Unsere Toilette für die Nursery wurde heute feierlich eröffnet. Mit insgesamt drei Toilettenanlagen kommen wir jetzt gut durch.

Neben vielen Geschichten von Elend und Not, freut es mich immer besonders, wenn ich Erfolgsstories berichten kann.
Ihr erinnert euch an Mr. Kalama, den fleißigen Familienvater weit draußen in der ländlichen Armengegend? Der sich abgemüht hat, ein Farmer zu sein und immer wieder kam ihm die Trockenzeit dazwischen? Der mit seinen Kindern täglich 4 Stunden aufbringen musste, nur um Wasser zu holen? Und dem wir das Wasser dank lieber Spender zu seinem Haus und Hof geleitet haben?


Heute hab ich ihn besucht, weil ich in der Gegend 14 Betten und Moskitonetze verteilt hab. Welch ein unglaublicher Unterschied. Statt in Verzweiflung und Elend komme ich in ein Paradies. Hier wächst inzwischen alles, von Tomaten über Bananen, von Mais bis Süßkartoffeln. Und eine strahlende Familie begrüßt mich und erzählt mir, wie sehr sich ihr Leben geändert hat. Kosten für alles unter Euro 2.000,- Jetzt wollen wir noch eine Sprinkleranlage finanzieren und Herr Kalama baut in Eigenregie mit ein wenig Hilfe von uns einen unterirdischen Wassertank für die nächste Trockenperiode.


Ich liebe das so sehr.

Spenden? Kommt ja doch nicht an…

Was machen wir mit dem uns anvertrauten Geld oder – warum läuft bei uns manches anders?
In der heutigen Zeit hört man viel über veruntreute Spendengelder, Verschwendung und Korruption. Daher sind viele Menschen misstrauisch. Und ja, das gibt es leider. Und das kann ich nach mehr als 10 Jahren in diesem Land Kenia auch bestätigen. Es tut mir aber persönlich als Gründerin dieses Projektes weh, wenn wir mit allen anderen in einen Topf geworfen werden, daher mag ich hier in Kürze erklären, was bei uns anders ist.
Zunächst einmal – in diesem Projekt steckt sehr viel von meinem persönlichen Geld. Im Laufe vieler Jahre rund eine halbe Million Euro. Glauben Sie mir, wenn man nicht nur fremdes Spendengeld verwaltet ,sondern auch eigenes, dann schaut man genau hin.
Wir sind eine österreichische Organisation mit Spendern und Paten in mehreren europäischen Ländern und einem Spendenaufkommen im Vorjahr (2016) von rund 400.000 Euro) Neben dem, was wir nicht vermeiden können, beispielsweise Bankgebühren und Portokosten sowie den Wirtschaftsprüfer (den Vereine in Österreich selbst zahlen müssen und womit wir dem Finanzamt die Arbeit abnehmen) für steuerliche Absetzbarkeit und Spendengütesiegel und damit verbunden einer ordnungsgemäßen Buchhaltung gibt es bei uns keine Spesen, keine Gehälter, keine Verwaltungskosten, keine Werbung, keine Büromieten – nichts. Wir arbeiten alle ehrenamtlich neben unseren Berufen. Und ich habe diese Organisation nicht gegründet, weil ich auf der Suche war nach einem gut bezahlten Job, in dem ich mich Präsidentin nennen darf.
Selbstverständlich zahlen wir uns auch Flüge nach Kenia und den Aufenthalt dort selbst. Ich käme niemals auf die Idee, mir die Miete für meine Wohnung vor Ort von Spendengeldern weg zu nehmen. Das Gleiche gilt für Besuche unserer Paten.
Wir beschäftigen IN Kenia ausschließlich Kenianer, denen wir faire Löhne zahlen, mit denen sie ihre Familien erhalten können. Und ja, dort sitzen einige auch im Büro, wesentlich mehr aber sind Lehrer, Köchin, Putzfrau, Fahrer, Sicherheitsperson am Tor. Aber niemand kommt bezahlt aus Europa. Unsere Volontäre arbeiten ebenfalls ehrenamtlich und zahlen für Flug und Unterkunft.
Daher – JA, das Geld kommt zu nahezu 100% dort an, wo Hilfe benötigt wird. Würde die Bank uns keine Gebühren verrechnen, die Post die Spendenpakete und Patenbriefe gratis versenden und das Finanzamt die Arbeit selbst machen, dann könnten wir sagen – ganze 100%
Was zahlen wir mit Patengeldern, was zahlen wir mit freien oder zweckgebundenen Spenden.
Patengelder werden ausschließlich für die Ausbildung der Kinder verwendet. Also natürlich die Gehälter all derer, die eine solche Schule in dieser Größenordnung am Leben halten (wir haben derzeit in der Vonwald-Schule etwas über 600 Kinder, in anderen Schulen bis zur Uni rund 200), aber vor allem auch Essen, nämlich heißer Tee gleich in der Früh, ein Frühstück aus Porridge und zweimal pro Woche einem Ei dazu und ein abwechslungsreiches Mittagessen mit täglich Gemüse und Obst. Dies und die Bücher, die in Kenia teuer sind, sind der größte Posten.
Von Patengeldern wird NIEMALS etwas weggenommen, um neue Gebäude zu errichten.
Dies und Ausgabe von Extras wie Betten, Moskitonetze, Fahrräder etc. nehmen wir von freien oder gebundenen Spenden. Der Unterschied zwischen beiden – bei gebundenen Spenden schreibt der Gesetzgeber vor, dass diese ausschließlich im Sinne des Spenders verwendet werden dürfen (zugegeben, würde jemand für sein Kind ein Haus mit Pool bauen wollen, würden wir einschreiten).
Freie Spenden retten uns oft genug rein dadurch, dass wir hiermit mal schnelle Hilfe leisten, mal eine Schuluniform, Inflation bereinigen, eine Wand streichen oder bei einer Hütte das Dach reparieren.
Und das wars auch schon. Wir leisten uns keinen Fuhrpark an teuren Autos, reisen nicht durch die Weltgeschichte, haben keine großen Bürogebäude und machen nicht monatliche sinnlose Meetings. Und wir spielen mit Spendengeldern auch nicht an der Börse.
Wir helfen. Und dies seit mehr als 10 Jahren.
Danke an alle Mitarbeiter auf beiden Seiten des Äquators und die vielen hundert Menschen, die meinen Traum mit tragen.
“Life is not a competition, life is helping each other.”
Gabriela Vonwald

Klein und niedlich?

Diejenigen, die schon seit Jahren mitlesen, wenn ich über mein Kenia und mein Projekt schreibe (und man verzeihe mir das „mein“ dabei, natürlich ist es die Arbeit von vielen), kennen meine Einstellung ja schon, dass die echte große Hilfe eigentlich erst bei Secondary anfängt. Natürlich holen wir die Kleinsten von der Straße, um sie in das einzufädeln, was man allgemein den Bildungsweg nennt. Und ich hoffe, dass man das bei zukünftigen Klassen merkt, dass wir hier nicht wie in der Anfangszeit immer früher etwas verbessern wollen, und sei es nur durch vernünftige Ernährung schon von klein auf.
Diese Kleinen sind niedlich, daher „gehen sie schnell weg“, was brutal klingt, aber ich hoffe, ihr alle wisst, was ich meine und dass es auch vollkommen okay ist, wenn man sich für klein und niedlich entscheidet. Und natürlich hoffe ich immer, wenn jemand ein Kind ab dem 3. oder 4. Lebensjahr begleitet, dass er/sie dann keinen Rückzieher macht, wenn nicht mehr klein und niedlich, sondern pubertierend und teuer.
Seit wir Secondary anbieten, hab ich so viele Schicksale gehört und gesehen, verzweifelte junge Menschen, die mit großartigen Noten die Primary abgeschlossen und dann keine Chance auf eine weiterführende Schule haben. Die Eltern haben einfach das Geld nicht. Immer wieder könnte ich laut schreien bei dieser Verschwendung von Ressourcen. Und leider werden diese größeren Kinder nach der 8. Klasse auch bei den meisten großen Organisationen auf die Straße gesetzt. Weil man dort den Paten nicht kommunizieren kann, warum es plötzlich doppelt so viel kostet oder aus welchem Grund auch immer. Einfach brutal. In beiden Schuljahren haben wir jetzt je zwei Kinder aufgenommen, die von einer anderen Organisation einfach entsorgt wurden (ich möchte keine Namen nennen, die haben alle gute Anwälte, wer mich kennt, weiß, wen ich da als wohl schlimmste ihrer Zunft meine). Und da denke ich mir manchmal, besser man hätte sie gar nicht erst lernen lassen, denn jetzt hat man zornige und verzweifelte junge Menschen, die lesen und schreiben können und an Bildung schnuppern durften, nur um jetzt eine versperrte Tür vorzufinden.
Und daher liegen mir unsere Großen so am Herzen. Sie haben nur uns. Viele kleine Organisationen oder auch Privatpersonen helfen im Bereich Nursery oder etwas älter, steigen aber dann aus, wenn es teuer wird.
Würde ich heute nochmals beginnen oder sollte ich jemals zu echtem Reichtum kommen, ich würde weitere Secondarys bauen.
Und noch etwas, wo ich ziemlich allein gegen die allgemeine Meinung vieler Organisationen stehe, die groß verkünden, man solle möglichst nur Mädchen fördern. Weil sie benachteiligt sind, oft unter Gewalt leiden, früh verheiratet werden usw. Alles richtig. Aber – was ich hier in Kenia beobachten kann ist: Gut ausgebildete Männer, die einen vernünftigen Beruf erlernt haben und ihre Familie ernähren können, behandeln ihre Frauen gut, lassen sie was lernen oder auch einen Job ausüben, sorgen dafür, dass es nicht mehr als eine überschaubare Menge an Kindern gibt, und alle sind zufrieden. Eben auch die Frauen.
Es sind die aus dem System gefallenen unzufriedenen jungen Männer, kein Beruf, kein Schulabschluss, die herumlungern, sich dem Alkohol zuwenden, ihre Frauen misshandeln, viele Kinder zeugen, damit sie wenigstens in irgendwas vorn dabei sind, und wo dann die ganze Familie und vor allem die Kinder zu leiden haben.
Daher auch (und weil Mädchen in dem Alter leider etwas schwieriger zu betreuen sind – ich weiß, wovon ich rede, ich bin Mutter zweier Töchter;-)) bauen wir jetzt zuerst mal Schlafsäle für die großen Buben, damit sie den oft weiten Weg nicht gehen müssen, sich aufs Lernen konzentrieren können, damit aus ihnen was wird. Und das heißt nicht, dass wir die Mädchen nicht fördern. Aber wir sorgen eben auch für die Buben, auf denen oft ein unglaublicher Druck liegt.
Irgendwie ist es nämlich hier wie im Tierreich – Mädchen dürfen auch im Erwachsenenalter bleiben und in der Hütte der Mutter wohnen, ja sogar im gleichen Bett schlafen. Buben müssen oft schon im Alter von 14 Jahren ausziehen. Ich hab ganz oft gesehen, dass sie im Ziegenstall schlafen mussten oder unter einem Baum im Freien.
Bitte helft uns daher vor allem mit den Großen, auch wenn es teurer ist. Vielleicht eben, indem sich zwei Paten ein Kind teilen. Danke.

Nach vielen Überlegungen werden wir versuchen, morgen eine erste Bestandsaufnahme zu machen, wie gross die Schäden bei unseren Familien sind. Zur Not müssen wir die Schule für die unteren Klassen eine Woche zusperren und in den Räumen Härtefall unterbringen. Wir werden morgen versuchen, Pullover und Decken zu kaufen. Wie gesagt, es ist recht kalt. Und Kleinkinder, die nichts Trockenes mehr am Körper haben, die brauchen jetzt was Warmes. Zumindest mal, bis die Sonne wieder kommt, geht es jetzt nur um Erste Hilfe. Wir sprechen hier von Menschen, die ohnehin nichts haben und als Kleidung oft nur das eine T-Shirt. War anders gedacht mein Aufenthalt, aber jetzt braucht es mal schnelles Helfen.

So wird Hunger gemacht

Maismehl – unga – das Grundnahrungsmittel aller Menschen in Kenia. Für die etwas Reicheren die ideale Beilage wie bei uns Kartoffeln oder Reis, für die Armen immer Hauptgericht mit irgendeinem Gemüse, für die ganz Armen das einzige Gericht. Mehl wird aufgekocht mit Wasser und solange eingedickt, bis eben das entsteht, was man hier gut gewürzt als Polenta kennt. In Kenia heißt es ugali. Nur gut gewürzt ist es meistens nicht, selbst Salz können sich arme Menschen hier nicht leisten. Also nur Maismehl und Wasser. Über den gesundheitlichen Wert dieser einseitigen Ernährung kann man natürlich streiten, aber es füllt den Magen, nimmt den nagenden Hunger, ist – meistens jedenfalls – irgendwie erschwinglich. Und mit Zucker und Fett gut aufgekocht ist es als süßer Brei auch bei uns in der Schule als Porridge a la Kenia das Frühstück.
Man kann sich also vorstellen, was passiert, wenn dieses so wichtige und oft einzige Lebensmittel nicht mehr erhältlich ist, und sei es nur einen Tag. Kaum jemand ist in der Lage, sich ein paar Kilo auf Vorrat zu kaufen in einer Gesellschaft, in der einfache Arbeiter, falls sie denn überhaupt einen Job haben, als Tagelöhner bezahlt werden. Und selbst wenn es nicht so wäre – einfach mal vorstellen, was bei uns los wäre, wenn es ab morgen kein Brot mehr gibt. Also gar keines, auch wenn man es für das Doppelte des ursprünglichen Preises erwerben wollen würde. Das Mehl ist da, der Bäcker auch, aber aus unerfindlichen Gründen gibt’s eben kein Brot. Der Unterschied zu Kenia aber – wir haben Alternativen. Wir würden uns ärgern, Untersuchungskommissionen einrichten, aber wir würden nicht Hunger leiden.
Irgendwie würde man eine Verknappung ja noch einsehen, wenn dies irgendwas mit dem Gesetz der Natur zu tun hätte. Lange Dürre, kein Wasser, kein Saatgut. Nur, so ist es hier nicht. Und der Grund für diese unglaubliche Situation ist so mies, dass man gar nicht so viel essen kann, wie man kotzen möchte. Und wo sich große Hilfsorganisationen auch nicht gerade mit Ruhm bekleckern.
Es gibt Geschäftsleute, die meisten sitzen in Nairobi (und nein, ich rede da noch nicht über die Unmenschen, die an der Börse mit Lebensmitteln weltweit spekulieren und die in meinen Augen in der Hölle schmoren sollten), und diese klugen Köpfe kaufen zu Zeiten, wo es genug Mais gibt und er billig ist, viel davon ein, sehr viel. Und zwar den in ganzen Körnern, denn der lässt sich gut lagern und ist noch ein Stück billiger als das gemahlene Mehl. Es gibt in Nairobi riesige Lagerhallen, die nur einem Inder allein gehören. Und dann warten sie einfach ab.
Der Markt ist also zunehmend leer gefischt, die Preise steigen. Erst langsam, dann immer schneller. Und wenn dann noch Wahlen ins Haus stehen, mischen auch ein paar geldgierige korrupte Politiker mit, die dann im Wahlkampf versprechen können, dass, wenn man sie nur wählt, sie der Inflation sofort ein Ende machen werden und es dann wieder genug Mais gibt. Ja, den wird es geben, auch ohne dass man diese Herren wählt, einfach aus dem Grund, weil die ganze Sache irgendwann ausgereizt ist und der Markt wieder liefert.
Vorher machen die cleveren Geschäftsleute in Nairobi aber noch das ganz große Geschäft. Und zwar pikanterweise mit den vielen NGOs und Organisationen, die sich vor allem in Nairobi als Zentrale Ostafrikas die Klinke in die Hand geben. Diese Hilfsorganisationen zahlen nämlich jeden Preis, böse Zungen hier sagen offen, Hauptsache, auf dem Sack mit Mehl würde groß der Name stehen, damit man den auch im Fernsehen erkennen kann.
Und das bewirkt dann zweierlei – zuerst wird der Markt leer gekauft, die Preise steigen ins Unermessliche, Arme können sich das nicht mehr leisten, also müssen Hilfsorganisationen einspringen und sie retten. Die haben das Geld, weil es von Spenden aus Europa kommt. Ohne diesen ganzen Wahnsinn hätten sich die Menschen das locker selbst kaufen können, hätten ihre Würde behalten, es würde sich aber in den Bilanzen der diversen Hilfsclubs nicht so gut verkaufen lassen.
Und jetzt zu meiner ganz persönlichen Lösung und ich sagte es ja schon, wenn ich so richtig zornig bin, kommen mir immer gute Ideen:
Sobald ich die ärgsten Baustellen hier erledigt habe, bei viel Hilfe denke ich, so in der zweiten Jahreshälfte, werden wir ein Lager bauen. Gut gelüftet, verfliest, versperrt. Und werden Mais einlagern, wenn er billig ist. Und wenn der Wahnsinn wieder anfängt, werden wir diesen Mais ausgeben an unsere Familien zum Eigenbedarf und zu dem Preis, um den wir ihn Monate vorher selbst eingekauft haben. Außerdem lasse ich gerade diverse Maschinen kalkulieren, mit denen wir selbst mahlen können, denn die Differenz zwischen gemahlen und ganzen Körnern ist gewaltig.
Nur ein Tropfen. Stimmt. Aber irgendwo muss man anfangen, eingefahrene blödsinnige Strukturen zu durchbrechen. Ich hoffe auf Unterstützung.

Kurzer Bericht, noch bevor ich unter die Dusche steige. Bin recht müde und merke doch, dass ich dieses Jahr 60 werde. Auf dem Rückweg dieser Schüttelstraßen und durch Staub und Dreck fallen mir manchmal fast die Augen zu.
Wir hatten uns für heute die ländliche Region vorgenommen, unsere Armenschule und die dortigen Familien, die wir unterstützen. Ich dachte mir, dass die Regenmassen da sicher am meisten Schaden angerichtet haben. Wir hatten den Besuch für heute ohnehin geplant, also warum nicht beides verbinden. Zufahrtsstraße schlammig und mit großen Seen, aber – Kompliment an alle kenianischen Fahrer – problemlos angekommen.
Der Arbeitstag hat damit begonnen, dass wir mal in Kilifi alles zusammen gekauft haben, was uns wichtig erschien für 20 Familien. Dazu gehörte ganz oben auf der Prioritätenliste warme Kleidung, teilweise sogar gefütterte, wattierte Jacken. Kinder, die nur ein T-Shirt am Leib tragen, das dann bei Regen sofort nass ist, keine warmen Decken und keine kuscheligen Betten, unterernährt und viel zu dünn, da kann so eine Daunenjacke ein wenig Wärme und Geborgenheit bringen. Heute haben wir die 20 Teile noch einzeln gekauft, für Morgen aber zwei Großpakete. Wie richtig wir lagen, zeigen die strahlenden Gesichter auf den Fotos, die später noch kommen.
Dann statt Wolldecken, die viel Feuchtigkeit saugen und sich nicht einfach so (mit der Hand) waschen lassen, etwas stärkere Betttücher zum sich einwickeln und zudecken. Da Iso-Matten nicht zu bekommen waren, haben wir die hier üblichen großen Mehlsäcke aus Polyester gekauft, aufgeschnitten ergeben sie eine feuchtigkeitsundurchlässige Unterlage. Und Nahrungsmittel, ich sagte es gestern schon, der Hunger ist groß, und in dieser Gegend noch mehr als sonst irgendwo. Das Problem aber, es gab heute in ganz Kilifi County (also nicht nur in der Stadt) kein Maismehl mehr. Gar keines. Ich schreibe dazu später noch einen eigenen Beitrag, weil es mich so zornig macht und immer, wenn ich zornig bin, bin ich am kreativsten. So auch hier. Also haben wir zwei große Säcke Reis gekauft.
Und wir haben wirklich viele glückliche Gesichter gezaubert. Die Familien werden sich heute mal satt essen, auch ein Kilo Zucker für jede Familie war dabei (ja, Zucker ist nicht gesund. Für dicke Europäer, die davon täglich Mengen konsumieren. Für Menschen, die nichts haben, ist ein heißer gezuckerter Tee am Morgen das Paradies nach einer kalten Nacht). Und die Kinder werden es warm haben und sich zudecken können.
Die ganze Aktion heute hat übrigens 200 Euro gekostet.

So sieht es derzeit in Kilifi aus.

Wir mussten am Nachmittag die Schule evakuieren und vor allem die Kleinsten über das Nachbargrundstück der Universität bis zur Straße bringen. Ich hab noch keine Ahnung, wie viele der Hütten der Ärmsten es nicht überlebt haben, wie viele Menschen seit heute auf der Straße sitzen. Es waren 10 Stunden nonstop Wolkenbruch. Und es ist vergleichsweise kalt, vor allem für Menschen, die nichts Trockenes mehr zum Anziehen besitzen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie für so viele Menschen und Kinder die heutige Nacht aussieht.

heftige Unwetter in Kilifi

Weltuntergang in Kenia. Selbst meine Freunde hier bestätigen mir, dass sie sich nicht erinnern könnten, wann es das letzte Mal am Tag so heftig geregnet hätte.Seit ein paar Stunden ist die Schule komplett von der Zufahrt abgeschnitten. Wir selbst (Volontäre und ich) mussten schon durch kleine Bäche, riesengroße Pfützen und Schlamm laufen, um zu einer befahrbaren Straße zu kommen, wo George mit Auto gewartet hat. Autos kommen nicht mehr zur Schule durch, Lebensmittellieferungen – keine Chance. Baumaterial schon gar nicht. Und auch dies ist wieder einmal hausgemacht, denn die untere Zufahrt, die zum neuen Hotel führt, wurde wohl ganz offenbar von einem Blinden konstruiert. Es war abzusehen, dass es Teile der Straße irgendwann gleich wieder weg schwappt und dass ein riesengroßer See entstehen wird. Die Regierung hat jetzt ein Jahr lang zugeschaut und zu diversen Göttern gebetet.
Die Kinder, vor allem die Kleinsten, mussten wir über das Grundstück der benachbarten Universität evakuieren, die wären uns davon gerutscht oder ertrunken.
Keine Ahnung auch, ob ich morgen irgendwie überhaupt auf Tour sein kann, alle Straßen rund um Kilifi sehen ähnlich aus. Für Mittwoch wäre Müttertreffen angesetzt, aber im Augenblick steht alles in den Sternen.
Und bitte – wir brauchen dringend finanzielle Hilfe, um bei diesen Wassermassen das Nursery-Grundstück abzusichern.

Gabriela Vonwald

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