor 20 Jahren in Seahorse.
Aber mal schauen, was dann daraus entsteht. Immer wieder ein neuer Anfang und immer wieder bringen wir so auch Hoffnung, dass eine Region gesehen und nicht vergessen wird.

In einer Patenschaft ist ja bei uns nicht nur alles rund um den Schulbesuch plus mindestens eine warme Mahlzeit in externen Schulen, mindestens zwei in unseren beiden Schulen abgedeckt, sondern auch – wie ich es immer beschreibe – eine Basisabsicherung im Krankheitsfall. Und ganz oft werde ich, teilweise auch von anderen Organisationen und Vereinen, gefragt, wie geht das? Gibt es denn eine Krankenversicherung für die Kinder?
Nun, leider ist es nicht mehr so leicht. Ja, die gab es früher mal auf einfache Weise und wir hatten schon seit Jahren alle unsere Kinder dort registriert. Eine staatlich geförderte Versicherung für alle Menschen in Kenia. Die gibt es auch heute noch. Wer von seinem Arbeitgeber ordnungsgemäß beschäftigt wird, ist dort auch automatisch versichert und mit ihm/ihr die Kinder. Der Arbeitgeber nimmt es vom Bruttogehalt und legt seinen Anteil dazu, ganz wie bei uns auch.
Nur – solch ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis, wie wir es für alle unsere mehr als 120 Mitarbeiter/innen haben, existiert in Kenia nur in wirklich großen Firmen, in internationalen, nicht einmal überall im Staatsdienst. Hier wurstelt man sich lieber mit Praktika durch, für die man dann weder Steuern noch Versicherung zahlen muss. Und dabei sind viele sehr erfinderisch. Oft bekommt man auf Nachfrage die Antwort, klar, ist ordentlich bei uns beschäftigt. Weil man damit meint, nicht nur Tagelöhner, sondern er/sie bekommt sein/ihr Gehalt regelmäßig jeden Monat. Aber Steuern? Versicherungsleistung (die ja auch bei Mutterschutz oder Pension greift)? Fehlanzeige.
Natürlich kann sich jeder auf Wunsch selbst versichern, nur, das ist teuer. Macht also niemand. Man betet, dass eben nichts passiert. Und versäumt so gerade für die Kinder sehr oft Untersuchungen, behandelt den Armbruch nicht oder das Fieber, erkennt die Sichelzellenanämie nicht oder Malaria.
Auch für uns wäre das teuer gewesen, nur im alten System gab es für Organisationen die Möglichkeit der Gruppenversicherung. Dazu musste man Minimum 100 Kinder anmelden, und das hatten wir so all die Jahre.
Dann vor zwei Jahren, große Neugestaltung, Versicherungen fusionierten, es gab neue Regeln, und ja, wir könnten unsere Kinder noch immer versichern, allerdings wesentlich teurer und – mit gaaaanz viel Bürokratie. Unter anderem das schier unüberwindbare Hindernis, dass ein Elternteil eine ID Karte und eine Geburtsurkunde brauchte und sich ebenfalls versichern lassen musste. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Aber ich habe ja inzwischen ein Netzwerk, Freunde, die ich regelmäßig treffe. Unter anderem den Inhaber der privaten Khairat Klinik, Dr. Mahfoud. Natürlich ist die Klinik auch gewinnorientiert, Dr. Mahfoud, den ich inzwischen zu einem wirklich guten Freund zählen darf, ist aber auch ein Philanthrop. Und als er mich so verzweifelt sah, machte er den Vorschlag, alle Kinder bei ihm registrieren, eine kleine monatliche Gebühr pro Kind und sie dürfen alle kommen. Gratis.
Und das funktioniert hervorragend, inzwischen haben wir für unsere Kinder eine eigene Abteilung im ersten Stock mit eigenem Arzt, Schwester und Verantwortlichem.
Inkludiert in dieser Zahlung sind alle Dinge, wegen denen man auch bei uns zum Kinderarzt gehen würde, ausgenommen natürlich aufwendige Untersuchungen wie CT und Operationen. Aber selbst hier kann man mit Dr. Mahfoud reden, in Raten zahlen, handeln. Er schickt niemanden weg.
Daher, nein, unsere Kinder sind nicht versichert, sie haben aber alle die Möglichkeit, im Krankheitsfall einen Arzt zu konsultieren, ein Röntgen in Anspruch zu nehmen, einen Gips zu erhalten und Medikamente.
Und regelmäßig schickt uns das Khairat Spital Gemeindeschwestern oder Ärzte für Impfaktionen, Augen- und Ohrenuntersuchungen, Vitamin A Substitution oder Entwurmung. Oder auch für Vorträge über Hygiene und Geburtenkontrolle für unsere älteren Kinder oder Mütter.
Daher auch hier – geht nicht, gibts nicht.

Es ist geschafft. Wieder hat ein Jahrgang die Matura (Abitur) geschafft, also soll heißen, die letzte Prüfung war am Freitag, dann eine kleine Party und Ansprachen, ja – und dann geht es hinaus ins Leben. 51 junge Menschen können sagen – Schule abgehakt.
Wir versuchen immer, diese drei Wochen rund um die Prüfung so fein wie möglich zu machen. Die Kinder/jungen Menschen sind ja in Boarding, bekommen gutes Essen, können am späten Nachmittag und Samstag/Sonntag schwimmen, Basketball spielen, Musik machen. Es soll eine Zeit für sie sein, die sie nicht nur als belastend empfinden, sondern die sie auch als eine tolle letzte Schulzeit in Erinnerung behalten.
Jetzt sind mal alle zuhause, Weihnachtsferien mehr als verdient.
Im Januar sammeln wir dann alle wieder ein und erklären nochmals, was jetzt zu tun ist: ID-Card beantragen, Bankkonto eröffnen, manche bekommen von ihren Paten den Führerschein geschenkt, da wäre jetzt Zeit. Und sobald dann, meistens gegen Mitte/Ende Januar die Resultate vorliegen, geht es an die Karriereplanung. Und das ist eine Wissenschaft. Gesamtnote, Note in einzelnen Fächern, welche Interessen und – mein Anliegen – was braucht die Gesellschaft, die Wirtschaft, der Staat?
Dann, sobald mal klar ist, was ist möglich und realistisch, einloggen in ein zentrales Register und Ansuchen um Stipendium. Ohne würden wir das auch mit drei oder vier Paten nicht bewältigen können. Dazu Gespräche mit den Eltern, die meistens keine Meinung haben, sich nicht auskennen, die aber ins Boot geholt werden müssen.
„Dies sind eure Kinder, nicht unsere. Ihr müsst Verantwortung übernehmen“. Zumindest für das Essen aufkommen oder die Miete im Hostel, je nach Möglichkeiten.
Danach dauert es. Colleges starten ganz unterschiedlich, manche im März, manche im Mai. Aber für die Unis heißt es warten bis September.
In der Zwischenzeit bieten wir einigen der Kandidaten Mitarbeit bei uns. In der Schule, auf der Farm, aber auch in unseren Partnerschulen oder in der Special Unit Klasse. Du willst Sozialpädagogik studieren oder Lehrerin werden – na dann, hol dir schon mal Praxiszeit. Und dafür zahlen wir bzw. die Paten ein kleines Taschengeld, weil wir den Patenbeitrag normal weiterlaufen lassen.
All das verlangt viel Logistik, Mitdenken und – Liebe. Man muss sich wirklich für jedes Kind interessieren. Und da bin ich froh über das großartige Team vor Ort.
Eins meiner persönlichen Mädchen, Sophia, ist auch gerade fertig mit der Matura. Seit der 8. Klasse liegt sie mir in den Ohren mit einem Handy. Das sie jetzt bekommen hat. Da ich ja immer auch viele Kinderfotos aller unserer Kids habe, ist das meistens eine der ersten Aktionen, die ich mache – ich schicke ihnen ihre Vergangenheit. Immer mit den Worten – I kept your memory.
Man muss sich ja vorstellen, keins dieser Kinder hat irgendwelche Fotos aus dem Leben. Nichts. Und sie sind so gerührt. Und ich bekam gestern zurück – „Mum, I see who I was and who I am now. And sometimes I want to be the little girl again.”
Das kennen wir alle, oder? Man freut sich auf – endlich keine Schule mehr – und wenn der Tag dann da ist, möchte man wieder zurück schlüpfen und klein sein und ohne Verantwortung. Dass diese Verantwortung aber nicht zur Bürde wird, dafür versuchen wir zu sorgen in einem Land, indem diese Kids aus der Armut keine Vorbilder haben, keine Leitbilder im Elternhaus.
Die Vonwald-Schule wird immer ihr Zuhause sein, und viele von ihnen werden irgendwann zurück kommen und bei uns arbeiten.
Kreislauf des Lebens.

Alle, die es mitverfolgt haben, wissen, Landwirtschaft ist neben Schulbildung eine wesentliche Säule unserer Arbeit. Landwirtschaft gibt Essen und Arbeit und lehrt Menschen, sich zu versorgen. Und genau das ist auch das Konzept. Wir bauen nicht nur an, nicht nur nachhaltig als Abkehr von Monokulturen, viel Chemie und Wasserverschwendung, sondern wir zeigen Menschen auch, wie kann ich das auf meinem Land ebenfalls umsetzen. Und zwar von großer Fläche bis Küchengarten und vertical gardening.

Wir haben das all die Jahre auf unserem Schulgrundstück im Kleinen gemacht und tun es jetzt in Langobaya im Großen.

Langobaya liegt im Gebiet Malindi direkt am Galana River, einem ganzjährig Wasser führenden Fluss.

Ich habe hier privat vor vielen Jahren Land gekauft und – irgendwie vergessen. Immerhin 24.000 m2. Vor drei Jahren nun bei einer Bestandsaufnahme aller unserer Werte in Kenia, haben wir dann diskutiert – verkaufen oder behalten und wenn behalten, was machen wir daraus. Sinnvoll und immer so, dass auch die Gemeinde drumherum profitiert.  Also haben wir zuerst einmal noch dazu gekauft, besitzen derzeit 60.000 m2,  und haben dann behutsam mit Landwirtschaft begonnen.

Das Ziel ist es, umliegende Schulen immer wieder mal mit Nahrungsmitteln zu versorgen, der Bevölkerung Ausbildung und Arbeit zu geben und eine Art ab Hof Verkauf zu installieren. Außerdem sollen Schulklassen kommen können, die dort ebenfalls mal das größere Bild sehen.

Und schließlich haben wir vor wenigen Tagen einen Vertrag mit der Pwani Universität abgeschlossen, sodass in Zukunft auch Studenten der Landwirtschaft hier praktisch arbeiten können, Erfahrungen sammeln, Ideen umsetzen und – ganz wichtig – Fehler machen dürfen. Denn wenn man davon leben muss, wie die kleinen Farmer in der Region, dann traut man sich keine Experimente zu, keine neuen Gemüsesorten, kein anderes Getreide als das immer gleiche. Denn wenn es schiefgeht, ist die Existenz bedroht und es erwartet die ganze Familie Hunger. Mit dieser Angst im Gepäck gibt es aber keine Entwicklung.

Um all das umzusetzen braucht es natürlich eine Infrastruktur und – Wasser.

Der Galan River bringt zwar Wasser, das muss aber auf die Felder gepumpt werden und jedes Feld muss mit einer Tröpfchenbewässerung ausgestattet werden. Und es gibt keinen Strom, daher müssen es Solarpumpen sein. Und dazu mehrere Wassertanks, später ist auch angedacht ein unterirdischer Tank für Regenwasser, wie wir ihn in unserer Schule haben.

Um Schulklassen zu empfangen, braucht es ordentliche Toiletten, vielleicht ein kleines Gästehaus, ein Büro, einen kleinen Meetingraum und einen Raum, wo jemand von unseren Leuten auch mal schlafen kann.

Ja, und all das entsteht jetzt durch eine mehr als großzügige Spende der Stiftung „Crossing Borders“.

Derzeit wuselt es auf dem Land, mehr als 38 Arbeiter bekommen gerade Lohn, was vor allem jetzt vor Weihnachten ein Segen für die Familien ist. Und natürlich kann man so etwas Großes nicht betreiben, ohne dass die Nachbarn, die Bevölkerung etwas davon hat. Daher fördern wir derzeit die Schulen im Ort, schicken Kinder nächstes Jahr zur Schule, kaufen Schulbänke und Schuhe und von mir privat wird es das geben, was ich jetzt jahrelang in Rabai hatte – ein monatlicher von uns verwalteter Betrag X, die Gemeinde entscheidet demokratisch, was damit gemacht wird, die Widmung ist – ausschließlich für Schulbildung. Also, Kindern mal das Schulgeld zahlen, Schuluniformen, Rückstände, Hefte, Bücher usw. Jede Familie soll einmal dran kommen, denn nur das erhält auf Dauer den Frieden.

Und wir hoffen, dass uns irgendwer nächstes Jahr einen Traktor spendet, denn den zu mieten ist jedesmal teuer und eine Herausforderung. Wir könnten damit auch anderen Farmern helfen.

Jedenfalls wird es im Jänner große Eröffnung geben mit einem Fest für die gesamte Gemeinde. Bei uns passiert nichts hinter verschlossenen Toren.

 

 

Die meisten wissen es ja, wir heißen in Kenia Gapeka und sind eine registrierte NGO. Warum das so ist, hab ich ja schon in meinem Buch geschildert. In Kurzform, als ich 2010 unsere Arbeit auch ordentlich registrieren lassen wollte, wurde mir von der Behörde in Nairobi gesagt, Harambee wird nicht akzeptiert, weil es ein Ausdruck aus dem nationalen Selbstverständnis Kenias ist und sich niemand so nennen darf. Da es schnell gehen musste, entstand Gapeka als Abkürzung von GAbi, PEter, KArani, also die drei Gründer. Inzwischen mit dem Zusatz „Gapeka Children’s Hope Center“.

Warum eine NGO und nicht eine lokale CBO (Community Based Organisation)? Auch das ist einfach erklärt. Nicht nur, dass eine CBO ausschließlich lokal arbeiten darf, also nicht mal im gesamten County, es ging mir um Sicherheit unserer Spenden.

Eine CBO ist nicht geschützt. Jederzeit können die Gründer sage, es reicht, dann wird das Vermögen untereinander aufgeteilt und gut ist. Bei einer NGO hat weder der Staat noch eine Privatperson Zugriff, es muss zwingend wieder an eine NGO gehen.

Außerdem, und das ist einer der Hauptgründe, ja, Kenia ist ein korruptes Land. CBOs werden wenn überhaupt nur auf lokaler Ebene kontrolliert. Da wechselt einfach mal ein Schein die Taschen und schon wird alles abgesegnet und die meisten Sponsoren kennen sich ja ohnehin nicht aus.  Bei einer NGO kontrolliert eine zentrale Stelle in Nairobi, vorher muss ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer alles aufbereiten und seinen Sanktus geben und dieser Wirtschaftsprüfer muss alle drei Jahre gewechselt werden, damit eben keinerlei Vetternwirtschaft möglich ist.

Solch eine NGO besteht aus dem Leaderboard oder auch „Board of Directors“ genannt, anfangs war mein lieber Freund und Mitgründer Richard Karani hier der Obmann („chair“), heute (Karani wird demnächst 80) ist es mein ebenfalls guter Freund Prof. Katana. Ich selbst bin Gründungsmitglied und hab den Titel „Executive Director“.

Und dieses Leaderboard ist praktisch die Legislative, wo alles beschlossen wird, was dann später durch unseren CEO umgesetzt werden muss. Offiziell hatte ich bisher als Nicht-Kenianerin keine Stimme, inoffiziell bin ich die Stimme, denn ich vertrete die Gesamtheit der österreichischen Spender.

So, und nun wird sich, lange vorbereitet, im nächsten Jahr vieles ändern. Aus den bisherigen NGOs des Landes werden PBOs – Public Benefit Organisation. Es gibt noch strengere Kontrollen, noch mehr Auflagen, es gibt aber auch Vorteile. PBOs haben Sonderstellung, werden von der Regierung von Lokal- bis Landesebene hinzugezogen, wir dürfen sogar kleinere Organisationen auf lokaler Ebene kontrollieren und beraten. Und – es braucht keine 10 Leaderboardmitglieder mehr und ausländische Menschen wie ich haben volles Stimmrecht.

Und daher darf ich verkünden, weil ja auch immer gefragt wird, wie würde es denn ohne dich weitergehen und was, wenn dir mal was passiert – mit kommendem Jahr wird unsere liebe Mag. Sarah Eidler auch in Kenia im Vorstand von Gapeka sitzen, gemeinsam mit mir, dem Obmann, Prof. Katana, unserer Dorfältesten, Madam Conny aus Old Ferry, und Mr. Ngala.

Gratulation liebe Sarah, mehr als verdient. Wir rocken das;-))

 

 

Ich habe lange überlegt, ob ich Stellung beziehen soll, ob ich mich äußern soll. Einige haben mir abgeraten, andere aber fragen direkt – wie ist das denn bei euch. Und jetzt sind es schon zwei Dinge, die es vielleicht klarzustellen gilt.

Zunächst einmal, beginnend mit unserem Nachbarland Deutschland, gibt es ja seit einiger Zeit die Diskussion über die Rolle von NGOs und deren Förderung mit Steuergeld. Um es gleich klarzustellen, ich bin absolut dagegen, außer solch eine NGO tut auch tatsächlich etwas für seine Bürger. Aber – wir sind keine NGO in Österreich/Europa, wir sind ein Verein. Und verglichen mit anderen immer noch klein und überschaubar. Wir finanzieren uns ausschließlich über private Spenden und bekommen keinerlei steuerliche Zuwendung. Entwarnung also.

Hier ging es also ausschließlich um Geld. Das war einfach.

Die zweite Sache wiegt so viel schwerer und wenn ich lese – vertraue keiner Organisation, die mit Kindern zu tun hat, dann trifft mich das mitten ins Herz.

Gemeint ist Herman Gmeiner, ein Österreicher, verstorben 1986 und Gründer der weltweiten SOS-Kinderdörfer. Und der ganz offenbar und bewiesen in mehreren Fällen Buben missbraucht hat. Absolut nicht zu entschuldigen. Abscheulich. Herr Gmeiner war für mich immer eine Lichtgestalt, jemand, den ich bewundert hatte für diese einmalige Idee. Und die Idee ist bis heute gut und ich hoffe für alle betroffenen Kinder, dass alles aufgeklärt wird und sich trotzdem alle Häuser weltweit erhalten können. Ich freue mich keineswegs, wenn andere scheitern. Auch nicht bei kleinen Vereinen, die in Kenia helfen wollen, und da sehe ich seit 20 Jahren viele scheitern. Weil jedes Scheitern Wasser auf die Mühlen derer ist, die sagen – denen kann man nicht trauen. Wer weiß, ob mein Geld ankommt. Ich spende nichts.

Warum ich so sicher bin, dass sowas wie die SOS-Angelegenheit bei uns nicht passieren wird, möchte ich hier kurz auflisten:

  1. Wir haben keine europäischen Mitarbeiter/innen in Kenia. Es fliegen manchmal Paten hinunter, die rund um die Uhr betreut werden und die man nicht allein mit den Kindern lässt. Aber alle anderen sind Kenianer, die fest angestellt sind.
  2. Wir sind in Kenia gut vernetzt und eingebunden in die Gemeinde, stehen unter Beobachtung aller Familien und Eltern und arbeiten eng mit dem Jugendamt zusammen.
  3. Wir haben engagierte Sozialarbeiterinnen – ja, Frauen, eine Psychologin, unsere Kinder sind nicht mit irgendwem allein.
  4. In unserem TCC-Haus, in dem derzeit 30 jüngere Kinder während der Schulzeit leben, werden alle von zwei engagierten Frauen betreut und einmal wöchentlich von unserer Sozialarbeiterin besucht.
  5. Die Strafen für jede Art von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige sind in Kenia gewaltig. Da bleibt es nicht bei Verwarnungen oder einem „das tut man nicht“, da gibt es viele Jahre Gefängnis und kenianische Gefängnisse sind keine Komfortzone.
  6. Und schließlich – wir operieren nicht weltweit in einem riesigen Konzern, nicht einmal Kenia-weit. Wir helfen in einer Gemeinde, wo man sich kennt, wo man alles gut überschauen kann und es keine Geheimnisse gibt.

Das heißt, ich kann nicht garantieren, ob Kenianer das kenianischen Kindern zuhause antun. Ich kann aber garantieren, dass es niemand in der Organisation den uns anvertrauten Kindern antut. Seit ich begonnen habe, tue ich alles, Menschen zu sensibilisieren für jede Art von sexueller Belästigung, sexueller Übergriffe, egal ob Kinder oder Erwachsene. Beim kleinsten Verdacht schalten wir die Polizei ein oder im Falle sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wird sofort gekündigt. Und ja, auch Führungspersonal.

Daher meine Bitte – Hinschauen überall, aber bitte nicht alles in Frage stellen und Hilfe einstellen. Dann hätten die A…löcher gewonnen.

Dr. h.c. Gabriela Vonwald

 

 

Es ist ja nicht so, als hätten wir kaum Sport anzubieten. Wir haben den besten Basketballplatz in Kilifi, wir haben einen Pool, der sich auch für Wettkämpfe eignet, wir haben 50 Paar Skater-Ausrüstung, wir haben Fußball, Taekwondo, Leichtathletik.

Und seit vorgestern 3 absolut perfekte Tischtennistische, sehr professionell. Zwei wurden uns von Paten gespendet, die gerade vor Ort waren, einer von Madam Audrey und das kam so:

Madam Audrey ist 26 Jahre jung, eine zertifizierte Tischtennistrainerin, hat selbst viele Preise gewonnen und eine Organisation ins Leben gerufen, die Tischtennis vor allem Parkinsonpatienten nahe bringen möchte. Einerseits, weil viele Wissenschaftler sagen, dass gerade ein Sport wie Tischtennis, den man notfalls auch im Rollstuhl ausüben kann, sehr gut bei Parkinson wirkt, andererseits will sie mit Charity-Turnieren auf diese Krankheit aufmerksam machen.

Und sie hat uns besucht, fand unsere Schule einfach so sensationell, dass sie zwei Dinge bei uns tun will.

  1. Unsere Kinder gratis trainieren. Die Kids lernen also von einer der Besten.
  2. Am 10 und 11. Oktober bei uns einen Bewerb durchführen, die sogenannten Oronda Opens, wo es darum geht, Spieler, Parkinsonpatienten, Sponsoren und Verantwortliche zusammen zu bringen.

Und als erstes Danke haben wir von ihr diesen einen Tisch bekommen und über sie die beiden anderen zu einem absoluten Sonderpreis (1/3 vom Normalpreis).

Das große Ziel soll sein, einen Hotspot für Tischtennis an der Küste zu haben, denn bisher läuft alles nur über Nairobi.

Und wir sind so stolz, dass wir es sind. Und wieder können wir für viele eine Tür öffnen.

Wir haben ja jetzt nur noch drei Klassen Highschool im alten Schulgesetz, alle anderen sind bereits im neuen Schulplan verankert und werden da natürlich auch „überprüft“. Aber anders als im alten Lehrplan kann man nicht mehr durchfallen, es geht nicht mehr darum, jungen Menschen Wege zu verbauen, sondern Türen zu öffnen. Ich habs schon oft gesagt und geschrieben – alles steht unter dem Titel „Talenteschmiede“.

Viele denken da vielleicht nur daran, haben wir tolle Sportler oder Sänger oder Tänzer bei uns. Natürlich soll auch das gefördert werden. Das Größere darüber heißt aber – wo liegen deine Begabungen. Und das durchaus auch akademisch gemeint. Du interessierst dich für Naturwissenschaften? Großartig. Dann werden wir dich in Biologie oder Chemie fördern. Deins sind eher Sprachen? Kein Thema, dann suchen wir eine Schule, die sich darauf spezialisiert hat.

Daher geht es auch bei den Prüfungen ab Mitte Oktober (gemeint sind nicht die normalen Schularbeiten, die es natürlich auch weiterhin gibt) eben nicht um gute Noten, es geht um – worin bist du gut. Und das ist durchaus auch oder sehr viel eine Herausforderung für unsere Lehrer, die nämlich genau das erkennen müssen. Und zwar in der Grundschule und Unterstufe, denn hier werden die Weichen gestellt für Highschool. Was übrigens auch die Stellung der Grundschullehrer deutlich aufwertet.

Solche Prüfungen gibt es nun in Klasse 3 (dies ist auch die Klasse, wo jedes Kind eine Registrierungsnummer ins kenianische nationale System bekommt und diese Nummer bleibt bis zum Schulschluss, spätestens dann braucht es auch endlich eine Geburtsurkunde), in Klasse 6 und in Klasse 9.

In Klasse 3 und 6 wird getestet, ob die Kinder lesen und schreiben beherrschen, das Zahlensystem, aber auch – wie gut können sie kommunizieren, wie ist ihr Sozialverhalten, können sie kritisch denken (ja, schon in den unteren Klassen gibt es Diskussionsthemen). Und auch hier gibt es Jahresprojekte, beispielsweise in Hauswirtschaft oder Basteln, Umgang mit Abfall oder Plastik, Landwirtschaft. Landwirtschaft wird überhaupt ganz groß geschrieben.

In Klasse 9 nun, die letzte Klasse der so genannten Junior High, erfolgt dann die echte Weichenstellung. Danach besuchen die Kinder entweder weiterführende Hochschulen, und zwar genau solche, die das anbieten, wo die Interessen liegen, oder aber man erlernt einen Handwerksberuf, solche Schulen heißen hier TVET (es gibt kein duales System eines Lehrberufes).

Schulen mussten sich entscheiden, wohin wollen wir uns orientieren, was wollen wir anbieten, wobei STEM verpflichtend ist.

Bei uns wird dies eben STEM sein und Sport/Performing Arts. STEM heißt Science, Technics, Engeneering und Mathe.

Science und Mathe ist klar, Technics heißt IT und Engeneering bedeutet, Grundlagen Handwerk, also durchaus Tischlern, Werken, Handarbeiten, Nähen, Kochen usw.

Unsere Schule wird keine Humanities and Social anbieten, dazu gehören Sprachen, Geographie, Geschichte. Nicht weil wir es nicht schätzen, sondern weil einfach keine Schule mehr alles schafft, denn die Anforderungen sind riesig geworden.

Für unsere Kinder bedeutet dies nach Klasse 9, also am Ende des Jahres, zwei Entscheidungen zu treffen, wobei wir hier natürlich helfen und bereits seit vielen Wochen dazu Orientierungen anbieten.

  1. Möchte ich später mal studieren, möchte ich also den akademischen Weg gehen und weitermachen mit Highschool, oder will ich gleich einen Beruf erlernen?
  2. Wenn akademisch, bleibe ich in der Vonwald-Schule oder wechsele ich in eine mit Sprachen als Schwerpunkt? In diesem Fall suchen wir unter den umliegenden sehr guten Schulen aus und sponsern dort natürlich weiter.

Und natürlich kann es dann auch sein, dass uns viele verlassen und wir die Klassen mit jungen Menschen füllen, die genau das suchen, was wir bieten. So ist die Regel, also dann zu sagen, wir schicken unsere Kids woanders hin und schließen dann die Tür, das wäre ziemlich unsozial.

Was während der gesamten Junior High, also die Klassen 7, 8 und 9, ebenfalls einen hohen Stellenwert hat, sind so genannte Projekte. Mit Mai beginnend bekommen die Kinder Projektarbeiten, die nur als Team gelöst werden können und sollen und wo auch das gesamte Team beurteilt wird. Solch ein Projekt dauert drei Monate, also das gesamte zweite Trimester, es gibt klare Kriterien für die Lehrer, wie das einzuschätzen ist, und alles muss bis 31. August in ein zentrales Register eingetragen sein. Diese Projekte machen später 20% der Gesamtbeurteilung aus. Es sind immer sehr praktische Dinge, die alle mit Umweltschutz, Handwerk, Landwirtschaft zu tun haben.

Auch bei der Matura gibt es, wenn man das als Schule so wählt und wir haben das ja schon vor Jahren gemacht (daher müssen wir verpflichtend mindestens zwei Tierarten halten), immer ein Landwirtschaftsprojekt. Mal muss man Hirse anbauen und dann alles, wirklich alles rund um Hirse erforschen und wissen. Mal Ziegen- oder Hühnerhaltung, Maisanbau oder Kasava. Das können wir nicht aussuchen, sondern es wird uns vom Unterrichtsministerium am Beginn des letzten Schuljahres vorgegeben. Dieses Jahr ging es um die Kreuzung von zwei unterschiedlichen Mangoarten.

Als Schulerhalter bereitet mir all das manchmal Kopfschmerzen, weil wir wirklich viel investieren müssen, allein an Materialien. Aber ich finde das alles so unglaublich spannend, die Kinder haben so viel Freude dabei, lernen viel fürs Leben, sind so kreativ und erarbeiten schon früh gemeinsam Dinge. Es ist wirklich ein sehr toller Lehrplan und ich bin mega gespannt, wie sich unsere Kinder am Ende dieses Jahres entscheiden werden, wer geht wohin, wer bleibt, wer kommt neu dazu.

Allzu oft sieht man ja nur anhand von neuen Gebäuden, neuen Schulen, Wassertanks oder Landwirtschaft, vermittelten Patenschaften , Betten, Hütten oder das Sich-Kümmern um die Community, wie aktiv wir sind. Manche Dinge aber sind ebenfalls wichtig, und die sieht man nicht, zumindest nicht gleich. Netzwerken gehört dazu und dass tun wir nicht einfach nur, damit wir bekannter werden, sondern auch direkt im Zusammenhang mit unseren jungen Menschen.

Ich habe ja immer gesagt, für mich ist Erfolg nicht einfach nur, ein Kind konnte zur Schule gehen und einen Abschluss machen. Ja nicht nur ein Uniabschluss oder ein erlernter Handwerksberuf sind mir genug. Für mich ist es erst dann richtig gut, wenn unsere jungen Menschen einen Job haben, angestellt oder selbständig, wenn sie sich erhalten können, sich ein leben aufbauen können.

Und das ist in Kenia sehr schwer.

Man sollte glauben – gut ausgebildet, da reißen sich die Firmen um einen. Leider weit gefehlt. Zum einen gibt es gar nicht so viele Firmen, zum anderen wollen alle natürlich zuerst mal ein unbezahltes oder nur wenig bezahltes Praktikum. Ohne Praktikum hat man am Arbeitsmarkt kaum eine Chance. Diese Praktika nach dem Abschluss heißen „internship“ und sind heiß begehrt, denn ganz oft behalten einen die Firmen danach, was ja auch logisch ist, und wenn nicht, kann man bei einem Vorstellungsgespräch sagen, ja, ich hab das dort gemacht, ich hab praktische Erfahrung gesammelt.

Auf wenige Praktikumsplätze kommen also viele junge Menschen. Und was die Angelegenheit noch erschwert ist, dass unsere fertigen Studenten einfach zu unbeweglich sind, zu schüchtern, zu – was soll ich denn jetzt machen. Und Eltern, die dahinter sind, die einen Beruf haben, die selbst studiert haben, die gibt es zumindest in dem Bereich, in dem wir arbeiten, auch nicht.

Derzeit haben wir daher Schwerpunkt – für alle jungen Leute, die ihr Studium abgeschlossen haben, entweder Praktikumsplätze zu vermitteln (durch unsere inzwischen unglaublich vielfältigen Kontakte), bei denen, die sich in einem Handwerksberuf selbständig machen wollen, die Grundausstattung an Werkzeug bereit zu stellen, und bei manchen anderen einfach einen Job zu suchen.

5 junge Menschen wurden von uns gleich absorbiert, eine sechste kommt im September dazu. Lehrer/innen, Sozialarbeiterinnen. Für einige hat es mit den Praktikumsplätzen schon geklappt. In staatlicher Verwaltung, in unserer Hausbank, in unserem Partnerspital.

Das alles kostet aber nicht nur Zeit und Energie und Leidenschaft, es kostet auch Geld. Transport, eventuell eine vorübergehende Miete, Werkzeug usw.

Daher ist dieser heutige Blog auch ein Aufruf – wir bitten im Namen gut ausgebildeter junger Menschen um Spenden mit dem Betreff „Jobstart“. Denn nur dann war unsere langjährige Arbeit nicht umsonst.

Gabriela Vonwald